Miroloi

Roman. Nominiert für den Deutschen Buchpreis 2019 (Longlist)

Karen Köhler

Durchschnittliche Bewertung
3.5Sterne
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"So eine wie ich ist hier eigentlich nicht vorgesehen." - Karen Köhlers erster Roman über eine junge Frau, die sich auflehnt. Gegen die Strukturen ihrer Gesellschaft und für die Freiheit

Ein Dorf, eine Insel, eine ganze Welt: Karen Köhlers...

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Kommentare zu "Miroloi"

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  • 5 Sterne

    Kaffeeelse, 16.09.2019

    Dieses Buch wäre das zweite Buch von der diesjährigen Longlist des Deutschen Bücherpreises, welches ich gelesen habe und ich kann sagen, "Miroloi" lässt mich vollkommen begeistert zurück. Die Tiefe, die in dieser etwas simpel gestrickten Story zu finden ist, wäre atemberaubend zu nennen und das literarische und psychologische Können, das Karen Köhler hier erkennen lässt, ist gewaltig.


    Warum bin ich so begeistert, wo es doch sooo viele negative Stimmen gibt. Weil mich die Geschichte unheimlich berührt und getroffen hat! Und das ist etwas wunderschönes, ein wundervolles Gefühl! Ja, ihr lieben Literaturkritiker, das sollte man nicht ausser Acht lassen! Es gab ja schon bei "Stella" viel Geschrei. Unnötiges Geschrei! Und hier ist es dasselbe. Unnötiges Geschrei!


    Die Erzählstimme, die Karen Köhler hier entstehen lässt, gehört einem jungen Mädchen, ein ausgegrenztes Mädchen. Ein Mädchen, welches kurz nach seiner Geburt in einem Karton ausgesetzt wurde, von dem örtlichen Priester, dem Betvater aufgezogen wird. Ein Mädchen, dass durch die Regeln in dieser Gesellschaft, durch ihr Ausgesetztsein, durch ihre fehlende Familie, keinen Namen erhält, also eigentlich nicht da ist. Ein Mädchen, welches wissbegierig ist, aber in einer Gesellschaft lebt, in der Frauen nicht lesen und schreiben dürfen. Ein Mädchen, welches Kraft hat und aus dieser Gesellschaft entfliehen möchte, aber daran gehindert und für ihren Fluchtversuch bestraft wird, ein Bein wird ihr zertrümmert, fortan kann sie nur noch humpeln. Ein Mädchen, dass kaum Bezugspersonen hat, nur der Betvater und eine ältere Frau kümmern sich um sie und geben ihr etwas Liebe. Eine alleinstehende und dadurch auch schutzlose Person wird schnell zur Zielscheibe. Und genau das ist das Mädchen, eine Zielscheibe. Durch dieses ganze Erleben ist das Mädchen beeinträchtigt und diese Beeinträchtigung lässt Karen Köhler in ihrer Sprache erklingen. das Mädchen ist die Erzählstimme in "Miroloi", sie erzählt von ihrer Welt, von ihrer Insel, von ihrer Umgebung, von ihrer Ausweglosigkeit, von ihrer Trauer, von ihrer Wut, von ihren Wünschen, von ihrem Leben, aber auch von Veränderungen. Und das geschieht in einer naiven, kindlichen, aber gleichzeitig auch tief poetischen Sprache, schlussendlich aber auch eine dem Entwicklungsstand des Mädchens perfekt angepassten Sprache. Und diese Sprache berührt tief. Auch wenn die Story nach und nach recht vorhersehbar daherkommt, hat mich das nicht gestört. weil dieses Mädchen und ihr Blick auf eine Diktatur, auf eine in sich geschlossene und auch aggressive Gesellschaft, eine durch Religion und Patriarchat geformte Gesellschaft viele Vergleiche in die heutige Zeit hochkommen lassen. Vergleiche, die weh tun und nachdenklich machen. Und das ist doch etwas was ein Buch tun sollte. berühren und zum Nachdenken anregen. Dies tut es!


    Auch wenn einiges nicht vollkommen aufgeklärt wurde, empfand ich das als nicht weiter störend, eine Geschichte wurde erzählt, die Geschichte des Mädchens und dies ist der Hauptbestandteil des Buches. Alles andere beantwortet die eigene Fantasie.


    Und, auch wenn von einigen die Meinung vertreten wird, dieses Buch ist in meinen Augen kein Jugendbuch!

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    janein
  • 5 Sterne

    Monika M., 12.09.2019

    Schwere, aber sehr intelligente und gute Kost!
    Als ich begann das Buch zu lesen, war ich etwas verwirrt. Das sollte für den Buchpreis nominiert sein? Diese fiktive Geschichte über ein scheinbar im Mittelalter stecken gebliebens, primitives Dorf und deren Bewohnerin, die weder Familie, noch Geschichte, Herkunft und kaum einen Verbündeten hat? Dieses Buch, dessen Erzählstil so eigenartig war, dass ich anfangs gar nicht so richtig in einen Lesefluss kommen wollte? Die Kürze der Kapitel, die uns die Protagonistin „singt“, hat mir direkt gefallen, aber die eigenartige Sprache, die sonderbare Geschichte, die bemitleidenswerte Protagonistin, die als Findelkind am Rande der Gesellschaft existiert, weil man dies nicht mal „Leben“ nennen kann? Ich war ein wenig verwirrt, was sich jedoch mit jeder einzelnen Seite immer mehr legte. Die Begeisterung wuchs und ich erkannte, welches Meisterwerk der Autorin hier doch gelungen ist! Wie einfühlsam und intelligent sie die Entwicklung der Hauptfigur beschreibt, die zwar als „dumme Eselsgeburt“ beschimpft und vom beinahe ganzen Dorf gehetzt wird, die anfangs vielleicht auch noch ein wenig einfältig und naiv wirkt, ist mehr als bemerkenswert. Das Mädchen hinterfragt, reflektiert und setzt sich über Gesetze hinweg. Es ist wissbegierig, zwar gehorsam, aber nicht blind und bis aufs Äusserste gebrochen. Ihr Willen bleibt und wächst. Sie lernt lesen, macht ihr Ding und fragt sich, was das Leben noch bereit halten könnte, sie gibt sich mit keiner Situation ab, versucht aktiv zu ändern und entwickelt sich innerhalb des Buches rasanter und grossartiger, als die Menschheit in Jahrhunderten geschafft hat. Sie emanzipiert sich, versucht anfangs mit kleinen, unscheinbaren, später mit grossen, polternden Schritten andere ebenso zum Nachdenken und Aufstehen zu bewegen, gibt nie auf und bleibt unglaublich stark, welche Steine ihr auch in den Weg gelegt werden. Diese Entwicklung schlägt sich auch im Erzählstil nieder, was der Autorin einfach grossartig gelungen ist und den Fortschritt der Hauptfigur noch intensiver unterstreicht. Wenn man das Buch nach der letzten Seite schliesst, klingt es weiter im Inneren nach. Wie weitsichtig, gefühlvoll, ehrlich und grausam die Autoren die verschiedenen Mitglieder der Gesellschaft, deren Umgang miteinander und untereinander, sowie deren passives Ertragen erzählt, sucht seinesgleichen. Dieses fiktive Dorf steht als Sinnbild für die Ungerechtigkeiten des Lebens, für Menschen, die etwas daran ändern wollen, die nachdenken und sehen und verstehen, ebenso wie für diese, die stur folgen und absolut unreflektiert passiv dahin vegetieren. Gerade die Rolle als Frau und deren Unterdrückung wird thematisiert und durch die Protagonistin aufgearbeitet. Eine Romanfigur, die man so schnell nicht vergessen kann, die ein Vorbild, eine Leitfigur sein sollte, damals wie heute! Ich bin restlos begeistert und kann dieses Buch nur aus tiefstem Herzen empfehlen! Keine leichte Kost, die sich jedoch mit jeder Seite lohnt!

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    janein
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