Mehr als nur nichts essen: fasten

Fasten ist ein Thema, das, pardon, derzeit in vieler Munde ist. Kein Wunder - insbesondere nach der kalorienreichen Weihnachtszeit haben viele Menschen das Bedürfnis, ihren Körper grundlegend zu entlasten und überflüssige Pfunde zu vertreiben. Auch im Hinblick auf schmerzhafte körperliche Beschwerden kann der temporäre Verzicht auf feste Nahrung bemerkenswerte Verbesserungen bringen. Doch: wie geht richtig fasten eigentlich?

Die populärste Art des Fastens ist der zeitlich begrenzte Verzicht aufs Essen. Generell schätzen Fastenwillige das Frühjahr für den Start in die reinigende Zeit, auch im Herbst wird gerne gefastet. Und sie alle hält die Aussicht auf das gute Gefühl nach der Fastenzeit bei der Stange. Fragen Sie doch einmal Menschen, die bereits Erfahrung mit dem Fasten haben: So gut wie alle werden Ihnen bestätigen, wie gut es ihnen während des Fastens ging, wie nach kurzer Zeit die Lust aufs Essen in den Hintergrund, dafür bewusster Genuss anderer Dinge und eine wunderbare Leichtigkeit ganz allgemein in den Vordergrund rückte.

Was bewirkt das Fasten?

In den 1960er Jahren wurde das Fasten als Mittel zur Gewichtsreduktion entdeckt. Über viele Jahre hinweg standen nun der Abbau von Körperfett und das Ideal eines schlanken Körpers im Vordergrund. Bis heute ein grosses Thema, doch den temporären Verzicht auf feste Nahrung schätzen viele Fastenwillige auch wieder als Akt der geistigen Reinigung und spirituellen Selbstfindung. Menschen auf allen Kontinenten kennen die Tradition des Fastens - denn es tut uns erwiesenermassen gut. Der Körper ist zwar von der ausbleibenden Nahrung erst einmal geschockt. Dann legt er aber richtig los: Die körpereigene Müllabfuhr legt los und transportiert Überflüssiges ab. Zellen regenerieren sich und werden sogar neu gebildet. Das wirkt sich positiv auf Darm, Leber, Bauchspeicheldrüse, Gehirn und mehrere Blutwerte aus. Natürlich nehmen wir auch ein paar Pfund ab, aber beim echten Fasten steht nicht die Gewichtsreduktion, sondern die Entgiftung an erster Stelle.

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Sieht karg aus, aber zu fasten kann sehr erfüllend sein.

Welche Fasten-Methode passt zu mir?

Ganz egal, ob Sie durch Fasten Ihren Körper oder Ihren Geist reinigen und entlasten wollen, einige Dinge sollten beachtet werden. Das sind die bekannten Fastenarten:

Heilfasten

Ziel des Heilfastens ist, den Stoffwechsel anzuregen und die Entgiftungsprozesse des Körpers zu fördern. Damit soll eine gesundheitserhaltende, aber auch therapeutische Wirkung erreicht werden. Typische Einsatzgebiete des therapeutischen Fastens sind Stoffwechsel- und Kreislauferkrankungen, chronisch-entzündliche Schmerzzustände sowie Hauterkrankungen und Allergien. Eine bekannte Form ist das Buchinger-Fasten, benannt nach dem Arzt Otto Buchinger. Als erstes wird dabei mit Hilfe von Glaubersalz der Darm geleert. Danach wird für sieben bis zehn Tage keine feste Nahrung zu sich genommen und ausschliesslich getrunken. Da der Körper aber weiterhin Mineralstoffe benötigt, werden diese z.B. durch Gemüsebrühe, verdünnte Obstsäfte und Tee mit etwas Honig zugeführt. Es ist allerdings nicht ganz ohne, diese radikale Art des Fastens in den Alltag zu integrieren.

Saftfasten

Beim Saftfasten sind pro Tag nur anderthalb Liter frisch gepresste Säfte plus Wasser erlaubt. Sie versorgen den Körper mit jeder Menge Vitalstoffen. Üblich sind drei Fastentage, in denen Bewegung und Massagen für einen Extra-Stoffwechselkick sorgen.

Basenfasten

Das Basenfasten setzt auf reichlich Obst und Gemüse, denn diese Lebensmittel wirken einer Übersäuerung des Körpers entgegen, sind sogenannte Basenbildner. Auf den Tisch kommen ausserdem Kräuter, Keimlinge, Nüsse und wertvolle Öle, dazu zwei bis drei Liter Wasser oder Kräutertee.

Intervallfasten

Beim Intervallfasten geht es darum, die Nahrungsaufnahme für eine gewisse Zeit einzustellen. Im Vordergrund steht dabei die Gewichtsreduktion unter Vermeidung des JoJo-Effektes. Da beim Intervallfasten der Rhythmus der Mahlzeiten immer wieder unterbrochen wird, heisst es auch „intermittierendes Fasten“. Im 5:2-Takt folgen auf fünf „normale“ Tage zwei Fastentage. Bei der 16:8-Methode wird 16 Stunden lang auf Essen verzichtet, während in den anderen acht Stunden alles gegessen werden darf, was schmeckt, am besten natürlich in massvollen Mengen. Denn wer hier nicht allzu sehr über die Stränge schlägt, kann so auch ein paar überflüssige Pfunde abbauen. Das 16:8-Intervallfasten ist besonders alltagstauglich, denn es gelingt schon mit dem Verzicht auf Frühstück oder Abendessen. Positive Auswirkungen zum Beispiel auf die Blutwerte sind trotzdem messbar.

So ist auch das Dinner-Cancelling ist eine Art des Intervallfastens. Dabei wird zwei bis drei Mal in der Woche auf das Abendessen verzichtet. Stattdessen werden nur kalorienfreie Getränke getrunken, so dass eine Essenspause von mindestens 14 Stunden bis zum Frühstück entsteht. Wichtig: Beim Intervallfasten sind die Phasen ohne Kalorienzufuhr bewusst begrenzt, damit der Körper nicht auf Energiesparmodus schaltet und den Stoffwechsel runterfährt. Anderenfalls wäre bei Wiederaufnahme der normalen Essgewohnheiten eine stark beschleunigte Gewichtszunahme die Folge (Jo-Jo-Effekt).

Schrothkur

Die Schrothkur ist eine von Johann Schroth (1798-1851) entwickelte Methode zur Entgiftung des Körpers, wodurch die Selbstheilungskräfte gefördert werden sollen. Eine kalorienreduzierte, salzfreie Kost ohne tierisches Eiweiss und Fett bildet die Ernährungsgrundlage dieser Kur. Zudem findet ein Wechsel zwischen Trink- und Trockentagen statt. Während der Trockentage – an denen nur 0,5 Liter pro Tag getrunken wird – soll eine Saugwirkung aus dem Zwischengewebe in das leicht dickflüssigere Blut entstehen. An Trinktagen (2,5 Liter pro Tag) werden dann die herausgelösten Substanzen ausgeschieden. Dieser Wechsel soll das Immunsystem anregen und die Entgiftung fördern. Der besondere Clou dabei: Während der Trinktage darf auch bis zu einem halben Liter Wein getrunken werden. Das soll nicht nur die „Gewebsdrainage“ fördern, sondern auch die Stimmung heben.

Für die fastenbedingte Entschlackungs- bzw. Entgiftungstheorie gibt es allerdings keinen wissenschaftlich fundierten Nachweis. Die Schulmedizin bleibt daher skeptisch und verweist stattdessen auf unsere körpereigenen Regulationsorgane (z.B. Nieren, Leber, Darm), die die Entgiftungsfunktion gänzlich übernehmen. Der Beliebtheit des Fastens tut das aber keinen Abbruch. Eine Gewichtsreduktion von bis zu 10 % des Ausgangsgewichtes und frische, leichte Kost sind in jedem Fall gut für die Gesundheit.

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Etwas Bewegung an der frischen Luft bringt den Kreislauf in Schwung und lässt Fastentage leichter überstehen.

Richtig fasten sollte vorbereitet werden

Ganz gleich, welche Fastenmethode Sie bevorzugen, wenn Sie richtig fasten wollen, sollten Sie Ihren Körper vorab in Ruhe auf den Nahrungsverzicht einstellen:

  • Bereits zwei Tage vor dem Start nur leichte vegetarische Kost verzehren
  • An den Vorbereitungstagen die Essensmenge deutlich reduzieren
  • Ohne ärztliche Aufsicht nicht länger als zehn Tage fasten
  • Während der Fastenkur übermässige körperliche Belastungen vermeiden
  • Nach dem Fastenbrechen den Körper langsam an eine normale, feste Mahlzeit gewöhnen (mit massvollen Essensmengen wieder einsteigen und die Speisen gründlich kauen).

Beim intensiven Fasten greift der Körper neben den Fettreserven auch das Muskeleiweiss an, was zwangsläufig zum Muskelabbau führt. Für einen normal Kräftigen ist das kein Problem. Einen gebrechlichen Menschen kann dagegen eine Muskelreduktion an seine Grenzen bringen. Damit unser Organismus in den Fastentagen nicht zu schwach wird, kann die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln (Vitamine und Mineralstoffe) sinnvoll sein. Die richtige Nahrungsergänzung beim Fasten sollte aber mit einem Arzt besprochen werden. Für Personen mit Leber- oder Nierenerkrankungen sind Fastenkuren grundsätzlich tabu. Auch wenn Sie unter Diabetes leiden, kann Fasten schnell zu einer gefährlichen Unterzuckerung führen. Es ist daher in jedem Fall ratsam, vor einer Fastenkur seinen Hausarzt zu konsultieren.

Zeit für das Wesentliche

Einen grossen Vorteil hat der Verzicht auf Nahrung allemal: Wer weder kochen muss noch isst, gewinnt richtig viel Zeit. Wenn der Tag bisher immer zu wenig Stunden hatte, um sich ausführlich mit dem Thema Meditation zu beschäftigen oder endlich mal wieder ein Buch zu lesen: Jetzt ist Zeit. Und wahrscheinlich werden Sie sich dabei gut fühlen, denn der gezielte Nahrungsverzicht kann stimmungsaufhellend wirken. Reservieren Sie für dieses Gefühl einen Ehrenplatz in Ihrem Herzen und nutzen Sie es, um neue Gewohnheiten in den Alltag mitzunehmen: Fünf Minuten Morgengymnastik, eine Meditation vor dem Schlafengehen oder immer ausreichend trinken.

Richtig vorbereitet und durchgeführt kann eine Fastenkur unser körperliches und geistiges Wohlbefinden erheblich steigern und zudem den Einstieg in eine gesündere Lebensweise ermöglichen.

Sechs Tipps zum Durchhalten - zeigen Sie dem inneren Schweinehund die rote Karte:

  1. Bewegung: Raus an die Luft, egal ob zu Fuss oder mit dem Fahrrad. Bringen Sie Ihren Kreislauf in Schwung!
  2. Massage: Eine Bürstenmassage regt die Durchblutung an und hilft dem Körper, Schadstoffe loszuwerden. Führen Sie eine weiche Bürste streichend über die Haut.
  3. Gleichgesinnte suchen: Greifen Sie zum Telefon und klagen Sie einer Freundin Ihr Leid. Vielleicht fasten Sie sogar gemeinsam, das sorgt für besonders viel Verständnis. Auch in Internetforen gibt es mentale Unterstützung.
  4. Eine Tasse Tee aufbrühen: Tees sind beim Fasten erlaubt. Wählen Sie Kräuter, die Ihnen in diesem Moment helfen: Melisse wirkt beruhigend, Brennnesseln entwässern und Pfefferminze regt an.
  5. Kauen: Wenn den Zähnen beim Fasten langweilig wird, greifen Sie im Notfall zu zuckerfreien Kaugummis.
  6. Auszeit: Wenn gar nichts hilft, gibt es je nach Art des Fastens kleine Hilfen: Ein Teller Reissuppe, ein Löffel Honig oder ein Schummeltag. Danach eben einfach wieder mit neuer Kraft starten.

Woher kommt eigentlich die Tradition des Fastens?

Glaube und Wirkung

Die Ursprünge des Fastens sind eng mit der Entstehung der Religionen verbunden. So fastet man nicht nur im Christentum, sondern auch im Islam, im Judentum, im Buddhismus und im Hinduismus. In allen Glaubensrichtungen ist Fasten eine Form der Askese. Dahinter steht die Absicht, unsere Willenskräfte zu stärken, sowie der Wunsch, Busse zu tun und zu innerer Einkehr zu gelangen. Übrigens: sogar Tiere tun es - so wärmen Pinguin-Papas ihre Jungen wochenlang, ohne zu fressen. Sie fasten also.

Ende des 19. Jahrhunderts, als bei uns das kirchliche Fasten immer weniger praktiziert wurde, entwickelten sich verschiedene Schulen des medizinischen Fastens. Hier wurde das Fasten naturheilkundlich und ganzheitlich zur Prävention und Therapie chronischer Krankheiten eingesetzt. Heutzutage erhält das Fasten erneut eine spirituelle Dimension. In unserer hektischen und veränderlichen Welt suchen viele Menschen damit nach Konzentration, Gelassenheit und innerer Ruhe.

Entschlacken 4.0

Generell gilt: Wer fastet, tut sich etwas Gutes und erhält die Chance, Dinge neu auszurichten. Neben dem körperlichen Fasten gibt es noch zahlreiche andere Möglichkeiten, zu entschlacken. Wie wäre es zum Beispiel einfach einmal mit einer Zeit ohne Glotze und Handy, also einem Digital Detox?