John Leguizamo

Der Sohn eines Puertoricaners und einer Kolumbianerin ist in Bogota geboren - wie auch Catalina Sandino Moreno. Seine Partnerin aus "Liebe in den Zeiten der Cholera" hat ihm eine Oscar-Nominierung voraus, er ihr die Popularität, vor allem dank seiner selbst geschriebenen Ein-Mann-Shows.

In "Mambo Mouth" oder "Freak" hauchte er Latinos, von wirklichkeitsnah bis wahnsinnig, satirisch Leben ein, erspielte sich auch das Interesse Hollywoods. Dort wurde er nach Kurzauftritt im Madonna-Video "Borderline" zum Latino Diabolo: dealte ("Miami Vice"-Serie), vergewaltigte ("Die Verdammten des Krieges"), schoss Harrison Ford ("In Sachen Henry") und Al Pacino ("Carlito's Way") zusammen.

Vor der Zerstörer-Zukunft bewahrte ihn nach dem Flop der "Super Mario Bros." die Komödie "To Wong Foo ...", als er eine Drag Queen spielte. Mit Queens kannte er sich schliesslich aus, denn im gleichnamigen New Yorker Stadtteil wuchs er mit seinem Bruder auf.

Mit 14 schickten ihn die emigrierten, hart arbeitenden Eltern in die Heimat zurück - ein Strafjahr, weil er die Lautsprecheranlage der U-Bahn als Entertainmentcenter benutzt hatte. Sein komisches Talent schärfte Leguizamo auch als Schüler, im Duell mit anderen Klassenclowns. Danach studierte er Theaterwissenschaft und im Actor's Studio die Schauspielerei. Nur am ersten Tag jedoch unter Coach-Legende Lee Strasberg, der in der Nacht darauf starb: "Ich war damals ein mieser Schauspieler, wusste, dass das damit zu tun hatte."

Kein Coaching brauchte John als Eroberer des weiblichen Geschlechts. Mit Bühnenpartnerin Carolyn McDermott war er fünf Jahre zusammen, mit Yelba Osorio (seine Chica in "Carlitos Weg"), zwei Jahre verheiratet. Obwohl die Ehe kriegerisch endete, fand er neu verheiratet Frieden. Bei Justin Maurer, Mutter seiner zwei Kinder, mit der er seit 1997 alles teilt.

Familientauglich ist der Latino im Kino selten - vom Synchrondienst in "Ice Age" abgesehen. Obwohl Drogendeals ("Collateral Damage", "Spun") immer noch zum Geschäft gehören, hat er Stereotypen hinter sich gelassen.

Als tollwütiger Erzfeind ("William Shakespeares Romeo & Julia"), verrückter Killerclown ("Spawn"), kleinwüchsiger Toulouse-Lautrec ("Moulin Rouge"), cooler Zombiejäger ("Land of the Dead") und Vater. Ob besorgt ("The Happening") oder fahrlässig, wie in "The Babysitters", wo seine Lolita-Affäre ein Teen- zum Call-Girl macht.

Eine seiner besten Rollen, als Disco-Tiger und untreuer Mann von Mira Sorvino in "Summer of Sam", blieb fast unbemerkt: "Das lag am Thema, es war ein Serienkillerfilm von Disney. Wenigstens gab es einen sprechenden Hund."

Witz und Offenheit prägen auch seine Autobiografie, die im Titel Zuhälter, Huren und Hollywood-Freunde in einem Atemzug nennt. Dort lästert er über Patrick Swayze, der mit der Faust sein Improvisieren bei "To Wong Foo..." stoppen wollte, und über Griesgram Steven Seagal, dem er bei "Einsame Entscheidung" gerne gesagt hätte: "Du rennst wie ein fettes Mädchen".

Gut behandelt fühlt er sich von Pacino und Robert De Niro, obwohl er ihnen in "Kurzer Prozess" als Copkollege das Leben erschwert. Oft Nebenrollen zu spielen, ist für ihn Entlastung, denn er kennt grössere Verantwortung, auch als Regisseur. Leguizamo als Faultier - das ist kurios, denn eigentlich ist er eher der Tasmanische Teufel, im Kampf gegen eine Verschwörung, die er in "Freak" enthüllte: "Es gab keine Latinos in 'Star Trek'. Das war der Beweis, dass sie die Zukunft ohne uns planten."

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