Der Empfänger, 1 Audio-CD, MP3

Gekürzte Ausgabe, Lesung. 493 Min.
 
 
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Vor dem Kriegseintritt der Amerikaner brodelt es in den Strassen New Yorks. Antisemitische und rassistische Gruppierungen eifern um die Sympathie der Massen, deutsche Nationalisten feiern Hitler als den Mann der Stunde. Der deutsche Auswanderer Josef Klein...
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Vor dem Kriegseintritt der Amerikaner brodelt es in den Strassen New Yorks. Antisemitische und rassistische Gruppierungen eifern um die Sympathie der Massen, deutsche Nationalisten feiern Hitler als den Mann der Stunde. Der deutsche Auswanderer Josef Klein...

Kommentare zu "Der Empfänger, 1 Audio-CD, MP3"

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Alle Kommentare
  • 5 Sterne

    Elke S., 08.03.2020

    Nur als Hörbuch fünf Sterne

    San José, Costa Rica, Mai 1953 »Don José, Post für Sie«, ruft Maria, [….] Er hat seinem Bruder drei Monate nicht geschrieben. Meist wird ihm das quittiert mit Vorwürfen. Wir haben uns doch immer bemüht, das Verhältnis aufrechtzuerhalten.“, „Als er den Umschlag aufschlitzt, fällt ihm eine Zeitschrift entgegen. Wie von allein öffnet sie sich dort, wo Carl seinen Brief eingelegt hat. Und er sieht sein eigenes Gesicht. Das Foto tauchte damals überall auf, auch in der New York Times. Er vor seiner Funkstation,“

    Der Roman beginnt damit, dass Joe Klein, vor einigen Jahren nach Südamerika ausgewandert, Post von seinem Bruder Carl bekommt. Dieser informiert ihn darüber, dass in der Zeitschrift STERN eine Reportage über seinen Fall erscheint. Fünf Folgen, „Ein Tatsachenbericht über die Aktivitäten des deutschen Geheimdienstes in Amerika.“ Joe ist gespannt, es „ist die Geschichte, die er schon kennt, nun aus Sicht der Deutschen; Vaterlandsliebe. Erzählt wie ein Krimi, als sei das alles Unterhaltung. »FBI! Sie sind verhaftet! Wie wär’s mit einem schnellen Geständnis? Wenn Sie reden, ersparen Sie sich vielleicht das Schlimmste!« Kein Wunder, dass Carl so aufgeräumt, fast begeistert klingt. Aber es ist keine Unterhaltung. Es ist sein Leben.“ Und genau aus diesem Leben bekommt man in diesem Roman erzählt.

    Zunächst wirft die Autorin mit einem Erzählstrang im Jahr 1949, der in Neuss handelt und bei dem Joe eben aus den USA bei seinem Bruder ankommt, mehr Fragen auf, als sie Antworten gibt. Warum hat Joe keine Papiere, warum war er viele Jahre interniert, warum herrscht zwischen den Brüdern eine solch angespannte Atmosphäre, was werfen sie sich schweigend vor? Mein Interesse war sofort geschürt, auf meine vielen Fragen wollte ich Antworten und mit diesen geht die Autorin äusserst sparsam vor. Der gesamte sich anschliessende Roman setzt sie aus Handlungssträngen aus verschiedenen Zeiten und Orten zusammen, die sich kapitelweise abwechseln und nicht immer linear erzählen, was es nicht ganz so einfach macht.

    Man erfährt zeitgleich von 1925 an beginnend, als Joe als Auswanderer mit der Hoffnung auf ein besseres Leben auf Ellis Island ankommt, in New York schliesslich in Harlem lebt und merken muss, dass der Traum vom Reichtum schnell ausgeträumt ist. Einziges Vergnügen ist seine Flucht in die Welt der Amateurfunker. Dort lernt er nicht nur Lauren, keine schöne, aber dennoch reizvolle Frau kennen, sondern gerät auch auf den Radar amerikanischer Nazis. Naiv denkt er bei einem Jobangebot zu Beginn noch, er würde Informationen für Unternehmen weiterleiten, muss er dann nach und nach erkennen, dass er inzwischen tief in den Fängen der Deutschen ist. Will er sie doch eigentlich gar nicht unterstützen, lassen sich die nicht ganz so einfach abschütteln. Eine Situation, die ihn zum Ruhelosen macht. Wie sich die Zusammenarbeit entwickelt, warum und wie er dann verhaftet wird, will ich nicht verraten, das tut die Autorin ja auch erst kurz vor Ende.

    Ein anderer Handlungsstrang spielt im Jahr 1949. Joe aus Amerika abgeschoben, findet mehr schlecht wie recht Unterschlupf bei seinem Bruder Carl und dessen Familie. In Rückblicken erfährt man davon, dass eigentlich beide vom Auswandern geträumt haben, Carl bei einem Unfall aber ein Auge verloren hat und deshalb in den USA keinen Einlass mehr bekommen hätte. Die Atmosphäre im Zusammenleben dort ist mehr als angespannt, unausgesprochene Vorwürfe, nicht gestellte Fragen, zudem noch eine seltsame Spannung zwischen Joe und Carls Frau Edith, von der Carl nicht erfahren darf. So wie schon Jahre vorher fühlt Joe sich auch hier nicht zuhause, weshalb er plant nach Südamerika auszuwandern.

    Dort spielt der dritte Handlungsstrang Jahre später, der sich ebenfalls noch dazwischenschiebt. Flucht dorthin, Nazis wieder unter sich, oder nur eine Zwischenstation? Auch hier will ich nicht mehr verraten.

    Die Autorin lässt mit ihrem Roman durch persönliche Eindrücke miterleben, wie schnell der Traum von einem besseren Leben in den USA beim damaligen Auswanderer Josef Klein ausgeträumt war. Zudem erhält man durch die Beschreibungen von Alltag, Arbeit und Strassenleben in New York sowohl Eindrücke von der Stimmung dort in den Jahren vor und während des Zweiten Weltkriegs als auch einen ganz kleinen Einblick in Nazigruppierungen, die sich dort aufhielten. Ein umfassendes Bild ist bei mir beim Lesen nicht entstanden, dazu empfand ich die einzelnen Szenen zu zerrissen. Da hatte ich mir aufgrund der Beschreibung vielleicht ein klein wenig mehr erhofft als diese einzelnen Spotlights. Aber gut gefallen hat mir, dass sich darunter auch zahlreiche kleine interessante Detail befunden haben, die mir vorab völlig unbekannt waren.

    „Einfach ein Mensch sein, dachte er. Der isst, atmet, schläft, arbeitet, manchmal mit Frauen flirtet, sofern sie über dreissig waren. Einfach sein. Irgendwann kam die Einsicht, dass einfaches Sein das Schwierigste war. Alle wollten irgendetwas aus einem machen. Und sei es, einen Deutschen, der nichts dafür konnte, Deutscher zu sein.“ Mindestens genauso viel, wenn nicht sogar noch mehr Gewicht legt die Autorin aber auch auf die Darstellung einer tragischen Lebensgeschichte von einem Mann, der auf Identitätssuche ist, der wie ein Ruheloser keine Heimat findet. Aufgrund der Beschreibung habe ich damit nicht so gerechnet. „Ein stummer Vorwurf in diesem Schweigen, und der Vorwurf galt dem Leben selbst oder vielleicht den Einwanderungsgesetzen Amerikas.“ Da auch sein Bruder zu den Enttäuschten vom Leben gehört, so hat er auf mich gewirkt, habe ich die Stimmung beim Selbst-Lesen im Roman zu grossen Teilen eher als drückend empfunden, weshalb ich auch nur vier Sterne vergeben konnte, obwohl mir der Stil der Autorin ansonsten gut gefallen hat. Die häufigen Perspektivwechsel, die nur in kleinen Häppchen wie bei einem Puzzle nach und nach ein Bild entstehen lassen, haben bei mir viel Spannung erzeugt. Ich hätte das Buch nicht aus der Hand legen wollen, bevor ich nicht am Ende erfahren habe, wie es zur Verhaftung kam.

    Diese negative Stimmung habe ich beim Hören der Geschichte nicht so, zumindest als bei weitem nicht so dominant, empfunden. Auch die Beziehung zwischen Edith und Joe habe ich als eher schwärmend, denn als seltsam erlebt. Das mag vielleicht auch an den leichten Kürzungen liegen, das weiss ich nicht zu beurteilen. Aber auf jeden Fall leistet hier der Sprecher Frank Arnold grandiose Arbeit. Nicht nur dass ich seiner äusserst angenehmen Stimme sehr gerne gelauscht habe, es gelingt ihm auch so richtig Atmosphäre entstehen zu lassen. Ich hatte so z.B. das Gefühl, das Strassenleben in New York selbst miterleben zu dürfen, konnte die Unsicherheit ob des Gewissenskonflikts, wenn Joe morsen soll, fast selbst spüren und auch die angespannte Stimmung zwischen den beiden Brüdern war zum Greifen.

    Eigentlich bin ich ja kein Fan von gekürzten Hörbüchern, hier aber muss ich sagen, hat der Audioverlag alles richtig gemacht, denn mir hat die Hörversion deutlich besser gefallen, als der Roman selbst. Deshalb kann ich in dem Format auch noch fünf Sterne vergeben.

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    janein

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