Ich will selbstbestimmt sterben! (eBook / ePub)

Die mutige Entscheidung meines Vaters zum Sterbefasten

Frauke Luckwaldt

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Alles ist geregelt - Pflege, Sitzyoga, Bewohnerchor. Aber für Claus ist das Leben ohne seine geliebte Frau nach 60 gemeinsamen Jahren sinnlos geworden. Sein tägliches Umfeld im Pflegeheim und sein unbändiger Wille lassen in ihm einen Plan reifen:...

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  • 5 Sterne

    Ghostreader, 11.06.2018

    Als Buch bewertet

    Mein Eindruck

    Die Würde des Menschen ist unantastbar … so steht es im deutschen Grundgesetz §1. Aber wie lange ist man ein Mensch? Nur, solange man so richtig am Leben teilnehmen kann oder auch noch, wenn man stirbt? Wann darf man eigentlich sterben und wer bestimmt darüber? Der liebe Gott? Das deutsche Gesetz? „Ich will selbstbestimmt sterben“ – ein Buch, dass Betroffene sehr bewegen wird und nicht Betroffene mit dem Thema sehr sachlich und auch emotional packen kann. Sterben ist kein Thema, welches besonders beliebt ist. Nur, trifft es einen unvermittelt, weiss man kaum damit umzugehen. Frauke Luckwaldt, die Autorin des Buches wird mit dem Tod konfrontiert, als ihre Mutter Helga plötzlich schwer krank wird und kurz danach stirbt. Ihre Eltern führten eine auf Liebe und Respekt aufgebaute innige Beziehung, waren über sechzig Jahre verheiratet, als die Mutter starb. Der 87-jährige Vater Claus, inzwischen durch mehrere Schlaganfälle halbseitig gelähmt und in einem Altersheim untergebracht, vermisst seine geliebte Ehefrau so sehr, ist des Lebens müde und möchte dem ein Ende bereiten. Er beschliesst, mit dem essen und trinken aufzuhören, in der Hoffnung, dass ihn das möglichst schnell aus dem Leben scheiden lässt. Frauke ist wohl die einzige, die ihn versteht und unterstützen möchte. Gleichzeitig kommt es ihr fremd und irre vor, ihrem Vater beim Sterben zu helfen. Für Claus steht fest, er möchte nicht auf den Tod warten, er möchte ihm entgegen gehen und nimmt dafür in den letzten Tagen seines Lebens einen Kampf auf. Sein Wunsch: Die Nachwelt möchte davon erfahren. Frauke gibt ihm das Versprechen, ein Buch zu schreiben.
    Für mich hatte dieses Buch alles, was Emotionen hergeben können. Mitleid und Mitgefühl, Traurigkeit, Angst, (Vor-) Freude, Verzweiflung, Ungeduld … ja die Ungeduld war wohl das Schlimmste. Es war auch Wut dabei und Unbehagen, weil sich diese Situation solange hinauszögerte. Dies lag nicht am Schreibstil, sondern an der Tatsache, dass sich der Vater der Autorin wirklich 40 Tage quälen musste, bevor er sterben konnte. Ich hatte Verständnis für viele Personen und Meinungen im Buch, wurde sehr stark zum Nachdenken und Nachfühlen angeregt. Frauke Luckwaldt beschreibt mit sehr viel Seele und natürlich als Betroffene mit vielen wechselnden Emotionen. Dennoch kommen viele Schwachstellen im deutschen System zu Tage: Es gibt zu wenig Pflegepersonal, zu wenig Zeit für Sterbende, Kranke, Alte. Es gibt keine vernünftige Gesetzgebung für Menschen, die mit klarem Verstand darüber entscheiden wollen, wann sie sich nicht mehr „in Würde lebend“ fühlen. Immer wieder stellt sich zwischen den Zeilen die Frage, wieviel ein Menschenleben wert ist. Ist es eines Menschen würdig, sich für den Tod zu entscheiden, wenn das Leben vorbei ist? Wie definiert man Leben? Wer darf, kann und muss entscheiden, wann ein Leben zu Ende geht. Muss ein Menschenleben um jeden Preis gerettet werden? Wann stirbt der Köper, wann der Geist, wann die Seele? Wie hoch ist die Akzeptanz des Todes und Sterben-Wollens in unserer Gesellschaft und passt es überhaupt noch in den Terminkalender der Angehörigen, einen Sterbenden zu begleiten oder wenigstens zu besuchen? Ganz ohne Zweifel passt das Buch „Ich will selbstbestimmt sterben“ in unsere Zeit, vielleicht besser als jemals zuvor. Wer Denkanstösse sucht, sich mit dem Tabu-Thema Sterben in unserer Gesellschaft zu beschäftigen, kann hier fündig werden und wird sich schnell auf dem schmalen Grat zwischen Verständnis und Ablehnung wiederfinden. Es bleibt jedem selbst überlassen, wie und ob er sich mit dem Thema Sterben und Sterbehilfe beschäftigt. Aber eins ist sicher, Sterben gehört nun mal zum Leben, auch in Deutschland.

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    janein

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