Leere Herzen, Juli Zeh

Leere Herzen

Roman

Juli Zeh

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4.5Sterne
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Sie sind desillusioniert und pragmatisch, und wohl gerade deshalb haben sie sich erfolgreich in der Gesellschaft eingerichtet: Britta Söldner und ihr Geschäftspartner Babak Hamwi. Sie haben sich damit abgefunden, wie die Welt beschaffen ist, und...

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Kommentare zu "Leere Herzen"

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  • 5 Sterne

    8 von 10 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich

    Lilli33, 15.11.2017

    Erschreckendes Szenario, dabei gar nicht so weit hergeholt

    Inhalt:
    Deutschland, 2025. Britta Söldner und ihr Partner Babak Hamwi betreiben offiziell eine Heilpraxis für Psychotherapie. Dabei haben sie nur selbstmordgefährdete Menschen im Visier. Von denen gibt es genug, denn viele empfinden ihr Leben in dieser Gesellschaft als sinnlos. Doch das Ziel von Britta und Babak ist es nicht, diese Menschen zu heilen, sondern mit ihrem Tod Geld zu verdienen. Das funktioniert auch sehr gut, bis sich jemand in das lukrative Geschäft einmischt und Britta und Babak plötzlich in Gefahr sind …

    Meine Meinung:
    Der Verlag deklariert Juli Zehs Buch einfach als Roman. Doch steckt auch ein bisschen Dystopie darin, ebenso wie ein Teil Politthriller und ein Teil Psychothriller. Ich denke, die Autorin will die politikverdrossenen Wähler bzw. Nichtwähler aufrütteln, indem sie aufzeigt, wohin es führen kann, wenn wir nicht alle Verantwortung für unsere Gesellschaft übernehmen. Im Buch musste zum Beispiel Angela Merkel ihren Posten Regula Freyer von der BBB (Besorgte BürgerBewegung) überlassen, die der Demokratie immer mehr zusetzt und die Freiheiten der Bürger einschränkt. Bei aller Gesellschaftskritik, die Juli Zeh vorbringt, empfinde ich aber keinen erhobenen Zeigefinger. Sie stellt einfach dar, was sein könnte.

    Mir gefiel die Erzählweise der Autorin sehr gut. Die Sprache ist klar, präzise und lebendig. Sie versteht es, eine bedrohliche Atmosphäre heraufzubeschwören und den Leser zu fesseln. Bereits auf den ersten Seiten, wo ein Familienidyll beschrieben wird, ahnt man schon, dass sich etwas zusammenbraut. Es ist eine unterschwellige Spannung zu spüren, die sich im Verlauf des Romans immer weiter steigert. Mir fiel es sehr schwer, das Buch aus der Hand zu legen.

    Dabei war mir die Protagonistin Britta alles andere als sympathisch. Sie wirkt zuweilen sehr kalt und abgeklärt, gleichzeitig aber auch etwas mitgenommen, sodass sie einem dann wieder leidtut. Trotzdem musste ich sie für ihren gelungenen Spagat zwischen heiler Welt mit ihrer Familie und ihrem illegalen beruflichen Tun bewundern. Sie ist eine vielschichtige Persönlichkeit, die ich sehr interessant fand. Auch Babak hat gleich mein Interesse geweckt. Er erscheint wesentlich umgänglicher als Britta, hat aber auch sein Päckchen zu tragen.

    Das Ende konnte mich überraschen, ist aber stimmig und rund, sodass ich das Buch zufrieden und nachdenklich zuschlagen konnte.

    Fazit:
    „Leere Herzen“ ist eine sehr gelungene und provokante Gesellschaftskritik, die in einer spannenden Handlung verpackt ist.

    War dieser Kommentar für Sie hilfreich?

    janein
  • 5 Sterne

    5 von 6 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich

    Ursula U., 13.11.2017

    Britta und Babak führen seit einigen Jahren ein Unternehmen, dass sich die Brücke nennt. Offiziell arbeiten sie mit Menschen mit Selbstmordgedanken um sie wieder zurück ins Leben zu führen. Der eigentliche Zweck ist jedoch, die Kandidaten mittels eines ausgeklügelten Systems zu finden, die in jedem Fall den Tod suchen. Ihr Tod soll nicht vergebens sein, eine Botschaft beinhalten. Die Handlung spielt in der nahen Zukunft, Rechtsradikale sind mittels regulärer Wahlen an der Macht, Europa ist zerstritten, auf den Brexit folgten der Frexit, Spexit und Schwexit, Katalonien gehört nicht mehr zu Spanien. Das Internet ist Meinungsgeber geworden und immer mehr Menschen ziehen sich aus dem politischen Geschehen und der Gesellschaft zurück. Durch das bedingungslose Grundeinkommen gibt es auch immer mehr, die gar nicht mehr arbeiten wollen. Trotz Brittas Überarbeitung und Magenprobleme läuft die Brücke ausgesprochen gut, die Einnahmen fliessen, die Programme werden immer mehr verfeinert - bis plötzlich ein Konkurrenzunternehmen auf dem Markt erscheint. Danach überschlagen sich die Ereignisse.
    Was ist gut, was ist schlecht, wie wird unsere Welt in zehn Jahren aussehen? Steuern wir auf das beschriebenen Szenarium hin? Vieles deutet darauf. Der Roman macht nachdenklich um uns auf unsere Demokratie und Werte zu besinnen, gleichzeitig ist er sprachlich hervorragend und sehr spannend geschrieben.

    War dieser Kommentar für Sie hilfreich?

    janein
  • 5 Sterne

    1 von 1 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich

    steffi k., 20.11.2017

    „Da. So seid ihr.“
    „Da. So seid ihr.“ Wie hin geklatscht – keine Widmung, eher ein wütender Faustschlag als Buchanfang.
    Juli Zeh ist ja mit zahlreichen Literaturpreisen ausgezeichnet worden und auch ihr gesellschaftlich-politisches Engagement ist bekannt.
    Zehs Schreiben dreht sich um den Kampf zwischen Chaos und Ordnung; sie fragt, ob und wie sich Sinn und Moral neu aufbauen lassen, wenn althergebrachte Werte bedeutungslos geworden sind. Wiederkehrende Motive sind die Fragen des Verlorengehens, des Zusammenhalts und der tragenden Normen und die Lebenswelt in einer Gesellschaft der Individualisierung und Globalisierung, in der keine gemeinsame Verantwortung für die Zukunft einer Weltgemeinschaft mehr erkennbar wird.
    Diese Anforderungen an sich selbst und die Gesellschaft in einem Roman umzusetzen, ist sehr schwierig und kontroverse Diskussionen sind vorprogrammiert.
    Der Autorin gelingt es aber auf der Basis des , wenn auch etwas unwirklich anmutenden Plots, eine gut durchdachte und treffende Gesellschaftskritik zu entwickeln, die – egal was man davon auch hält- in jedem Fall zum Nachsenden und zur Diskussion provoziert.
    Im Jahr der Handlung -2025- hat eine sogenannte Besorgte-Bürger-Bewegung die Regierung abgelöst und es gibt für alle ein bedingungsloses Grundeinkommen. Klingt das wirklich so unrealistisch? Sind wir wirklich so weit davon entfernt?
    Die Figuren des Romans und deren Beziehungen zueinander sind gut recherchiert und die Autorin verlangt von uns nicht, dass wir ihre Protagonisten lieben.
    Sprachlich überzeugt Juli Zeh auf jeden Fall – da gibt es nichts zu diskutieren. Da sind sachliche Sätze, die man zweimal lesen muss, will man sie ganz verstehen; wie : „Demokratieverdrossene Nicht-Wähler gewinnen Wahlen, während engagierte Demokraten mit dem Wählen aufhören.“
    Da sind fast poetische Teile , die man zweimal lesen muss, weil sie so schön sind ; wie : „Solange die Sonne Energie schickt , wird geflattert, gerannt und gekrochen, begattet, gebrütet, gejagt und gekämpft.“

    Juli Zeh hat ein gutes und wichtiges grossartiges Buch geschrieben!

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    janein
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