Das gelbe Dossier, M. Karagatsis

Das gelbe Dossier

Roman

M. Karagatsis

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"Das gelbe Dossier" gilt als ein Meisterwerk der neueren griechischen Literatur. Für den bekannten Literaturkritiker Demosthenes Kourtovik handelt es sich dabei um "einen der besten griechischen Romane, die je geschrieben worden sind." Und...

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    Jashrin, 23.01.2017

    aktualisiert am 25.01.2017

    Besitzgier ist die höchste Antriebskraft des Menschen, ihr ordnen sich letztlich Liebe, Mitgefühl, Ehrlichkeit und Moral stets unter. Diese These stellt zumindest der Anwalt und Literat Manos Tassakos im Hinblick auf sein neuestes Romanprojekt >Thesen< und >Antithesen< auf. Skrupellos und unbarmherzig versucht er die Richtigkeit seiner These zu beweisen. Dazu manipuliert er geschickt eine kleine Gruppe von Menschen und spinnt ein Netz aus Intrigen und Abhängigkeiten.

    Am Ende des Romans hat sich das Leben seiner Versuchskaninchen grundlegend verändert, und er selbst weilt nicht mehr unter den Lebenden. Selbstmord. Mit diesem offiziellen Ergebnis wurde vor mehr als zehn Jahren die Polizeiakte geschlossen.

    Als dem Schriftsteller M. Karagatsis ein gelbes Dossier überreicht wird, breiten sich vor ihm sämtliche Machenschaften von damals aus und kaum eines der damaligen Geschehnisse bleibt verborgen. Doch kann das Dossier auch helfen die rätselhaften Todesumstände des Herrn Tassakos endgültig zu klären?

    Hier setzt der Autor mit einer ebenso spannenden wie genialen Idee an. Er selbst ist angeblich der Schriftsteller, dem das gelbe Dossier in die Hände fällt und der somit zum Ermittler in seinem eigenen Roman wird. Genauestens legt er uns alle Details vor, so wie er sie selber erfahren hat, und berichtet uns, wie sich alles zutrug. Die Erklärung, wie das Dossier zu ihm gelangte, und die Frage nach dem Selbstmord bilden eine Art Rahmenhandlung in die die Geschichte um Manos Tassakos und die Familie Roussis eingebettet ist.

    Manos Tassakos ist die Figur, die alle Fäden in der Hand hält und ein intelligentes und durchdachtes Intrigenspiel beginnt. Er selbst setzt sich über jegliche Moral hinweg, ist kalt, rücksichtslos und wenn ihn Maria als Satan bezeichnet, so vermag ich dem nicht wirklich zu widersprechen. Die Art, wie er seinen ehemaligen Meister Kostis Roussis, dessen Neffen Nikos, Maria Petropoulou, Nikos Geliebte, sowie Miltos, zu seinen Zwecken steuert und beeinflusst ist hochintelligent und perfide zugleich. Gespannt habe ich verfolgt, wie seine Pläne sich entwickelten und ob jeder so agiert, wie er es angenommen hat. Manos Tassakos ist mit Sicherheit kein sympathischer Charakter, doch ein äusserst spannender Protagonist.

    Kostis Roussis war in vielen Punkten und Ansichten sein Gegenpart. Ein Mensch, dessen Genialität in seinem Umfeld unbestritten war, der jedoch über weite Teile hinweg alles andere als ein Menschenfreund war und der erstaunlich leicht zu Tassakos Spielball wurde. Auch ihn mochte ich nicht wirklich, doch seine persönliche Geschichte und die Weise, wie er sich im Laufe der Geschichte ändert, haben mich stellenweise trotzdem für ihn eingenommen.

    Völlig anders Nikos, der für mich von Beginn bis Ende ein Ekelpaket war und mit dem ich kein Mitleid empfinden konnte. Miltos blieb eher etwas im Hintergrund, auch wenn ihm durchaus eine wichtige Rolle zukommt.

    Zu Maria mag ich nicht allzu viel sagen, denn ich will nicht zu viel vorwegnehmen. Nur so viel: hätte sie sich besser mit ihrer Armut arrangieren können, wäre vieles nicht geschehen. Es treten auch einige Nebenfiguren auf, vor allem der Chirurg Neseritis, doch der Grossteil der Geschichte spielt sich zwischen den beschriebenen Personen ab.

    M. Karagatsis‘ gewaltiges Werk erschien in Griechenland bereits 1956 und ich bin gespannt, wie es in Deutschland aufgenommen wird. Voller Spannung habe ich mich an die Lektüre begeben, doch schon nach wenigen Seiten war ich erst einmal ernüchtert. Die Geschichte war zwar von Beginn an interessant, dennoch war etwa das erste Drittel für mich sehr mühselig - was bei insgesamt 640 Seiten doch eine ganz schöne Menge ist. Etwa 200 Seiten lang passiert nicht viel mehr, als dass die Charaktere und ihre Beziehungen untereinander vorgestellt werden. Gespickt ist das Ganze mit vielen Gesprächen, die sich öfters mal in philosophischen, moralischen, politischen oder literarischen Gedankengängen verlieren. Da war ich doch des Öfteren versucht einfach quer zu lesen. Doch mit der Entstehung des titelgebenden gelben Dossiers wurde die Handlung zunehmend spannender und das Buch liess sich flüssiger lesen, sodass ich leichter vorwärtskam und in die Geschichte eintauchen konnte.

    Der Schreibstil ist eher nüchtern, beinahe so, als würde man in der Tat lediglich Fakten aus einer Akte lesen. Erzählende Passagen nehmen zwar den Hauptteil des Werkes ein, doch gerade einige Gespräche werden einfach eins zu eins wiedergegeben:

    „Ich: Sollen wir – zunächst einmal provisorisch – die Frage gemeinsam untersuchen?
    Neseritis: Sehr gerne.
    Ich: Nehmen wir uns einmal...“ (Seite 618, 1. Auflage)

    Daneben gibt es zum Beispiel auch Tagebucheinträge und weitere Stilmittel. Dem Roman liegt also keine einheitliche Form zugrunde, was vielleicht einige Leser stören wird. Für mich war es eher reizvoll.

    Mein Fazit: Ein lesenswerter Roman, der dem Leser zwar einiges abverlangt, dafür jedoch mit sehr detaillierten Charakterstudien aufwarten kann. Der eigentliche Fall des Selbstmords steht zwar über allem, da der Roman vor allem den Geschehnissen nachspürt, die zu Tassakos Tod führten, doch es ist auch eine spannende psychologische Studie. Durchhalten lohnt sich.

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    janein

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