vor 8 Monate

Kosmetik-Krieg: „Die Farben der Schönheit“

Von spannenden Zeiten des Umbruchs erzählt Corina Bomann in ihrer neuen Roman-Trilogie. © Foto: Nadja Klier

Neues Buch: Corina Bomann nimmt uns mit hinter die Kulissen der Schönheit

Mit "Die Frauen vom Löwenhof" hat Corina Bomann zuletzt eine grosse Familiensaga mit Schauplatz in Schweden hingelegt. Jetzt erscheint eine neue Roman-Reihe aus der Feder der Bestsellerautorin, die uns mit in die wilden Zwanziger Jahre und die Metropolen Berlin, Paris und New York nimmt. Eine Zeit, in der Frauen zu Unternehmerinnern wurden und Konzerne gründeten wie die Pionierinnen der Kosmetik-Industrie Helena Rubinstein und Elizabeth Arden.

In Teil eins der "Farben der Schönheit", "Sophias Hoffnung", steht Sophia, Tochter aus besserem Hause und Chemie-Studentin, unerwartet vor den Scherben ihres alten Lebens.

Bestsellerautorin Corina Bomann im Interview über die wilden Zwanziger, Kosmetik-Ikone Helena Rubinstein und den „Puderkrieg“ mit Elizabeth Arden

Wie würden Sie Sophias Charakter beschreiben? Welche Stärken und Schwächen machen sie aus?

Corina Bomann: Sophia ist zielstrebig und ehrgeizig. Sie hat bereits in jungen Jahren eine Vorstellung davon, was sie machen möchte. Leider ist sie – gerade in Liebesdingen – auch ein wenig unerfahren und naiv. So gerät sie am Anfang der Geschichte in eine ausweglose Situation. Doch dank ihres starken Willens und ihrer Widerstandskraft fängt sie sich wieder und nimmt ihr Leben dann selbst in die Hand. Sie ist eine starke junge Frau, die trotz Schicksalsschlägen versucht, sich treu zu bleiben.

Corina Bomann: "Die Menschen begannen, ihre Sexualität zu zelebrieren."

Erste Station für Sophia, nachdem ihr altes Leben in Berlin zerbrochen ist, ist Paris. Genauer gesagt das legendäre Varieté-Theater Folies Bergère. Wie freizügig ging es dort in den 20er Jahren tatsächlich zu (auf und neben der Bühne)?

Corina Bomann: Auf den Theaterbühnen der damaligen Zeit ging es ziemlich freizügig zu. Nackttänzerinnen treten auf, Geschlechterrollen verwischen. Die Darbietungen wurden immer gewagter. Dasselbe galt für das Leben hinter den Kulissen. Die Menschen begannen, ihre Sexualität zu zelebrieren. Frauen trugen kurze Kleider und schminkten sich. Die Puderdose wurde zum Accessoire bei der Partnersuche. Daneben erkämpften Frauenrechtlerinnen das Wahlrecht und andere Freiheiten und Rechte für ihre Geschlechtsgenossinnen. Die 20er Jahre waren eine aufregende Zeit der Neuorientierungen.

Die in prüden Verhältnissen aufgewachsene Sophia ist davon zunächst ein wenig schockiert, doch sie gewöhnt sich an diese Umgebung. Ohnehin liegen ihre Ziele woanders, sie bleibt zielstrebig und folgt ihrem eigenen Weg. Doch sie beginnt, die neue Freizügigkeit zu nutzen, um ihr eigenes Leben aufzubauen und sich selbst als Frau zu befreien.

Corina Bomann: "So soll sie (Helena Rubinstein) in jungen Jahren die Herren, mit denen sie verabredet war, dazu überredet haben, Geschäftsbriefe für sie zu tippen und Etiketten für ihre Cremetiegel zu beschriften."

Sophias Leidenschaft gilt der Chemie. In Paris begegnet sie Helena Rubinstein, Gründerin eines späteren Kosmetik-Imperiums. Wann und wie hat die historische Persönlichkeit Helena Rubinstein das erste Mal Ihre Aufmerksamkeit geweckt? Was für ein Charakter war Rubinstein?

Corina Bomann: Helena Rubinstein war eine sehr ehrgeizige, kluge und machtbewusste Frau. Augenzeugenberichten nach war sie zuweilen recht schwierig. Sie konnte sich kaum Namen merken und ihr ganzes Streben galt ihrer Firma. Männer spielten für sie eine eher untergeordnete Rolle. So soll sie in jungen Jahren die Herren, mit denen sie verabredet war, dazu überredet haben, Geschäftsbriefe für sie zu tippen und Etiketten für ihre Cremetiegel zu beschriften. Während meiner Recherchen habe ich herausgefunden, dass sie mit dem Alter immer schwieriger wurde. Die Komplexität von „Madame“, wie sie sich gern nennen liess, hatte mich sofort in ihren Bann gezogen, nachdem ich in einem Sachbuch über Kosmetik zum ersten Mal über sie gelesen hatte.

Helena Rubinstein führte einen Konkurrenzkampf mit der ebenfalls weltberühmten Kosmetikunternehmerin Elizabeth Arden, den sogenannten Puderkrieg. Welche Wellen schlug dieser „Krieg“?

Corina Bomann: Dieser Krieg war ein nach aussen hin sehr sanft geführter Krieg. Wellen schlug er hauptsächlich in den Schönheitsmagazinen der damaligen Zeit und auch in der New Yorker Geschäftswelt und High Society. Miss Arden und Madame Rubinstein bedachten sich gegenseitig mit spöttischen Bemerkungen, die gern von Journalisten aufgegriffen wurden. Intern wurde mit härteren Bandagen gekämpft. Dazu gehörte, der jeweils anderen nicht das Terrain zu überlassen und Niederlassungen in der Nähe der anderen zu eröffnen. Kaufhausketten und Händler wurden von beiden massiv umworben. Stets versuchte jede von ihnen die andere an Innovationen zu überbieten. Beide kannten ihre Kundschaft gut und versuchten, deren Bedürfnisse zu erahnen, bevor es der jeweils anderen gelang. Es war eher ein harter Konkurrenzkampf als ein Krieg. Erstaunlich war zu damaligen Zeiten, dass solch eine Auseinandersetzung von zwei Frauen geführt wurde, wo doch die meisten Geschäfte und Konzerne männerdominiert waren.

Geben Sie uns einen kleinen Ausblick auf Band Nummer 2 „Sophias Träume“, in dem Sophia ihr Glück in New York sucht. Welchen Herausforderungen sieht sie sich gegenüber?

Corina Bomann: Sophia wird sich auch in Band 2 weiteren Bewährungsproben gegenüber sehen. Und sie muss sich mit ihrer Vergangenheit, in Berlin und in Paris, auseinandersetzen. Sie wird Rubinstein verlassen und zu Miss Arden wechseln. Die Arbeit dort eröffnet ihr eine Sicht auf die andere Seite des „Puderkrieges“ und sie erarbeitet sich eine grosse Chance. Doch dann schlägt das Schicksal zu und zwingt sie zu einer weitreichenden Entscheidung. Ausserdem wird endlich die Liebe wieder in ihr Leben treten.

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Worum geht’s im ersten Band der "Farben der Schönheit": „Sophias Hoffnung“?

Sophia Krohn ist Tochter aus gutem Hause, fleissige Chemie-Studentin und Hals über Kopf verliebt in ihren Dozenten. Der sich leider als herbe Enttäuschung erweist. Als Sophia ungeplant schwanger wird, lässt er sie fallen, genau wie ihre Eltern. Eine Katastrophe für Sophia, denn 1926 hat eine alleinstehende schwangere Frau ohne eigenes Einkommen keine Zukunftsperspektive.

Zum Glück gibt es noch Henny, Sophias Freundin aus Kindertagen, die als Nackttänzerin im Varieté arbeitet. Bei ihr findet Sophia Zuflucht und folgt ihr auch dann noch, als Henny das Angebot bekommt mit der berühmten „schwarzen Venus aus Amerika“, Josephine Baker, in Paris aufzutreten. Die beiden wandern aus ins aufregende Paris der 20er Jahre.

Doch im Gegensatz zu Henny hat die mittellose Sophia weder Aufenthalts- noch Arbeitserlaubnis. Dabei träumt sie davon weiter Chemie zu studieren und ist völlig berauscht als sie eines Tages das Schönheitsinstitut von Helena Rubinstein betritt. Eine schicksalshafte Begegnung, denn die berühmte Kosmetik-Ikone macht Sophia ein unglaubliches Angebot.