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Franziska Kurz
vor einer Woche
Franziska Kurz

Diagnose: Bestseller

Verweben Medizin und historische Stoffe: das Autoren-Ehepaar "Helene Sommerfeld". Grosse Erfolge feierten sie mit der Bestseller-Reihe um „Die Ärztin“. Neu im Buchregal ist ihre Serie um „Polizeiärztin Magda Fuchs“. Foto: © Alyson Derrick

Helene Sommerfeld lässt die Goldenen Zwanziger und das Kaiserreich vor unseren Augen lebendig werden

Ein Beitrag von Kulturjournalistin/Moderatorin Franziska Kurz

Liebe Leserinnen und Leser, was würden Sie auf die Frage antworten, in welcher Zeit Sie gerne leben würden? Ich antworte darauf – entschieden phantasielos – immer mit „genau heute“.
Bei Helene Sommerfeld dürfte die Frage klar sein: das Ende des 19. und der Beginn des 20. Jahrhunderts in Berlin sind ihr Thema, über das sie mit viel Herzblut schreibt. Ob sie da auch gerne gelebt hätte, steht natürlich auf einem anderen Blatt. Aber eigentlich müsste ich jetzt sagen: ob sie da gerne gelebt hätten. Denn Helene Sommerfeld ist das gut gehütete Pseudonym eines Autoren-Ehepaares, das sich offensichtlich auch schreibend wunderbar ergänzt.

Im neuen Reihenauftakt um Polizeiärztin Magda Fuchs wird uns als Lesenden gleich zu Beginn die ganze soziale Härte der Goldenen Zwanziger in Berlin bewusst. Es geht um Armut, Verwahrlosung und mehr als eine starke Frau mittendrin. Wir lernen einiges über staatliche Fürsorge, Familiendynamik und (mangelnde) Frauenrechte, aber es wird auch glamourös mit wilden Partys und neuen Tanzstilen jenseits alter Konventionen.

Wenn Sie jetzt neugierig sind oder begeistert von Babylon Berlin – dann wünsche ich viel Lesevergnügen. Und wer Helene Sommerfelds Schreibstil und Themen mag, aber sich eher im ausklingenden Kaiserreich gedanklich zuhause fühlt, für den habe ich noch ein tolles Angebot: die drei Bände um die Ärztin Ricarda Thomasius gibt es jetzt im Weltbild-Paket zu einem unschlagbaren Preis.

Über Medizin, die Schattenseiten Berlins, starke Frauen und die Frage, woher die Inspiration kommt, habe ich mit Helene Sommerfeld gesprochen.

Wie ist die Figur Magda Fuchs, die Polizeiärztin, entstanden? Gab es eine historische Person, die euch dazu inspiriert hat? Oder ist sie ein Charaktermix aus Frauen, die ihr kennt, in eine andere Zeit versetzt?

Helene Sommerfeld: Polizeiärztinnen gab es in Berlin seit 1900. Die Person Magda orientiert sich an verschiedenen Frauen dieser Zeit. Sie hatten alle mit grossen Widerständen zu kämpfen, denn Medizin war ein Fachgebiet der Männer.

Magda Fuchs ist eine starke Frau, die schon an ihrem ersten Tag in Berlin die Schattenseiten der Goldenen Zwanziger in der deutschen Hauptstadt erlebt. Der Kontrast zwischen dem Glamour der Feste und dem Elend der Hinterhöfe ist hart – es fühlt sich so real an beim Lesen. Wie schafft ihr es, diese Atmosphäre so erlebbar zu machen?

Helene Sommerfeld: Unsere Realität ist auch ganz schön hart! Wenn man sich ansieht, was in manchen Gegenden von Grossstädten wie Berlin jeden Tag abgeht, kann man sich durchaus in die damalige Zeit hineinversetzen. Die Recherche in Büchern und Zeitungen der 20er Jahre liefern den entsprechenden Hintergrund. Manchmal dachten wir schon: Wie nah das alles doch ist!

Mit Fürsorgerin Ina und Rechtsanwältin Ruth verbindet Magda bald eine herzliche, unterstützende Freundschaft und ihr zeigt an ihnen die verschiedenen sozialen wie juristischen Herausforderungen dieser Zeit. Habt ihr eine Lieblingsfigur bei den Dreien oder hat eine der Nebenfiguren einen besonderen Platz in euren Herzen?

Helene Sommerfeld: Wir lieben sie alle. Und verabscheuen manche aus ganz tiefem Herzen!

Die Bestseller-Reihe um "Die Ärztin" gibt es aktuell als günstige Weltbild Ausgabe.

Seit dem ersten Bad „Die Ärztin. Das Licht der Welt“ um Ricarda Thomasius ist viel passiert – ihr habt drei Bände um Ricarda veröffentlicht und 2021 kam Magda Fuchs, die Polizeiärztin mit vielen sozialen Themen des Berlins der 20er Jahre neu dazu. Wie fühlte es sich an, von Buch zu Buch immer bekannter zu werden und so eine treue Fangemeinde zu haben?

Helene Sommerfeld: Es ist ein enormer Ansporn, wenn die Leserinnen und Leser uns zu verstehen geben, dass sie die Bücher mögen und auf Fortsetzungen warten. Denn für niemand anders als für die Menschen, die Bücher lesen, sitzen wir täglich am PC und schreiben schöne Bücher. Was ist schon Bekanntheit gemessen an dem Gefühl, dass die ersonnenen Geschichten Leserinnen und Leser gut unterhalten?

Sowohl Ricarda, „Die Ärztin“, als auch Magda, „Die Polizeiärztin“, sind wissbegierige Frauen, denen wir beim Finden ihrer eigenen Stärke zusehen dürfen – seht ihr sie als Vorbilder für unsere heutigen Frauengeneration? Ist Gleichberechtigung ein Thema für euch?

Helene Sommerfeld: Ja, auf jeden Fall! Wir haben drei Töchter, selbstbewusste junge Frauen, die wir auf ihrem Weg zu einem selbstbestimmten Leben bestärkt haben. Wir glauben, dass es funktioniert hat...

Historischen Lesestoff bei Weltbild entdecken

Eure Recherchen zu medizinhistorischen Themen wurden schon oft gelobt – habt ihr hier Berater, hat einer von euch Geschichte studiert oder seid ihr Stammgäste in Archiven? Wie wichtig ist euch, hier korrekt zu sein?

Helene Sommerfeld: Extrem wichtig! Klar: Historisierende Bücher sind keine Geschichtsbücher, sondern Bücher, die ein Stück aus unser aller Geschichte beleuchten. Gleichzeitig sollen sie unterhalten. Wir haben zuhause zig Bücher, die alle Themen betreffen, die in den Büchern vorkommen: Medizin, Dienstboten, Sprache, Kriminalität, Mode, Gesellschaft. Manchmal braucht ein Absatz von drei Zeilen Stunden der Recherche. Das ist gewonnene Zeit – für unsere Leserinnen und Leser, die Neues erfahren. Und für uns, deren Neugier belohnt wird.

Mit den Erfolgen um Ricarda Thomasius und jetzt Magda Fuchs, kamen, wie so oft im Leben, auch die Nacheiferer. Was würdet ihr heute neuen Autoren und Autorinnen raten, die historische Serien schreiben möchten und euch als Vorbild sehen?

Helene Sommerfeld: Lesen, was war. Hinsehen, was ist. Erspüren, was kommt. Und nie aufhören zu hoffen, das Richtige zu tun.

Wann geht es weiter mit Magda Fuchs?

Helene Sommerfeld: Jeden Tag.

Franziska Kurz ist seit Juli 2020 Moderatorin bei #Weltbildliest. Seit 2015 bereichert sie mit ihrem Blog "franzi liest" die wunderbare Welt der Bücher und Buchfans. Als Literatur- und Kulturjournalistin ist sie regelmässig zu Gast bei Radio und TV und schreibt für zahlreiche Frauen- und Lifestyle-Magazine. Das "Münchner Kindl" bezeichnet sich selbst als buch- und wortverliebt, als Taschensammlerin und Spasüchtige. Mehr von ihr auf www.franzi-liest.de.