Weltbild CEO Christian Sailer
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Endlich! Der neue Chris Carter

Nervenaufreibend: „Blutige Stufen“. Lauschen Sie Chris Carter im Video-Talk

Der Autor psychopatischer Thriller war zu Gast bei #weltbildliest: Mit Chris Carter sprach Weltbild CEO Christian Sailer über sein brandneues Buch "Blutige Stufen". Foto: © Andrzey Banas Polska Press

Videotipp: Autor Chris Carter über seinen 12. Hunter-Thriller „Blutige Stufen“ - ein Gespräch mit Christian Sailer

Wahrlich nichts für Zartbesaitete, das sind die Thriller von Chris Carter. In seinem lang erwarteten 12. Roman um den Profiler Robert Hunter und seinen Kollegen Carlos Garcia legt er sogar nochmal eins drauf. „Das ist mein dunkelstes, mein brutalstes Buch“, sagt der gebürtige Brasilianer, der heute in London lebt, über „Blutige Stufen“ im exklusiven Video-Interview mit Weltbild. Trotzdem sei die Realität, seien die „echten Verbrechen noch viel schlimmer als jedes Buch“.

Der Ex-Polizeipsychologe und Musiker spielt gekonnt mit den Motiven Angst, Schmerz und Tod. Spricht Urängste an. Jedes Kapitel knistert vor unheimlicher Spannung. Schon die ersten Seiten des neuen Buches scheinen kaum erträglich. Gruselige Ungewissheit im Einstieg, hohes Tempo: Ein Serienmörder erteilt grausame Lektionen und er schreibt sie in Blut. Robert Hunter und Carlos Carcia begreifen, dass der Psycho-Killer erst am Anfang seiner Mission steht. Sie müssen schnell sein, um diese zu stoppen. Am 1. September 2022 erscheint „Blutige Stufen“ von Chris Carter in Deutschland.

Am 18. August 2022, pünklich zum Erscheinen der deutschen eBookausgabe, hatte Weltbild CEO Christian Sailer, der sich selbst als „den grössten Fan von Chris Carter“ beschreibt, bereits die besondere Gelegenheit, dem Autor vorab Hintergründe zum Buch zu entlocken.

Welch ein Gegensatz: Beim Interview plauderte der 56-jährige Carter, dessen Werke synonym für dunkel-psychopathische Verbrechen stehen, entspannt aus einem freundlich hellen, britischen Arbeitszimmer.

Hier können Sie das Gespräch mit Chris Carter im Video nachsehen

Christian Sailer: Als junger Mann arbeiteten Sie als forensischer Psychologe in den USA, später starteten Sie eine Karriere als Musiker und arbeiteten mit vielen bekannten Namen. Heute, in Ihrer dritten Karriere, sind Sie ein bekannter Bestsellerautor. Und Sie schreiben genau über das, was in jungen Jahren Ihr Arbeitsalltag war. Die Arbeit als Kriminalpsychologe hat Sie also doch nie losgelassen?

Chris Carter: Ich schreibe Fiktion. Das ist ein ganz grosser Unterschied zur Arbeit eines forensischen Psychologen. Es ist alles in meinem Kopf, es passiert nicht wirklich, was ich erzähle. Keiner stirbt wirklich, und es geschieht nichts in Wirklichkeit. Als Psychologe dagegen ist man jeden Tag mit realer Trauer und Gewalt, mit dem Bösen konfrontiert. Das ist mental ein sehr belastender Job. Deswegen wollte ich nicht mehr in diesem Beruf arbeiten. Beim Schreiben weiss ich, dass es nur in meinem Kopf und nicht real ist.

Also haben Sie Ihren ersten Job deswegen aufgegeben?

Ja, jeder Tag ist ein schlechter Tag, ein dunkler Tag, wenn man als Psychologe bei der Polizei arbeitet. Jeder Tag ist angefüllt mit Negativem, auch wenn man der Polizei bei der Aufklärung hilft. Und damals war ich noch sehr jung. Damals fragte ich mich, wie lange ich das aushalten kann, ehe ich selbst zerbreche.

Die echte Arbeit als forensicher Psychologe hat Sie belasted. Und dann haben Sie Musik gemacht, als Gitarrist grosse Namen wie Ricky Martin und Shania Twain auf Tour begleitet?

Musik habe ich immer geliebt. Mit 26, 27 Jahren habe ich mir gesagt, ich habe mehr Spass, treffe mehr Mädchen (lacht), wenn ich Musik mache und zog nach Kalifornien. Ich spielte Gitarre für grosse Namen. Ich wollte Musik machen, ich wollte was Neues.

Seine Geschichten sind "nur" erfunden, das wirklich Böse dagegen geschehe in der Realität. Carter arbeitete als forensischer Psychologe und Musiker, ehe er sich ganz auf das Schreiben konzentrierte. Foto: © Andrzey Banas Polska Press

Leser brauchen den Sherlock Holmes Effekt

Sie habe echte Kriminalität kennengelernt. Sie wissen um den Unterschied zwischen Realität und Fiktion. Was ist schlimmer, die Wirklichkeit oder Ihre Fantasie?

Die Realität ist so viel schlimmer als jedes Buch. Ein Thriller muss einen Sinn, eine Erklärung bieten. Damit meine ich, dass der Leser am Ende des Buches erwartet zu erfahren, warum all das Schreckliche passiert. „The Sherlock Holmes Effekt“, nenne ich das, „the reason why“ darstellen.
In der Wirklichkeit, bei echten Verbrechen, gibt es oft keine rationale Erklärung. Dort, wo ich gearbeitet habe in den USA, töten Menschen andere Menschen wegen 10 Cent, für eine Flasche Wein, eine Uhr… das würde kein Leser verstehen. Die Realität ist so viel verrückter, so viel grausamer als ein Buch. Vielen Verbrechen in der Realität fehlt diese Nachvollziehbarkeit, die Leser von einem Autor im Buch verlangen.

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"Das echte Leben ist schlimmer als jedes Buch"

Wenn Sie so viele Verbrechen "gesehen" haben in Ihrem ursprünglichen Beruf als forenischer Psychologe, beeinflussen Ihre Erfahrungen Sie dann beim Schreiben?

Es gibt nicht eine einzige Krimiszene in meinen Büchern, die ich mir einfach nur im Kopf vorstelle. Es fliesst sicher immer etwas ein. Ich habe so viel Schlimmes gesehen und erfahren in meiner Zeit als forensischer Psychologe, dass es fast unmöglich ist, sich noch Schlimmeres auszudenken. Schrecklichste Gräueltaten – ganze Familien, die ausgelöscht wurden, Gliedmassen, die abgetrennt wurden, Metzeleien mit Messern, Menschen, die lebendig begraben oder angezündet wurden… unvorstellbares Leid.

Wenn ich schreibe, kommen mir immer wieder derartige Bilder in den Kopf. Und sie kommen aus der Realität. Sich noch Schreckliches in der Fantasie auszumalen ist fast unmöglich.

Will heissen: Was sich schreibe, ist ein Mix aus Realität und Fiktion. Aber es ist nicht die Realität. Ich entwickle meine Geschichten weiter, baue Spannung auf und Wendungen ein. Das erwarten meine Leserinnen und Leser.

Sie sagen, dies ist ihr dunkelstes und brutalstes Buch. Können Sie den Lesern verraten, welches spezielle Horrorszenario „Blutige Stufen“ ausmacht? Mit welchen Urängsten spielen Sie im neuesten Thriller?

Die Grundidee für dieses Buch entwickelte sich bereits beim Schreiben des letzten Buches. Das ist eigentlich immer so bei mir. Das war 2019. Dann habe ich meine Partnerin verloren – das bedeutete einen schwierigen Einschnitt. Nun ist das neue Buch fertig.
Es ist ein sehr langes Buch geworden, statt der üblichen 100.000 Worte hat es 140.000. Und trotzdem: Jeder der es gelesen hat, sagt, dass es sich nicht länger anfühlt beim Lesen. Es ist ein sehr schnelles Buch. Die Morde in diesem Buch sind sehr brutal. Es ist sehr emotional und sehr dunkel geworden. Mein dunkelstes Buch…

Gibt es denn spezielle menschliche Ängste, mit denen Sie in diesem Buch spielen?

Es geht um drei grosse Emotionen. Mehr will ich nicht verraten. Es ist sehr aufwühlend. Meine Agentin, die zu den ersten Lesern gehörte, hat mich danach angesimst. Dieses Buch habe sie zum Weinen gebracht vor Angst und Furcht, so aufregend empfand sie es.

"Mit Hunter teile ich die Schlaflosigkeit – und den Whiskey…"

Blutige Stufen ist der 12. Roman um die Hauptfigur Detective Robert Hunter. Sie sagen, inzwischen gibt es Parallelen zwischen Ihrer Figur und Ihnen selbst. Können Sie ein Beispiel nennen, was ist typisch für Sie beide?

Im Buch 1 – 3 steckte nicht so viel von mir, aber nach 12 Büchern spiegelt sich viel von mir in der Figur von Hunter wider. Jeder, der eine Fortsetzungsreihe schreibt, lässt etwas von seinem eigenen Charakter einfliessen. Ich leide zum Beispiel heftig unter Schlaflosigkeit. Mein Wecker steht auf 5 Uhr, aber ich habe ihn den letzten drei Jahren nicht gebraucht. Ich wache immer schon um 3.30 Uhr auf. Auch die Liebe zum Whiskey ist Hunter und mir gemeinsam und die Rolle des Einzelgängers. Aber auch der Killer trägt einige Züge von mir.

"Das Böse bleibt in der echten Welt, egal, was wir tun. Im Buch ist es immer nur Fiktion"

Gibt es auch etwas, was Ihnen gar nicht entspricht?

Ich hätte nie ein Buch geschrieben, in dem ein Kind ermordet wird. Als ich noch als forensischer Psychologe arbeitete, musste ich mich mit solchen Fällen auseinandersetzen. Ich bin kein Vater, aber Gräueltaten an Kindern nehmen einen wirklich mit. Auch die Leser identifizieren sich mit dem, was im Buch passiert. Die Erzählung ergreift einen. Im wahren Leben bringen viele Killer Kinder um. Das ist definitiv nichts für mich und meine Bücher… Das mache ich nicht.

Die schlechten Menschen gibt es, es gibt kaltblütige Mörder, es gibt Vergewaltiger. Dieses Böse existiert in der Welt, egal, was wir auch tun. Das ist so. Meine Bücher dagegen spielen nur in meinem Kopf. Sie sind und bleiben Fiktion.

Danke für die fantastischen Insights. „Blutige Stufen“ von Chris Carter erscheint am 1. September 2022 in Deutschland und ist bereits jetzt als eBook erhältlich.