Evan Rachel Wood

Ich wollte schon immer Schauspielerin werden, wurde dazu geboren, bekennt die Powerpackung aus sensitiv, intensiv und attraktiv. Ähnlich wie Mischa Barton, die rehäugige Anmut aus dem TV-Hit O.C., California, fällt Evan Rachel Wood durch altersunübliche Reife auf.

Sie wirkt fragil, weiss aber, was sie will: Ich hoffe, ich gelte nun nicht als das Mädchen, das all die düsteren Rollen spielt. Ich möchte nur Sachen machen, die etwas mit der Wirklichkeit zu tun haben, die mehr als fünf Minuten bei den Menschen haften bleiben.

Mit Dreizehn gelang ihr das nachhaltig. Als Holly Hunters brave Tochter entdeckte sie das wilde Leben - zum Entsetzen nicht nur amerikanischer Eltern. Der schockierende Blick auf Cliquendruck und Teenie-Kultur machte den Geheimtipp bekannt, der mit 10 Jahren bereits energisch feststellte: Ich bin kein Kind!. Zu hören im Drama Träume bis ans Ende der Welt, das wie Mischa Bartons Heimliche Freunde ein Ausrufezeichen hinter den Auftritt einer Newcomerin setzte.

Erst zwei Jahre zuvor war sie mit Mutter Sara Lynn und Bruder Ira David nach L.A. gezogen. Ihr Vater blieb nach der Scheidung in Woods Geburtsort Raleigh zurück, leitete weiterhin ein Theaterfestival, bei dem früher Frau und Kinder auf der Bühne gestanden hatten. Ich hatte eine grossartige Kindheit, blickt Evan Rachel zurück.

Als ich 12 war, veränderte sich alles schnell, und ich verlor für eine Weile die Orientierung. Das muss jeder durchmachen, denke ich, man muss das wirklich Schlechte kennen, um das wirklich Gute schätzen zu können.

Schon früh hatte das Mädchen aus North Carolina von Kalifornien geträumt, wo ihre Tante Carol als Filmausstatterin arbeitete. Mit sieben Jahren bewarb sie sich für Interview mit einem Vampir, musste aber wie Christina Ricci oder Dominique Swain das Blutsaugen Kirsten Dunst überlassen.

Statt im Kino debütierte sie im Fernsehen, spielte seit 1994 in TV-Dramen und 1998 im Serienhit Profiler. Ein Jahr später folgte die Familienserie Noch mal mit Gefühl, in der sie mit Magersucht und Frühlingsgefühlen für ihre Freundin (gespielt von Mischa Barton) kämpfte.

Vor der Kamera verbrachte sie ihre Schulzeit, wurde von Tutoren unterrichtet, empfand sich aber nie als isoliert. Begeistert tanzte sie in den Discos am Hollywood Boulevard, entlarvte sie aber bald als Fleischmarkt und die Jungs als Geier, die die Mädchen umkreisten. Statt in dieser Szene auf- und vielleicht unterzugehen, widmete sie sich ihren Hobbies (Reiten, Schwimmen, Bladen) und erkämpfte sich einen Schwarzen Gürtel in Tae Kwon Do.

Tochterrollen dominieren zwangsläufig ihre Karriere - mit durchweg prominenten und brillanten Eltern. Al Pacino war ihr Vater in Simone, Cate Blanchett ihre Mutter in The Missing, Joan Allen in der witzigen und berührenden Familiendramödie An Deiner Schulter.

2007 ist das Jahr von Evan Rachel Wood: Mit der Aussenseiter-Komödie King of California und dem psychedelischen Musical Across the Universe starten gleich zwei neue Filme mit dem Supergirl in der Hauptrolle. Ausserdem hat Evan Rachel einen neuen Mann an ihrer Seite: den Schock-Rocker Marilyn Manson. Er bezeichnet sie als seine Muse und liess sich von ihr zu seinem Song Heart-Shaped Glasses inspirieren.

Musik spielt eine wichtige Rolle im Leben der 20-Jährigen. In ihrem aktuellen Film Across the Universe treiben 30 Beatles-Hits die Handlung der Liebesgeschichte voran. Wood selbst kann sich auch eine Karriere als Sängerin vorstellen und hat bereits mehrere Lieder aufgenommen. Dem Kino bleibt sie vorerst allerdings treu: Demnächst ist die Blondine als Schriftstellerin Anne Bronte in der Filmbiografie Bronte zu sehen. Und im Drama In Bloom spielt Wood die junge Version von Uma Thurmans Figur. Tochterrollen sollten also bald kein Thema mahr sein - das Supergirl wird flügge.