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vor 4 Monate

"Winter der Hoffnung"

Foto: © Gaby Gerster

Die Krise als Chance nutzen

Zerstörte Gebäude, zerstörte Familien, zerstörte Menschen – als Bestsellerautor Peter Prange (65) in den 50er-Jahren aufwuchs, waren die Folgen des Krieges noch überall sichtbar. Er selbst war ein Kind der Wirtschaftswunderjahre, die dann folgten, geprägt von Aufschwung und Wohlstand. Doch wie kam es dazu? Und wie konnten unsere Eltern und Grosseltern den Weg aus den Trümmern ihrer Existenz finden? "Wie sie das getan haben, ist mehr als bewundernswert, vor allem ihre Entschlossenheit, jede noch so kleine Chance beherzt zu ergreifen, um aus ihrem Leben etwas Besseres zu machen", stellt Prange im Weltbild-Interview (weiter unten) fest. Mit Blick auf Corona ergänzt er: "Wenn wir uns daran ein Beispiel nehmen, werden auch wir aus dieser Krise wieder herauskommen."

Licht in der Finsternis: Die Hoffnung auf den Neuanfang

Die Bedeutung der Vergangenheit für die unsere Gegenwart ist Lebensthema für Peter Prange, DEM Chronisten der jüngsten deutschen Geschichte in Romanform. Über 3 Millionen Bücher hat Prange bis heute verkauft – vom "Bernstein-Amulett" bis zu "Eine Familie in Deutschland". Sein grosser Nachkriegsroman "Unsere wunderbaren Jahre" lief als Dreiteiler in der ARD.
Jetzt erscheint mit "Winter der Hoffnung" die Vorgeschichte dieses Bestsellers als Weltbild Ausgabe, eine Familiengeschichte der Nachkriegszeit, die auch als eigenständiger Roman zu lesen ist.

Foto: © Gaby Gerster

Worum geht's im neuen Buch?

"Winter der Hoffnung" erzählt eine Episode aus der Geschichte der Fabrikanten-Familie Wolf aus Altena im Winter 1946. Das Weihnachtsfest steht vor der Tür. Doch die Menschen in der Kleinstadt leiden Not und Hunger. Selbst dem angesehenen Familienbetrieb der Wolfs droht die Demontage durch die britischen Besatzer. Da lernt Tochter Ulla Frauenschwarm und Schwarzmarkthändler Tommy mit besten Beziehungen zum Stadtkommandanten kennen. Ein Lichtblick in der Finsternis?
Anekdote am Rande: Altena ist die Heimatstadt von Peter Prange, seine Eltern die Inhaber des Traditionsgeschäftes "Betten Prange", das auch im Roman immer wieder vorkommt und in dem er als Kind und Jugendlicher mithalf.

Lesung mit Peter Prange

Schauen Sie rein: Peter Prange liest aus seinem aktuellen Roman und gibt persönliche Buchtipps.

Bestsellerautor Peter Prange im Interview über seinen neuen Roman "Winter der Hoffnung" und was wir von unseren Eltern und Grosseltern über den Umgang mit Krisen lernen können

Ihr aktueller Roman „Winter der Hoffnung“ spielt kurz nach Kriegsende im Hungerwinter von 1946. Wie waren die Lebensumstände für unsere Mütter und Väter, Grossmütter und Grossväter damals?

Peter Prange: Die lassen sich in zwei Worten zusammenfassen: Not und Elend. Es herrschte Mangel an buchstäblich allem, was Menschen zum Leben brauchen: Nahrung, Wohnraum, Kleidung – die allerelementarsten Dinge. Das galt für die gesamte Nachkriegszeit, vor allem aber für den Hungerwinter 46. Temperaturen von bis zu 30 Grad minus, mit leeren Bäuchen, in ungeheizten Wohnungen. Und das einzige Licht in dieser Finsternis war die Hoffnung auf eine bessere Zukunft, in meiner Geschichte symbolisiert durch die Hoffnung auf das Weihnachtsfest.

Eine Maske zu tragen, die persönlichen Freiheiten beschränkt zu sehen, das stellt so manchen in den heutigen Zeiten vor unlösbare Probleme. Sollten wir uns mehr auf die Geschichte besinnen, um zu verstehen, dass Entbehrungen anders aussehen?

Peter Prange: Die bedrohlichste Krise ist immer diejenige, in der man selbst gerade steckt – dem eigenen Empfinden nützt der Blick auf die Vergangenheit so wenig wie der Vergleich mit anderen. Denn allen Krisen ist eines gemeinsam: der Verlust des Vertrauten und scheinbar Verlässlichen, und dadurch die Angst, dem Schicksal wehrlos ausgesetzt zu sein. Was wir aber von unseren Vorfahren lernen können, ist der Umgang mit Krisen – die Bereitschaft, darin stets die Möglichkeit für einen Neuanfang zu sehen.

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Sie sagen, es sei ein Wunder, wie „unsere Eltern und Grosseltern es in nur zwei Generationen geschafft haben, aus den Trümmern des grössten Schurkenstaats aller Zeiten, Nazi-Deutschland, ein so lebenswertes Land wie das heutige Deutschland zu erschaffen.“ Haben wir also allen Grund zur Hoffnung, dass uns nach Corona auch ein Wiederaufschwung gelingt?

Peter Prange: Der Generation meiner Eltern und Grosseltern blieb in der Stunde Null gar nichts anderes übrig, als ihre Zukunft selbst in die Hand zu nehmen. Es gab ja von aussen keine Unterstützung. Doch wie sie das getan haben, ist mehr als bewundernswert, vor allem ihre Entschlossenheit, jede noch so kleine Chance beherzt zu ergreifen, um aus ihrem Leben etwas Besseres zu machen. Wenn wir uns daran ein Beispiel nehmen, werden auch wir aus dieser Krise wieder herauskommen.

„Winter der Hoffnung“ ist unter anderem Dr. Andreas Hollstein gewidmet, „der in einundzwanzig Amtsjahren als Bürgermeister für Altena buchstäblich alles getan hat, was man nur tun konnte“. Kein Vorbild also für die Roman-Bürgermeister Böcker und Vielhaber?

Peter Prange: Die Jahre des Wiederaufbaus in Deutschland erscheinen uns heute oft in einem allzu pastellfarbenen Licht. Alles wurde nach dem Krieg wieder schöner, heller, leichter. Diese pastellfarbene Oberfläche war leider oft tiefbraun grundiert, und diese Grundierung bricht in Gestalt von Walter Böcker und Arno Vielhaber immer wieder zutage. Mit solchen Figuren hat Andreas Hollstein Gott sei Dank rein gar nichts gemein, im Gegenteil. Wegen seiner demokratischen Überzeugungen, die er als Bürgermeister von Altena stets in praktisches Handeln umgesetzt hat, wurde er sogar Opfer einer Messerattacke durch einen nach Rechtsaussen Verirrten.

Sie haben sich bald 50 Jahre intensiv mit der deutschen Geschichte, dem Nationalsozialismus und den Wirtschaftswunderjahren, auseinandergesetzt und sie in Romanform verarbeitet. Was ist der Ursprung dieses Interesses, das für Sie zum Lebensthema wurde?

Peter Prange: Dass mich dieses Thema seit meiner frühesten Jugend beschäftigt, hängt mich meinem persönlichen Erleben zusammen. Ich bin ein Kind der 50er Jahre, als ich aufwuchs, waren die Folgen des Krieges noch überall sichtbar: zerstörte Gebäude, zerstörte Familien, zerstörte Menschen. Da habe ich Fragen gestellt, nach meiner unmittelbaren Vorvergangenheit, die ja mein eigener Daseinsgrund war, die Ursuppe, aus der ich gekrochen bin. Zum Glück wurde in meiner Familie – und das war alles andere als selbstverständlich – offen über die Kriegs- und Nachkriegszeit gesprochen. Unzählige Geschichten von den Eltern und Grosseltern, von Onkels und Tanten. Aus diesem Fundus schöpfe ich bis heute.

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