vor 3 Wochen

Mit 70 plus geht das Leben erst los

Blanca Imboden über ihren neuen Altersheim-Bestseller "Heimelig", den Spardruck in der Pflege und warum man hier und jetzt leben sollte

Als Blanca Imbodens Mutter ins Altersheim zog, erzählte sie der Tochter reichlich Kurioses und so manche Anekdote aus dem Heimalltag. Daraus entstand "Heimelig", Blanca Imbodens neuer, liebevoller und urkomischer Roman, den sie allerdings erst nach dem Tod der Mutter veröffentlichen durfte. Das Versprechen hatte sie ihr abgeknöpft.

Imboden erzählt darin die Geschichte der 77-jährigen Nelly, die eigentlich noch viel zu fit fürs Heim ist, doch ihrer Tochter Trudi den Wunsch nicht abschlagen kann. Aus Langeweile beschliesst sie, jetzt, wo sie so viel Zeit hat, auf Reise durch die Schweiz zu gehen: Und zwar jeden Tag in eine andere Stadt, von A bis Z. Und so macht sie sich auf den Weg nach Ascona, nach Buochs, nach Chur und immer weiter. Sie entdeckt ihre Lust am Leben und der Freiheit wieder und sogar die Liebe spielt plötzlich wieder eine Rolle.

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Blanca Imboden: "Jeder Mensch hat ein Ablaufdatum. Auch meines rückt näher."

Wie sehr beschäftigt Sie selber das Alter? Ist das Ihr Thema?

Blanca Imboden: Es ist doch unser aller Thema. Neulich hatte ich eine Klassenzusammenkunft und da wurde schon erstmals über Krankheiten und Herzinfarkte gesprochen. Tja, jeder Mensch hat ein Ablaufdatum. Auch meines rückt näher. Aber es beängstigt mich nicht wirklich.

Können Sie sich vorstellen in einem Altersheim zu leben? Und würden Sie es dann wie Nelly machen?

Blanca Imboden: Wenn das denn sein müsste, hoffe ich, alles anders zu machen, als es meine Eltern taten. Sie isolierten sich beide sehr, waren ungesellig, suchten den Kontakt zu anderen Bewohnern nicht. Das fand ich schade. Nelly ist natürlich eigentlich kein Beispiel, weil sie viel zu gesund war, für einen Heimeintritt. In ihrem Zustand würde ich sicher nicht in ein Heim einziehen. Niemals.

Blanca Imboden: "Die Arbeit in der Pflege wird unter dem enormen Spardruck langsam unerträglich."

Sie legen den Finger auf viele wunde Punkte in den Altersheimen und im Gesundheitswesen. Haben Sie auch Lösungen?

Blanca Imboden: Nein, ich bin nur eine Geschichtenerzählerin und muss daher keine Lösungen präsentieren. Ich bin auch keine Politikerin, die so tun muss, als hätte sie Lösungen. Aber ich stelle wichtige Fragen. Die Arbeit in der Pflege wird unter dem enormen Spardruck langsam unerträglich. Gute Pflegekräfte brennen aus. Fehler passieren. Ausbaden müssen alles am Ende die Bewohner. Und das Bad wird immer kälter. Bis ich dann mal ins Altersheim komme, muss ich wohl einen Eispickel mitbringen.

Was ist am Buch „heimelig“ anders als an den früheren Werken?

Blanca Imboden: Es kommen erstmals keine Berge und Wanderungen vor. Gar keine. Aber ich habe mich sehr darum bemüht, trotz des sehr ernsthaften Themas, dem Buch genug Leichtigkeit und Fröhlichkeit zu geben, damit es die Leser am Ende mit einem Lächeln im Gesicht zurücklässt.

Es sollen viele Erlebnisse Ihrer Mutter darin vorkommen. Stimmt das?

Blanca Imboden: Ja, viele Geschichten, die sie mir erzählt hat, habe ich genau so übernommen. Dazu habe ich auch viel erfunden und mir Erlebnisse von Pflegenden und Bewohnerinnen anderer Heime angehört. Ich war ja sogar selber eine Woche in einem Altersheim.

War Ihre Mutter unglücklich im Heim?

Blanca Imboden: Sie war unzufrieden. Aber sie war auch schwierig und hat es ihrem Umfeld nicht leicht gemacht, gerade als es ihr gesundheitlich dann schlechter ging. Sie wurde im Allgemeinen sehr liebevoll gepflegt.

Blanca Imboden: "Dass man heute leben muss. Hier und heute. Am besten gleich JETZT."

Sie sagen ja, dass Sie bei jedem Buch etwas lernen. Was haben Sie bei „heimelig“ gelernt?

Blanca Imboden: Dass man heute leben muss. Hier und heute. Am besten gleich JETZT. Und ich habe ja ein spannendes Leben, fahre als Bähnlerin mit Bergbahnen auf das Stanserhorn, arbeite im Wörterseh Verlag als Sekretärin, darf Bücher schreiben, bin frisch verliebt in einen Panflötenspieler... Es darf gerne so weitergehen.

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