vor einer Woche

Funkenmord: Kluftingers neuer Fall!

Foto: © Jens Oellermann

Funkenmord: Ein Cold Case und häusliche Pflichten – der Kluftinger geht neue Wege!

Back in Altusried. Kommissar Kluftinger ermittelt wieder – in seinem sage und schreibe elften Fall. Vor inzwischen 17 Jahren ersann das Autoren-Duo Volker Klüpfel und Michael Kobr den eigenwilligen Allgäuer Kult-Kommissar. Ein Unikum und Unikat, mit grosser Kässpatzenliebe und dem richtigen Riecher für Mord und Totschlag.

"Ich bügle nicht, meine Frau übrigens auch nicht": Klüpfel und Kobr über Gleichberechtigung bei Kluftingers und bei sich privat

Nach einem Ausflug ins Thriller-Genre ("Draussen") heisst es für Klüpfel und Kobr jetzt back to the roots, nach Altusried. Dort wartet nicht nur ein ungelöster Cold Case auf Klufti. Weil seine Frau Erika gesundheitliche Probleme hat und von Dr. Langhammer von allen häuslichen Arbeiten freigestellt wird, soll Kluftinger zu seinem Entsetzen als Hausmann einspringen. Das klappt weniger gut, schon beim Wäschewaschen setzt er den Keller unter Wasser. Gleichzeitig ermittelt neuerdings eine junge Kollegin in Kluftingers Kripo-Team und sorgt dafür, dass der Klufti seine, nun ja, etwas konservative Haltung zum Verhältnis zwischen Frauen und Männern wirklich neu überdenken muss. Das klingt ganz nach einem neuen Gleichgewicht zwischen den Geschlechtern...

Ob das wirklich so ist und wieviel Macho-Klufti eigentlich in den beiden Autoren steckt, verraten Michael Kobr und Volker Klüpfel in unserem exklusiven Interview:

Haben Ihre Frauen gesagt, es wird höchste Zeit für mehr Gleichberechtigung in Altusried?

Volker Klüpfel: Als ob unsere Frauen bei uns mitreden dürften … Moment, das war nur ein Spass! Die Meinung unserer Frauen ist uns von allen die Wichtigste. Aber die haben natürlich auch verstanden, dass wir mit Kluftinger über einen eher wertkonservativen Menschen schreiben – allerdings einen mit der Fähigkeit, sich und seine Art zu leben zu hinterfragen und sogar zu ändern.

Wie traditionell sind Sie denn zuhause organisiert? Stecken kleine Macho-Kluftis in Ihnen oder teilen Sie sich "Mental Load" etc. in der Familie auf?

Michael Kobr: Ohne jetzt in den Verdacht des Eigenlobs zu geraten: Wir bringen uns schon beide ganz gut ein in die Familie – was natürlich auch damit zu tun hat, dass wir jeweils zu Hause arbeiten, unsere Frauen aber ausser Haus.
Ich zum Beispiel koche eigentlich jeden Tag für die Familie, bin bei den Hausaufgaben abrufbereit, war Haupt-Ansprechpartner im Homeschooling, gehe einkaufen, mit dem Hund… oh, jetzt war’s doch ein bissle Eigenlob. Aber es ist für mich auch keine lästige Pflicht sondern ein Privileg, weil ich überdurchschnittlich viel Zeit mit den Kindern verbringe. Und in der Partnerschaft war meiner Frau und mir von Anfang an klar, dass wir uns das teilen. Alles andere wäre aus meiner Sicht seltsam.

Wäsche, kochen, Spülmaschine ausräumen – was machen Sie denn gerne zuhause und wovor drücken Sie sich?

Volker Klüpfel: Drücken ist nicht und wir können und machen alles. Manches natürlich lieber und manches weniger gern und eher selten. Nur eines habe ich für mein Leben entschieden: Ich bügle nicht. Meine Frau übrigens auch nicht.
Michael Kobr: Wäsche kann und mach ich auch fast nie. Und ich hasse es wie die Pest, die Spülmaschine auszuräumen. Das weiss meine Frau aber und hat sich darauf eingestellt…

Lucy Beer heisst die neue Mitarbeiterin auf dem Revier. Ist Lucy so hip wie ihr Name? Wie müssen wir uns die neue Kollegin an Kluftis Seite vorstellen?

Michael Kobr: Besonders hip ist sie eigentlich nicht, und damit passt sie schon mal ganz gut zu Kluftinger. Sie ist jung und attraktiv, ist aber beileibe kein Püppchen. Eher von der handfesten Sorte, der mal ein flapsiger Kommentar oder ein unpassender Ausdruck zu viel rausrutscht. Aber sie kann was und ist ehrlich und direkt, was der Kommissar schnell zu schätzen lernt.

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"Hauptsach, the holy ghost drives into the child" - meint Klufti...

Im neuen Krimi will Kluftinger den Fall "Funkenmord", einen sogenannten Cold Case, wieder neu aufrollen. Warum lässt ihm der alte Fall keine Ruhe?

Volker Klüpfel: Weil die Tatsache, dass es überhaupt noch ein Fall ist, mit seinem persönlichen Scheitern in der Vergangenheit zu tun hat, weil er dem von ihm fälschlicherweise verhafteten Täter geschworen hat, den wahren Mörder hinter Schloss und Riegel zu bringen.

Wie entstand die Idee für den Cold Case "Funkenmord" – studieren Sie eigentlich reale Fälle als Inspiration?

Volker Klüpfel: Sicher schauen wir uns auch reale Fälle an, aber da geht es eher um Methoden der Polizeiarbeit. Besonders faszinierend an einem Cold Case ist es ja, nach vielen, vielen Jahren zu versuchen, etwas aufzuklären, was viel schwieriger ist, als direkt nach einer Tat. Da die Amerikaner da methodisch weiter sind, haben wir jede Menge Fachliteratur der US-Polizei gelesen.

Im letzten Band „Kluftinger“ ging es deutlich ernsthafter, fast schon bedrohlich zu. Es folgte mit „Draussen“ ein richtiger Thriller ohne Klufti. Was dürfen wir von "Funkenmord" erwarten?

Michael Kobr: In "Funkenmord" kann viel gelacht werden, ganz sicher. Es hat uns auch grossen Spass bereitet, wieder auf der Humorschiene unterwegs sein zu können. Zwar wirken die Blessuren des letzten Falls bei Kluftinger und seinen Kollegen noch nach, dennoch ist "Funkenmord" bestimmt mindestens so lustig wie seine Vorgänger. Schliesslich bietet die neue Rolle als "moderner Mann", der bei der Hausarbeit hilft, genügend Fallstricke für ihn. Und dann lädt Langhammer auch noch zur Verkaufsparty für eine edle Küchenmaschine…

Wie lautet ihr Lieblingssatz in "Funkenmord" und warum?

Volker Klüpfel: Mein Lieblingssatz ist immer der letzte, der allein durch seine Stellung im Buch besonders aufgeladen ist. Den kann ich hier aber auf keinen Fall verraten.
Michael Kobr: Mein liebster Satz zeigt nicht nur Kluftingers tiefe Verwurzelung im Volksglauben und dem Katholizismus, sondern zeugt auch von der Sorge um sein Enkelkind und seinem gesunden Pragmatismus. Und er beweist, wie polyglott unser Held sein kann: „Hauptsach, the holy ghost drives into the child.“

Video-Tipp: Lesung mit Volker Klüpfel und Michael Kobr in der Reihe #weltbildliest

Erleben Sie die beiden Autoren im Gespräch mit Moderatorin Franziska Kurz.