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vor einem Jahr

Dr. Daniele Ganser im Weltbild-Interview

Dr. Daniele Ganser: Ein Historiker, der mit seinen Fragen polarisiert

Der Schweizer Historiker Dr. Daniele Ganser, der sich als Friedensforscher bezeichnet, leitet das Swiss Institute for Peace and Energy Reserach (SIPER). Zu seinem Forschungsgebiet gehören die Themen Frieden, Energie, Medien, Krieg und Terror. Mit Sachbüchern wie "Illegale Kriege" (mit einer Auflage von über 100'000 Exemplaren), "NATO-Geheimarmeen" oder "Europa im Erdölrausch" wurde er zum Bestseller-Autor. Jetzt ist sein neues Buch "Imperium USA" erschienen, in dem er die USA als seiner Ansicht nach "skrupellose Weltmacht" beleuchtet. Gansers setzt sich für gewaltlose Konfliktlösung, aber auch erneuerbare Energien ein. Seine Ansichten, die er oft als Fragen formuliert, polarisieren und interessieren.

Im Interview spricht Daniele Ganser über 9/11 Verschwörungen, Terror-Organisationen sowie die Weltmacht USA:

Sie sind promovierter Historiker und bezeichnen sich selbst als Friedensforscher. Warum?

Daniele Ganser: Ich forsche seit vielen Jahren zum Thema Frieden. Alle meine Bücher und Vorträge beleuchten das Thema Frieden aus verschiedenen Perspektiven. Immer wieder betone ich in meinen Vorträgen, dass das UNO-Gewaltverbot seit 1945 Kriege verbietet und dass wir alle zur Menschheitsfamilie gehören. Ich möchte mit meiner Forschung die Friedensbewegung stärken.

Einige Journalisten und Historiker bezeichnen Sie als „Verschwörungstheoretiker“. Was sagen Sie diesen?

Daniele Ganser: Es ist naiv zu glauben, es gibt keine Verschwörungen. Historiker wie ich müssen daher auch Verschwörungen untersuchen. In meinem neuen Buch «Imperium USA» habe ich ein ganzes Kapitel zu den Terroranschlägen vom 11. September 2001, kurz 9/11. Wer dieses wichtige historische Ereignis untersucht und kritische Fragen stellt, wird von verschiedenen Journalisten und auch auf dem online Lexikon Wikipedia sofort als «Verschwörungstheoretiker» diffamiert. Das ist natürlich eine nicht akzeptable Situation für einen Historiker. Denn wir wissen, dass Präsidenten immer wieder gelogen haben. Es gibt keinen Grund der Erzählung von Präsident Bush zu 9/11 blind zu glauben. Das macht in einer aufgeklärten Gesellschaft keinen Sinn. Denn es gibt viele offene Fragen zu 9/11.

Was ist denn ihrer Meinung nach die wichtigste offene Frage zu 9/11? Wie wie lautet die Antwort von Daniele Ganser?

Daniele Ganser: Ganz klar der Einsturz von WTC7. Damals sind ja in New York drei Hochhäuser eingestürzt. Aber nur zwei, die mehr als 400 Meter hohen bekannten Zwillingstürme WTC1 und WTC2, wurden von Flugzeugen getroffen. Das haben die meisten Menschen am Fernsehen gesehen. Danach sind sie eingestürzt. WTC7, das mehr als 180 Meter hohe dritte Hochhaus, wurde nicht von Flugzeugen getroffen, ist aber trotzdem in 7 Sekunden eingestürzt. Davon wissen nur wenige Menschen, weil dieser Einsturz fast nie am Fernsehen gezeigt wurde. WTC7 war ein riesiges Gebäude, vergleichbar mit dem Roche Turm der in Basel am Rhein steht. Für den Einsturz von WTC7 gibt es nur zwei mögliche Ursachen: Feuer oder Sprengung. Lange wurde behauptet, kleine Bürobrände seien die Ursache gewesen. Aber das stimmt nicht. Eine neue Studie der Universität Alaska aus dem Jahr 2019 zeigt, dass Feuer den Einsturz von WTC7 nicht verursacht haben kann. Daher bleibt nur eine Erklärung: WTC7 wurde gesprengt.

Solange es dafür keine sicheren Belege gibt, bleibt diese Schlussfolgerung eine Spekulation. Sie leiten das Swiss Institute for Peace and Energy Research (SIPER) in Münchenstein bei Basel, das ausschliesslich Ihre Bücher und Vorträge anbietet. Ist das Institut Teil der Universität Basel?

Daniele Ganser: Nein, das Institut SIPER ist nicht Teil der Universität Basel. So bin ich völlig unabhängig, was mir nach all den Erfahrungen, die ich an der ETH Zürich und der Universität St. Gallen gemacht habe, sehr wichtig ist. Das Institut bietet nur zwei Produkte an: Meine Bücher und meine Vorträge. Das Institut finanziert sich also über die Menschen, welche sich für meine Forschungsresultate interessieren, und das ist wunderbar. Es freut mich zu sehen, dass das Interesse sehr gross ist. Mein letzte Buch «Illegale Kriege» wurde mehr als 100'000 mal verkauft.

In einem Ihrer Vorträge stellen Sie die Frage, ob die CIA eine Terror-Organisation ist? Das ist gewagt, schliesslich ist die CIA eine staatliche Organisation. Welche Argumente stützen Ihre These?

Daniele Ganser: Terroristen töten Menschen. Das ist der Kern bei der IRA, Al Qaida, der RAF und den Roten Brigaden. In meinem neuen Buch «Imperium USA» zeige ich, dass die CIA Mordanschläge durchgeführt hat auf Fidel Castro, den Präsidenten von Kuba. Innerhalb der CIA wurde sogar eine Abteilung für Mordanschläge gegründet. Es gelang der CIA aber nicht, Castro zu töten. Trotzdem ist das für mich ganz klar Terrorismus. Im Kongo hat die CIA die Ermordung von Premierminister Patrice Lumumba organisiert. Sehr aktuell ist das Beispiel der Ermordung des iranischen Generals Soleimani in Bagdad im Januar 2020 durch eine von der CIA gesteuerte Drohne. Auch das war illegal.

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Gehen Sie nicht zu hart mit der USA zu Gericht? Welches Gewaltmonopol hat ein Staat?

Daniele Ganser: Nein, das glaube ich nicht. Viel zu lange hat man sich in Europa nicht getraut, offen über den US-Imperialismus zu sprechen. Das müssen wir aber tun, wenn wir die Weltpolitik verstehen wollen. Denn die USA haben mit Abstand die höchsten Militärausgaben, derzeit 730 Milliarden Dollar, das sind zwei Milliarden pro Tag. Krieg ist ein Geschäft, und die USA führen dauernd Krieg.

Wie beurteilen Sie China als zukünftige Weltmacht?

Daniele Ganser: China ist der grosse Herausforderer der USA im 21. Jahrhundert. Das bedeutet aber nicht, dass China besser ist als die USA. An China stört mich, dass nur eine Partei, die kommunistische Partei, regiert. Und dass China Tibet besetzt hat. Ich finde es auch falsch, dass China die eigenen Bürger elektronisch überwacht, was aber auch viele andere Länder wie die USA tun, wie Edward Snowden enthüllt hat. Die Rivalität von China und den USA wird uns noch lange begleiten und gehört zu den grossen Geschichten der Gegenwart. China ist aber bisher den USA deutlich unterlegen

Sie haben vor kurzem einen Preis für Ihre Friedensforschung erhalten. In Ihrem neuen Buch bezeichnen Sie die Friedensbewegung als einen der Schlüssel für eine friedliche Zukunft. Was macht Sie so sicher?

Daniele Ganser: Die Friedensbewegung spielt meiner Meinung nach eine sehr wichtige Rolle im 21. Jahrhundert. Immer mehr Menschen erkennen die vielen Kriegslügen und lehnen diese ab. Wir sollten lernen, Konflikte ohne Gewalt zu lösen, uns als Menschheitsfamilie zu verstehen, durch Achtsamkeit unsere Gedanken und Gefühle zu beobachten und das UNO-Gewaltverbot zu respektieren. Dann können wir ein friedliches 21. Jahrhundert haben. Ansonsten droht Chaos.

In einer weltweiten Gallup-Umfrage in 65 Ländern bezeichneten ein Viertel der Befragten die USA als die grösste Gefahr für den Weltfrieden: Was sind die Gründe aus Ihrer Sicht?

Daniele Ganser: Die Antwort liegt auf der Hand: Die USA sind das Imperium. Und der Aufstieg zur imperialen Vorherrschaft beruhte in der Geschichte immer auf Gewalt. Der Glaube an Gewalt zeigt sich darin, dass im Gegensatz zu fast allen anderen westlichen Staaten in den USA noch immer die Todesstrafe vollstreckt wird. Vor allem aber hat kein anderes Land seit 1945 so viele andere Länder bombardiert wie die USA. Kein anderes Land hat seit 1945 in so vielen anderen Ländern der Welt die Regierung gestürzt wie die USA. Kein anderes Land der Welt hat seit 1945 so viele verdeckte Kriege geführt wie die USA.

Wird der amerikanische Präsident Donald Trump wiedergewählt? Oder zieht ein Demokrat ins Weisse Haus? Was würde sich dann aus Ihrer Sicht ändern?

Daniele Ganser: Sowohl die Demokraten wie auch die Republikaner dienen dem US-Imperialismus. Da gibt es keine Unterschiede. Es waren Demokraten, die den Vietnamkrieg angefangen haben, und Demokraten haben die Atombomben auf Zivilisten in Japan geworfen. Republikaner haben Afghanistan und Irak bombardiert. Demokraten haben Syrien und Libyen angegriffen. Beide Parteien sind in der Aussenpolitik sehr aggressiv und dienen den reichsten Menschen in den USA. Für diese Milliardäre ist Krieg ein Geschäft. Die beiden Parteien unterscheiden sich nur in ihrem Auftreten und bei bestimmten Punkten in der Innenpolitik wie Bildung, Umwelt und Gesundheit, da sind die Demokraten progressiver. Aber die Erhöhung der Militärausgaben auf astronomische 730 Milliarden Dollar pro Jahr wurde im Senat und im Repräsentantenhaus von beiden Parteien unterstützt, es gibt da tatsächlich keinerlei Unterschiede.

Am Schluss wird am 3. November 2020 vermutlich Trump gewinnen. Denn der Amtsinhaber ist überall bekannt, er kann sich daher einfacher Gelder für seinen Wahlkampf sichern, und hat daher eine grosse Chance eine zweite Amtszeit zu gewinnen, wie das Obama, Bush und Clinton vor Trump auch getan haben.

Daniele Ganser studierte an der Universität Basel, der Universität Amsterdam und der London School of Economics and Political Science (LSE) Geschichte, Philosophie und Englisch. Sein Lizentiat in Geschichte erwarb er an der Universität Basel 1998 summa cum laude mit einer Arbeit zur Kubakrise und den Doktortitel in Geschichte 2001 insigni cum laude mit einer Arbeit zu den NATO Geheimarmeen. Danach arbeitete er bei Think Tank Avenir Suisse in Zürich, war Senior Researcher an der Forschungsstelle für Sicherheitspolitik der ETH Zürich und war Dozent an der Universität Basel am Historischen Seminar und am Institut für Soziologie sowie Dozent an der Universität St. Gallen (HSG).

Heute leitet er das Swiss Institute for Peace and Energy Reserach (SIPER), das seine Bücher und seine Vorträge publiziert. Er untersucht die Themen Frieden, Energie, Medien, Krieg und Terror.

Ganser ist Preisträger des Deutschen IQ-Preises, MIND AWARDs für Bewusstsein, Bildung Forschung, Kunst und Frieden sowie des Bautzner Friedenspreis.

1 Kommentar
  • Markus B., 23.04.2020

    Friedensforschung ist ein schwieriges Geschäft... Ich freue mich, dass WELTBILD sich auch in diese Materie einarbeitet. Grundsätzlich stellt ein Forscher Fragen über Punkte, die nicht restlos geklärt sind. Das macht Daniele Ganser beharrlich. Dafür danke ich ihm! Ich wünsche ihm nun viele Leser, die auch neugierig sind und viele Dinge, die bis heute unklar sind, verstehen wollen!