Franziska Kurz
Franziska Kurz

Warum sie sich selbst nicht schön finden muss

... aber dankbar ist für ihren Körper. Erleben Sie Ildikó von Kürthy im Video-Talk

Foto: © Sonja Tobias

Ildikó von Kürthy im Video-Talk über ihren neuen Roman & ein neues Körperbewusstsein

Ein Beitrag von Kulturjournalistin/Moderatorin Franziska Kurz

Ildikó von Kürthy ist Kult – seit ihrem ersten grossen Bestseller "Mondscheintarif" (unglaublich, das ist jetzt 23 Jahre her) lachen wir mit ihren Romanheldinnen und weinen mit ihnen. Dass Ildikós Bücher was fürs Herz sind und einfach urkomisch, das ist ein Fakt. Aber sie setzt mit jedem neuen Buch noch einen drauf: ihre klugen Geschichten haben Tiefgang und berühren. Nach "Es wird Zeit" ist jetzt ihr Roman "Morgen kann kommen" erschienen, eine Familiengeschichte über zwei Schwestern. Ein Thema darin ist unter anderem die so gehypte "Body Positivity", also eine positive Einstellung zum eigenen Körper. Warum sie findet, dass man sein Äusseres nicht immer schön finden muss und über noch viel mehr, habe ich mit Ildikó gesprochen.

Am 23.6.22 war Bestsellerautorin Ildikó von Kürthy mein Gast beim Video-Talk-Format #weltbildliest. Hier können Sie unser Gespräch noch einmal in ganzer Länge ansehen:

"Body Positivity? Völlig unrealistisch!"

Schlankheit und Schönheit sind in den Medien ja irgendwie allgegenwärtig. Die einen quälen sich mit Dauerdiäten, die anderen beschliessen, den eigenen Körper so schön zu finden wie er nun mal ist. Ein Thema, das auch in "Morgen kann kommen" mit Protagonistin Gloria und Erdal (wir kennen und lieben ihn seit vielen Romanen!) sehr präsent ist. Ich wollte von Ildikó wissen, wie sie zur sogenannten "Body Positivity" steht. Authentisch, ehrlich und offen hat sie mir von ihrem eigenen Hadern mit Körper und Gewicht erzählt:

"Heute bin ich meinem Körper dankbar, dass er mich immer noch trägt und erträgt, trotz all dem, was ich ihm schon angetan habe. Ich habe Kette geraucht, ne Menge Alkohol getrunken, viele Bratwürstchen und Pralinen gegessenen – und trotzdem ist er immer noch bei mir. Irgendwann war ich im Schwimmbad und habe all diese schönen jungen, schlanken Menschen um mich herum gesehen und mir stolz gedacht: werdet erst einmal so alt wie ich, bekommt Kinder, verliert Menschen, sammelt Erfahrungen. Dann kommt es nicht mehr darauf an, schön zu sein. Und damit setzte ein Umdenken ein. Ich halte nichts von dem Begriff „Body Positivity“ – dieses sich selbst unbedingt schön finden müssen. Völlig unrealistisch. Das sorgt ja nur für neuen Druck, wenn du darin versagst, dass du dich nicht mal selbst schön genug findest."

Was die Weltbild Leserinnen und Leser wissen wollten: Was inspiriert Ildikó von Kürthy und wo und wie schreibt sie?

Nicht nur mich hat interessiert, was Ildikó von Kürthy inspiriert, auch unsere Zuschauerinnen und Zuschauer wollten wissen, wie ihre Figuren, Titel und Geschichten entstehen. Sie sagt dazu:

"Die Frage ist eher, was mich nicht inspiriert. Mancher Funke, mancher Hauch aus einem Gespräch kommt beim Schreiben wieder zurück und mischt sich dann ins nächste Buch.
Nur einmal habe ich tatsächlich etwas Eins zu Eins der Realität entliehen. Eine meiner engsten Freundinnen, Jutta, war an Krebs erkrankt und ich habe sie gebeten, ihre Krankheit für mein Buch verwerten zu dürfen. Im Wort „verwerten“ steckt ja auch das Wort „Wert“. Wir haben der Katastrophe einen Sinn abgerungen und meine Jutta hat wider jede Statistik überlebt."

Auch der Schreibprozess von Ildikó von Kürthy war ein grosses Thema: wo schreibt sie, was braucht sie zum Schreiben, wie ist sie dazu gekommen? Sie hat mir geantwortet:

"Vor der Pandemie habe ich in der juristischen Bibliothek in Hamburg geschrieben, weil die Tür meines Arbeitszimmers entweder immer von aussen aufgeht, weil einer meiner beiden Söhne, irgendwas will – oder ich die Tür von innen aufmache, weil es draussen zu leise ist und ich nachschaue, warum mich niemand stört.
Während Corona hatte ich ein kleines Büro ausserhalb meines Zuhauses angemietet – und dort die Ruhe genossen, ohne Beunruhigung, warum es so still ist."

Worum geht’s in "Morgen kann kommen"?

Die beiden Schwestern Gloria und Ruth könnten nicht verschiedener sein. Geprägt wurden sie jedoch beide von übermächtigen, erdrückenden Männern. Gloria, die Rebellin, für die die Liebe ein Machtkampf ist, was dazu führt, dass keine Liebe Bestand hat in ihrem Leben. Und Ruth, die Beugsame, die die gehorsame Tochter bleibt und eine toxische Beziehung zu einem Schauspieler hat, der sie immer nur klein hält.
Nach langer Funkstille, ausgelöst durch ein Verbrechen, dem wir im Laufe des Romans auf die Spur kommen, sehen sich die beiden Schwestern im Haus der Grosseltern wieder. Was dann passiert? Drama, Freundschaft, Wein, Tanz, Tränen und Befreiung. Und natürlich spielt der unnachahmlichen Erdal Küppers wieder eine tragende Nebenrolle, den die Fans von Ildikó von Kürthy seit Langem kennen und lieben.

Wohlfühlromane mit Tiefgang bei Weltbild entdecken

Am 7.7.2022 live im Video-Talk: Bestsellerautorin Susanne Abel. Foto: © Anja Schlamann

Demnächst live bei #weltbildliest: Bestsellerautorin Susanne Abel

Kennen Sie die Macht des Schweigens? Gibt es Themen, über die in ihrer Familie nicht gesprochen, Namen, die nur selten erwähnt werden? Und doch ist Familie für viele Menschen das Wichtigste auf der Welt. Aber was, wenn sie ihre Familie gar nicht wirklich kennen und bei Nachforschungen feststellen, dass da viel mehr und tiefere Geheimnisse liegen, als sie wissen wollten? Haben Sie mit Ihren Eltern und Grosseltern schon einmal über deren Erlebnisse während des Dritten Reichs gesprochen? Oder sogar selbst nachgeforscht? Macht Sie der Gedanke ängstlich oder eher neugierig?

Am 7.7.2022 spreche ich über diese Themen und mehr mit Bestsellerautorin Susanne Abel zu ihrem neuen Roman „Was ich nie gesagt habe. Gretchens Schicksalsfamilie“ um 17 Uhr, auf dem YouTube Kanal von Weltbild. Es gibt wieder signierte Bücher zu gewinnen für alle, die uns eine Frage stellen. Also klicken Sie live rein (oder stellen Sie Ihre Frage auf unserem Instagram-Account).

Franziska Kurz ist seit Juli 2020 Moderatorin bei #Weltbildliest. Seit 2015 bereichert sie mit ihrem Blog "franzi liest" die wunderbare Welt der Bücher und Buchfans. Als Literatur- und Kulturjournalistin ist sie regelmässig zu Gast bei Radio und TV und schreibt für zahlreiche Frauen- und Lifestyle-Magazine. Das "Münchner Kindl" bezeichnet sich selbst als buch- und wortverliebt, als Taschensammlerin und Spasüchtige. Mehr von ihr auf www.franzi-liest.de.

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