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Es wird Zeit

Bestsellerautorin Ildikó von Kürthy über das Leben ab 50, Frauen, die wie Heimat sind und den Mythos Erdal

„Mondscheintarif“ (1999) hiess ihr erfolgreicher Debütroman, der auch fürs Kino verfilmt wurde. Seither erschreibt sich die gebürtige Rheinländerin Ildikó von Kürthy, die mit Mann, zwei Söhnen und Hund Hilde in Hamburg lebt, regelmässig Plätze in den Bestsellerlisten. Für die Frauenzeitschrift Brigitte ist sie als Kolumnistin tätig. Foto: © Sonja Tobias

Zum Lachen und Weinen: Ildikó von Kürthys bester Roman

"Es wird Zeit" ist ihr lustigster Roman und zugleich ihr traurigster. Wie das geht? Mit 52 ist Bestsellerautorin Ildikó von Kürthy ganz bei sich selbst angekommen. Ihr aktueller Roman "Es wird Zeit", der jetzt als Taschenbuch zu haben ist, sprüht nur so vor Wortwitz – wie alle seine Vorgänger. Doch die Geschichte, die von Kürthy da mit ganz viel Charme erzählt, geht in die Tiefe und ganz nah ran an die grossen Themen des Lebens (und Sterbens).

Eine Freundin der Autorin war schwer an Pankreas-Krebs erkrankt. Von Kürthy begleitete sie sie auf ihrem Weg durch die Krankheit. Und liess diese Erfahrungen in ihren neuen Roman einfliessen. "Ich habe Freundinnen, die angesichts unerträglichen Unglücks ihr Lächeln nicht verloren haben. Dazu gehört ein hohes Mass an persönlicher Reife und die Entscheidung, die immer wieder erneuert werden muss, sich das Zutrauen ins Leben zu bewahren", erzählt sie im Interview (weiter unten). Lachen und weinen, Abschied nehmen und neu anfangen sind die universalen Themen von "Es wird Zeit".

Worum geht's? Heldin Judith kehrt nach 30 Jahren mit der Urne ihrer Mutter auf dem Beifahrersitz in ihre Heimat zurück. Dort trifft sie auf ihre schwerkranke Jugendfreundin Anne – und eine Lebenslüge, der sie sich jetzt stellen muss.
Ganz neu erschienen ist jetzt passend "Es wird Zeit - Das Tagebuch zum Klagen, Lachen, Klügerwerden" mit illustrierten Zitaten und Texten der Autorin und Platz fürs tägliche Gedankensammeln.

Tipp: Ildikó von Kürthy für die Ohren

In ihrem neuen Podcast Frauenstimmen trifft Ildikó von Kürthy prominente Frauen (wie Doris Dörrie, Maria Furtwängler oder Yasmina Filali) zum Gespräch über das Leben und ihren Weg darin.

Was der 50. Geburtstag mit ihr gemacht hat, wie sie den grossen Fragen der 2. Lebenshälfte begegnet und was es mit dem Mythos Erdal auf sich hat, erzählt Ildikó von Kürthy im Interview:

Ildikó von Kürthy: "Im besten Fall geht das äusserliche Verschrumpeln ja mit innerer Reife einher."

Bilanz ziehen und vergeben, Loslassen und Abschied nehmen, vielleicht aber auch ganz neue Pfade einschlagen sind alles Themen, die viele Frauen um die Fünfzig beschäftigen. War für Sie persönlich die „50“ nur eine weitere Jahreszahl in einem erfolgreichen Leben oder haben Sie – warum auch immer – damit gehadert, das „halbe Jahrhundert“ voll zu haben?

Ildikó von Kürthy: Ich wollte meinen 50sten gross und ausgelassen feiern. Und das habe ich auch getan. Danach aber machte sich tatsächlich relativ unerwartet eine Melancholie breit, die ich von meinen bisherigen runden Geburtstagen nicht kannte. Das Gefühl, dass nun deutlich mehr als die Hälfte meines Lebens hinter mir liegt verband sich mit den drängenden Fragen: Wo bin ich, wohin will ich? Bin ich noch auf dem richtigen Weg? Gibt es Entscheidungen, Einstellungen, Beziehungen, die nicht mehr zu mir und meinem Leben passen? Wie finde ich eine Haltung dem Älterwerden gegenüber? Im besten Fall geht das äusserliche Verschrumpeln ja mit innerer Reife einher.

In „Es wird Zeit“ ist Hauptfigur Judith gleich mit mehreren Themen der Lebensmitte konfrontiert. Besonders berührend: Ihre Freundschaft zur schwerkranken Anne. Sind echte Frauenfreundschaften die wahren Liebesgeschichten unseres Lebens?

Ildikó von Kürthy: Die wahre Liebe hat viele Gesichter. Und die Freundschaft unter Frauen ist eines ihrer schönsten. Insbesondere dann, wenn es in die Jahre kommt und von Lach- und Sorgenfalten gezeichnet ist. Meine Freundinnen sind wie Heimaten. Bei ihnen fühle ich mich verstanden, ich muss mich nicht verstellen, muss den Bauch nicht einziehen und die Tränen nicht zurückhalten. Je älter ich werde, desto überlebenswichtiger sind diese tiefen Verbindungen für mich, dieses Anteilnehmen, das stets einhergeht mit dem Wissen: Du bist nicht allein.

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Das neue „Es wird Zeit“-Tagebuch ist zum „Klagen, Lachen, Klügerwerden“. Ist das der Trick: den Kummer zulassen und dabei nicht das Lachen zu verlernen?

Ildikó von Kürthy: Es ist kein Trick, es ist eine Haltung. Und um die muss man Tag für Tag ringen. Ich habe Freundinnen, die angesichts unerträglichen Unglücks ihr Lächeln nicht verloren haben. Dazu gehört ein hohes Mass an persönlicher Reife und die Entscheidung, die immer wieder erneuert werden muss, sich das Zutrauen ins Leben zu bewahren.

Sie sagen: Es ist klüger, mit einem Wunder zu rechnen, statt mit dem Schlimmsten. Wie schafft man den Perspektivenwechsel, wenn man eigentlich ein Angsthase ist?

Ildikó von Kürthy: Das ist so schwer! Es gelingt mir auch wirklich nur selten. Aber ich arbeite daran, immer mal wieder auf Abstand zu gehen zu den Gefühlen, die mich peinigen, sie mir anzuschauen wie das Wetter, wie die Wolken am Himmel, die vorüberziehen. Leider fühlt sich meine Angst, in dem Moment wo ich sie habe, keineswegs so an, als würde sie jemals vorbei gehen. Und ich bin schliesslich Rheinländerin und keine Buddhistin – das halte ich mir zugute.

Für alle neugierigen Fans: Eine immer wiederkehrende Person in Ihren Romanen ist Erdal, der exzentrisch liebenswerte Chaot, der in Ihrem aktuellen Roman „Es wird Zeit“ sogar eine eigene TV-Sendung moderiert. Ist etwas dran an den Gerüchten, dass die Figur an einen bekannten Modemacher angelehnt ist?

Ildikó von Kürthy: Ich liebe Erdal! Er ist neurotisch, egozentrisch, exzentrisch, unangenehm ehrlich, herrlich böse, liebenswert und ein wunderbarer Freund. Tatsächlich war er, als ich Erdal vor vielen, vielen Jahren „erfunden“ habe, angelehnt an den Modedesigner Guido Maria Kretschmer – einen der lustigsten, selbstironischsten und wärmsten Menschen, die ich kenne. Mittlerweile geht Erdal natürlich seinen eigenen Weg, wird reifer, erwachsener, nachdenklicher. Das bleibt nicht aus, wenn man älter wird. Aber Erdal darf es sich erlauben – und daran wird sich auch nichts ändern – immer wieder aus der Rolle zu fallen, sich wie ein ungezogenes Kind zu benehmen und uns daran zu erinnern, wie wir waren, bevor wir anfingen, uns nach den Erwartungen anderer zu richten.