nachhaltig leben
vor einem Monat
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Erteilen Sie Müll eine Abfuhr

5,25 Billionen Kuststoffteile schwimmen im Meer - es ist höchste Zeit zu handeln: Müll vermeiden wo es geht und ansonsten trennen und wiederverwerten. Rechts: Wie man mit kleinen Schritten Grosses bewirken kann, zeigt Susanne Fröhlich in ihrem Ratgeber "Weltretten für Anfänger".

Problem Müll: Richtig trennen und - wo's geht - vermeiden

Fragen Sie sich auch manchmal: wo kommt bloss der ganze Verpackungsmüll her, der jede Woche in meiner Gelben Tonne landet? Auch Bestsellerautorin Susanne Fröhlich ("Weltretten für Anfänger") wunderte sich eines Tages: "Kommen nachts die Nachbarn vorbei, um ihren Müll bei mir abzuladen? Bin ich Schlafwandlerin und kaufe heimlich ein? [...] Woher kommt also der Müll, frage ich mich. Aber auch: Wohin geht er, und will ich das wirklich wissen?"

Eine Woche lang sammelte sie akribisch ihre Abfälle, von der Schokoladen-Verpackung bis zum Kaffee-Wegwerfbecher. Pro Kopf sind es hierzulande im Übrigen allein 220 Kilogramm Verpackungsmüll im Jahr, weltweit soll der Planet sogar mir 8,3 Milliarden Tonnen Kunststoff überzogen sein. Allein 5,25 Billionen Kuststoffteile schwimmen im Meer. Nach ihrer Bestandsaufnahme stand für Susanne Fröhlich fest: Plastik hat uns Jahrzehnte lang verführt, es hat das Leben vermeintlich vereinfacht und bequem gemacht. Dafür sind die Müll-Problem-Berge, mit denen wir heute konfrontiert sind, umso grösser.

Lesetipp: Bestsellerautorin Susanne Fröhlich im Interview: Warum Umdenken schwer fällt, man ein dickes Fell braucht und trotzdem auch im Kleinen viel erreichen kann

Der beste Abfall ist der, der überhaupt nicht entsteht

Zero-Waste heisst das Schlagwort der Stunde, das aber nichts anderes meint als: kein Müll, keine Verschwendung. Jeder von uns kann dazu beitragen, seinen eigenen Müllverbrauch zu reduzieren. Das ist nicht nur umweltfreundlich, sondern schont auch Ressourcen und spart Kosten.

4 Tipps, wie Sie Müll vermeiden können

1. Beim Essen

Kaufen Sie nur Lebensmittel, die Sie wirklich brauchen. Denn durchschnittlich werden 80 Kilo Lebensmittel pro Kopf weggeschmissen. Das muss nicht sein. Wenn Sie doch zu viel gekauft haben: werden Sie kreativ! Mit Resten lassen sich tolle Gerichte zaubern. Schmeissen Sie bitte auch keine Produkte weg, die „abgelaufen“ sind. Vieles hält sich weit über das Mindesthaltbarkeitsdatum hinaus. Sie können Lebensmittel, für die Sie keine Verwendung mehr finden, auch spenden, zum Beispiel an die "Tafel". So leisten Sie nicht nur einen Beitrag zur Ressourcenschonung, sondern helfen auch Bedürftigen.

2. Stofftaschen statt Plastiktüten

Einfach und effektiv: Eine Stofftasche kostet höchstens 2 Euro und hält definitiv länger als jede Plastiktüte. Verstauen Sie einfach eine in der Handtasche oder im Rucksack, damit sie immer einsatzbereit ist. Aber bitte beachten Sie: Auch ein Stoffbeutel muss dauerhaft genutzt werden (laut verschiedenen Studien zwischen 20- und 100-mal, damit er in der Ökobilanz die Plastiktüte übertrumpft).

Es geht auch ohne Plastiktüte und Verpackung. Einkäufe lassen sich in einer mitgebrachten Stofftasche verstauen und Lebensmittel wie Reis oder Nudeln gibt es inzwischen auch in speziellen Unverpackt-Läden zu kaufen. Rechts: Ein eigener Coffee-to-go-Becher ersetzt die Wegwerf-Variante.

3. Praktischer Umweltschutz: Upcycling

Ist nicht nur super für die Umwelt, sondern liegt auch total im Trend. Scheinbar nutzlose und schrottreife Dinge - wie getragene Kleidung oder ausrangierte Möbel - werden hier mit etwas Aufwand und Kreativität wunderbar wiederverwendet. Wie praktisch! Lassen Sie sich doch von den zahlreichen Wohnideen im Internet inspirieren. DIY-Bloggerin Mrs Greenhouse beispielsweise zeigt auf ihrem Blog wie man aus Milchtüten Blumentöpfe bastelt.

4. Sharing is caring

Kollektiver Konsum, auch „Collaborative Consumption“ genannt, bedeutet, dass man lieber teilt, als alles zu besitzen. Zum Beispiel gibt es Car-Sharing-Alternativen in Form des Nachbarschaftsautos. Auch andere Haushaltsgüter wie ein Rasenmäher können geteilt werden. Das schont nicht nur die Umwelt, sondern auch den Geldbeutel.

Abfall ist nicht gleich Müll: Darum ist Mülltrennung wichtig

Der Müll, den wir nicht vermeiden können, sollten wir in jedem Fall trennen und dem Recycling-Kreislauf zuführen. Denn beim Recyclingprozess entstehen wertvolle Rohstoffe aus Abfällen, die wiederum in den Wirtschaftskreislauf zurückgeführt werden. Die Ressourcen an Rohstoffen sind knapp, deshalb ist es umso wichtiger, verantwortungsvoll mit ihnen umzugehen.

Schon gewusst? Diese Müll-Mythen gehören in die Tonne

Um Mülltrennung und Recycling ranken sich zahlreiche Mythen und es ist sehr viel Halbwissen im Spiel. Welche Aussagen in die Tonne gehören, erfahren Sie hier:

Mülltrennung? Es wird doch sowieso alles verbrannt.

Da macht man sich die Mühe, seinen Müll korrekt zu trennen und dann landet doch alles in der Müllverbrennungsanlage. Das ist falsch! Durch die Mülltrennung werden wertvolle Ressourcen aus unserem Haushalt wiedergewonnen. Beispielsweise werden 80 Prozent des Glas- und Papiermülls recycelt.

Altglas nach Farben zu trennen bringt nichts, da sowieso alles miteinander vermischt wird.

Dieser Irrtum hält sich hartnäckig, ist jedoch falsch. Die verschiedenen Container werden in verschiedenen Abteilungen im Laderaum des LKWs entleert. Der Grossteil von Altglas wird tatsächlich aufbereitet und mehrfach wiederverwertet. Hier liegt die Recyclingquote heute bei fast 90 Prozent.

In die Gelbe Tonne darf nur das, was einen Grünen Punkt hat.

Stimmt nicht! Jegliche Form von Verpackung gehört in die Gelbe Tonne, egal ob sie einen Grünen Punkt aufweisen oder nicht. Hinweis: Entleerte Feuerzeuge und Kugelschreiberminen gehören in den Restmüll. CDs und DVDs sind hier tabu und sollten zur Annahmestelle Ihres örtlichen Wertstoffhofs oder zu Elektrofachmärkten gebracht werden. Eine tolle Alternative sind Flohmärkte.

Papier gehört immer in die Papiertonne.

Klingt logisch, dem ist leider nicht so. Papier gehört grundsätzlich in die Papiertonne mit Ausnahme von Kassenzetteln. Sie sehen wie Papier aus, jedoch handelt es sich hierbei um Thermopapier. Das heisst, dass sie mit dem gesundheitsschädlichem Stoff Bisphenol A (BPA) beschichtet sind. Daher gehören Kassenzettel nicht in die Blaue Tonne, sondern in den Restmüll. Auch beschichtetes Papier wie Post-its, Tapetenreste und gebrauchte Taschentücher haben in der Papiertonne nichts verloren.

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So ein Mist! Die häufigsten Fehler und Irrtümer bei der Mülltrennung

Mülltrennung will gelernt sein. Da ist es nur verständlich, dass hin und wieder Fehler passieren. Welche Fehlerquellen Sie ganz einfach vermeiden können:

Joghurtbecher müssen nicht ausgespült werden.

Es reicht aus, wenn diese löffelrein sind. Ansonsten wird unnötig Energie und Wasser verschwendet. Diese auch nicht ineinander stapeln, da sie sich einzeln besser recyceln lassen.

Backpapier gehört nicht ins Altpapier.

Da Backpapier beschichtet ist, gehört es in den Restmüll. Das gilt für alle mit Kunststoff beschichteten Papiere wie zum Beispiel Kopierpapier, Geschenkpapier, Fotopapier als auch das Silberpapier aus Zigarettenpackungen und Tiefkühlverpackungen, bei denen das Gefriergut nicht zusätzlich verpackt ist.

Keine Papiertaschentücher ins Altpapier.

Aus medizinischen Gründen sollten benutzte Papiertaschentücher, Servietten und Küchenpapier in den Restmüll entsorgt werden.

Alte CDs und DVDs sollten nicht zum Restmüll gegeben werden.

Da sie wertvolle Rohstoffe darstellen empfehlen wir, alte CDs und DVDs zu verschenken oder zum Beispiel auf dem Flohmarkt oder online zu verkaufen.

Alufolie gehört in die Gelbe Tonne.

Dasselbe gilt auch für Konservendosen, Kronkorken und Schraubverschlüsse. Alle Verpackungen aus Kunststoff, Metall und Verbundstoffen müssen in der Gelben Tonne gesammelt werden.

Einmaleins des Mülltrennens

Am besten ist es, wenn Müll gar nicht erst entsteht. Doch wenn er da ist, dann muss er fach- und umweltgerecht entsorgt werden. Grundsätzlich gibt es 5 Kategorien von Müll:

1. Verpackungsmüll (Gelbe Tonne oder Gelber Sack)

  • Aus Kunststoff: Becher, z.B. Joghurt- und Margarinebecher
  • Kunststoffflaschen, z.B. Pflege-, Spül-, Waschmittelflaschen und Saftflaschen
  • Gebrauchsgegenstände, z.B. Giesskannen, Plastikschüsseln und Spielzeug
  • Folien, z. B. Einwickel-folie, Plastiktüten
  • Schaumstoffe, z.B. Styroporschalen für Lebensmittel
  • Aus Metall: Getränke- undKonservendosen, Flaschenverschlüsse, Töpfe, Werkzeuge, Besteck, Schraube, Alufolie, -deckel, -schalen
  • Aus Verbundstoff: Getränkekartons, Kaffeevakuumverpackungen

Gut zu wissen: Bitte keine Elektrogeräte, Energiesparlampen, Batterien, Textilien, Datenträger, Holz, Zahnbürsten und Einwegrasierer!

2. Glas

  • Flaschen, z. B. Getränkeflaschen, Essig- und Ölflaschen
  • Gläser, z.B. Marmeladen- und Konservengläser sowie Gläser für Babynahrung

Gut zu wissen: Bitte nach Weiss- und Buntglas trennen! Blaue oder andersfarbige Flaschen gehören in den grünen Container, da grünes Glas mit anderen Farben verträglich ist. Kornkoren, Aluminiumdeckel etc. gehören in die Gelbe Tonne.

3. Papier und Pappe

  • Zeitungen
  • Zeitschriften
  • Verpackungen aus Papier, z. B. Mehl- und Zuckertüten
  • Prospekte
  • Kartons, z. B. Waschmittelkartons
  • Kataloge
  • Schreibpapier
  • Bücher, Hefte

Gut zu wissen: Kartons bitte flach zusammenfalten oder zerreissen. Backpapier sowie verschmutzte Pizzakartons gehören in den Restmüll.

4. Biomüll und Kompost

  • Schalen und Reste von Obst und Gemüse, auch von Zitrusfrüchten
  • Kaffeesatz samt Filter
  • Tee und Teebeutel
  • Eierschalen
  • Essensreste, auch Gekochtes
  • alte Lebensmittel (ohne Verpackung)
  • Blumen
  • Gartenabfälle, auch Rasenschnitt
  • Grün- und Strauchschnitt
  • Laub
  • Einwickelpapier, z. B. altes Zeitungs- oder Küchenpapier

Gut zu wissen: Wickeln Sie Müll in Zeitungs- und Küchenpapier ein, bitte verwenden Sie keine Plastiktüte aufgrund der Maden- und Geruchsbildung. Achten Sie bitte insbesondere bei der Befüllung mit Gartenabfällen darauf, dass die Tonne nicht zu schwer wird.

5. Restmüll

  • Hinein gehören grundsätzlich Abfälle, die nicht verwertbar sind
  • Hygieneartikel und -papiere
  • Geschirr
  • Staubsaugerbeutel
  • Papier, verschmutzt oder beschichtet
  • Tierstreu
  • Windeln
  • Tapetenreste
  • Folien, verschmutzt
  • Farben, eingetrocknet
  • Kehricht, Fegereste
  • Asche und Aschenbecherinhalt
  • Spiegel- und Fensterglasscherben
  • Foto

Abfälle, die aufgrund ihrer Beschaffenheit eine besondere Gefahr für Mensch und Umwelt darstellen, gehören in den Sondermüll.

Die Informationen stammen von den Berliner Stadtreinigung. Regionale Aussnahmen sind möglich. Bitte erkundigen Sie sich bei Ihrer Abfallberatung vor Ort.

Lesetipps im Weltbild Magazin

1 Kommentar
  • Lisa M-C, 25.02.2020

    Danke für die vielen Tipps! Gerade dass Kassenbons nicht in die Papiertonne gehören, war mir nicht bewusst. Werde ich in Zukunft aber berücksichtigen.