vor einer Woche

Craft Beer - Mehr als Hopfen und Malz

"Handgemachtes" Bier liegt im Trend.

Craft Beer - Keine Sorte, eine Bewegung

„Elvis Juice“, „Hazy Jane“, „Wicked Weed Black Ange“ oder „Cascade“ - Sie denken bei diesen skurrilen Worten an Promi-Kindernamen? Falsch! Es sind Geschmacksrichtungen von Craft Beer – dem neuesten Trend in der Bierszene. Die Szene versteht sich als Alternative zu den grossen Brauereien. Die Macher sind (meist) jung, unabhängig und unkonventionell.

Übersetzt heisst es zunächst einmal „handgemachtes Bier“. Aber was heisst das? Beim Craft Beer handelt es sich um Bier mit besonderen Aromen, vom Kreativbier mit Kirschblütenaroma bis zum in der Champagne hergestellten Champagnerbier. Aber nicht nur das. Craft Beer ist authentisch, individuell und bietet eine Vielfalt an Geschmäckern. Die Brauer verstehen sich als Kreative – Leidenschaft und Experimentierfreude stehen im Vordergrund. Statt Geschmäcker für die Masse zu produzieren, hantieren sie mit verschiedenen Geschmackskombinationen und Aromen. Craft Beer wird in geringen Mengen produziert und seine Zutaten besitzen eine hohe Qualität. Die Geschmacksrichtungen sind individuell und exklusiv. Craft Beer ist keine Biersorte oder Biergattung, sondern eine Bewegung. Die Bierbrauer erleben ihre Experimentierfreude in vollen Zügen und die Bierfreunde kommen auf ihren Geschmack.

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Craft Beer: Individualität statt Masse

Am Feierabend oder an den Wochenenden muss das „kühle Blonde“ her. Bier ist Tradition. Und Trend! Eine zahlungskräftige Gruppe vorrangig männlicher und meist jüngerer Leute sorgt seit Jahren für bunte Bierregale in Supermärkten und Lokalen. Auf Bierfestivals oder in der Online-Community testen und diskutieren sie die neuesten Trends. Wussten Sie schon, dass es sogar ein Oktoberfest für Craft Beer gibt? Der Hashtag #craftbeer zeigt fast 24 Millionen Treffer allein auf Instagram. Verfechter der deutschen Biertradtion beklagen, dass das ein oder andere Bier wohl ein “besonderes Bier” sei, aber nicht mehr dem deutschen Reinheitsgebot entspricht. Das mag sein - doch der Erfolg gibt den Anhängern Recht. Allein in Süddeutschland ist es nach wie vor verboten, ein Bier zu brauen, das mehr enthält als Wasser, Gerste, Hopfen und Malz.

Der Trend kommt - wie so oft - aus den USA. Die „Craft Beer“-Revolution begann in den 1980er Jahren in den Vereinigten Staaten als Gegenbewegung zu den grossen Monopolbrauereien. Die Kleinbrauereien (sog. Mikrobrauereien) förderten regionale und individuelle Bierspezialitäten. Allerdings verweisen Kenner gerne darauf, dass die Situation in den USA und Europa grundsätzlich verschieden ist: Was für die USA neu war, kennt man in Europa schon lange: in einem Land wie Tschechien ist der Trend zu Mikrobrauereien fast so alt wie das Bier selbst und auch in Belgien können Bierliebhaber aus Tausenden von Biersorten wählen, die oft von winzigen Brauereien hergestellt werden. Als Vorreiter in Europa gilt die in Kopenhagen ansässige Mikkeller-Brauerei. Auch in Deutschland besitzen kleine und mittelständische Bierbrauereien wichtige Marktanteile. Insofern ist Grösse und Regionalität noch nicht das ausschlaggebende Kriterium. Was genau das Craft Beer ausmacht, wird unterschiedlich gesehen.

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Herausforderung für die Geschmacksnerven

Klar ist: Wer Craft Beer trinkt, will's wissen! Die Experimentierfreude ist nicht nur den Bierbrauern in die Wiege gelegt, auch die Craft Beer-Trinker testen regelmässig ihre Geschmacksnerven. Mit ungewöhnlichen Aromen wie Grapefruit, Schokolade, Walnuss und sogar Schinken. Und mit den Sorten: IPA, Gose, Witbier. Wer Craft Beer trinkt, trinkt gerne viele verschiedene Sorten und bleibt auf dem neuesten Stand.

Sie sind Bierliebhaber und probieren gerne etwas Neues? Oder Sie wollen etwas Besonderes verschenken? Ein Pro-BIER-Abo von Weltbild kann da eine gute Geschenkidee sein, dahinter steht unter anderem die unabhängige Augsburger Brauerei Riegele und ihr junger Chef Sebastian Priller, Vizeweltmeister der Biersommelières. Geliefert wird eine grosse ProBier-Box mit 9 Flaschen regionaler Bierspezialitäten kleiner handwerklicher Brauereien, die nur schwer oder gar nicht im Handel zu finden sind. Immer dabei: Das Bier des Monats, preisgekrönt von Biersommelièrs. Zusätzlich enthalten ist in dem ProBier-Paket der Brauerei Riegele das Bier des Jahrzehnts – das Commerzienrat Riegele, Sieger unter 7000 verkosteten Bieren.

Reinheitsgebot und Kreativität beim Brauen – geht das zusammen?

Vor der Einführung des Reinheitsgebots, auf das die Deutschen so stolz sind, war Biertrinken nicht immer lecker, sondern bisweilen sogar gefährlich: Das Reinheitsgebot von 1516, auch bekannt als das erste Verbraucherschutzgesetz in Deutschland, verhindert, dass einem Bier auch heute noch Kreide oder Ochsengalle beigemischt wird. Dort heisst es in alter Sprache: "Ganz besonders wollen wir, dass forthin allenthalben in unseren Städten, Märkten und auf dem Lande zu keinem Bier mehr Stücke als allein Gersten, Hopfen und Wasser verwendet und gebraucht werden sollen." (Quelle private-brauereien.de) Zum Glück, möchte man meinen! Da Craft Beer-Sorten oft als besonderes Bier angemeldet wird, fordern die Verfechter eine Aktualisierung des Rezeptes: Es sollten ausschliesslich natürliche Zutaten verwendet werden - das Reinheitsgebot als Natürlichkeitsgebot.

Die Biersommelière (ja, das gibt es!) Nina Klotz hat ein kurzweiliges Buch über 99 Biersorten geschrieben und auf der Webseite "Hopfenhelden" Geschichten rund um das Thema Craft Beer versammelt. Craft Beer wird dort definiert als "... Bier, das von Menschen und nicht Maschinen, von Hand und Herzen und nicht einfach nur, um Gewinn zu machen, gebraut wird."

Eine kleine Bierkunde:

Wer Craft Beer trinkt, kennt sich in der Regel auch gut aus mit dem Braugeschäft. Wenn Sie mithalten wollen im Gespräch, streuen Sie doch mal folgende Sätze ein:

“Das Bier ist, glaube ich, zu früh abgeschlaucht worden.” (abschlauchen = wenn der Gärungsprozess beendet ist, das Bier abfüllen)

Einmaischen, abmaischen - da trennt sich sprichwörtlich die Brauer-Spreu vom Brauer-Weizen.” (Maischen ist der Gärungsvorgang und elementar wichtig für ein gutes Bier - sonst gibt es sog. “Blausud”, ungeniessbar!)

Und ganz neu: “Was sagt dein Braurechner?” Heutzutage steuern viele hippe Brauer den Brauprozess per App. Und natürlich gibt es längst auch Bierbrau-Sets für den Heimbrauer. Das ist dann Craft Beer der ganz eigenen Sorte.

Nicht ohne Grund gelten die Deutschen als Biertrinker-Nation:

Über 100 Liter pro Kopf trinkt jeder Deutsche, das ist weniger als vor ein paar Jahren. Zum Vergleich: in Frankreich sind es gerade mal 33 Liter, in der Schweiz wurden 2017 wurden pro Kopf durchschnittlich 54,3 Liter Bier konsumiert, in Österreich rund 103 Liter. Aber, das ist die gute Botschaft für innovative Bierbrauer: Wir trinken mehr Craft Beer als früher. Deshalb steigt auch die Zahl der Brauereien in Deutschland. Laut dem Deutschen Brauer-Bund gibt es heute 1.492 Braustätten – Tendenz steigend. Vor allem wächst die Zahl von Kleinstbrauereien: Zwischen 2005 und 2015 stieg der Anteil der Mikrobrauereien in Deutschland um satte 41%. Zwar ist Craft Beer - anders als in den USA - ein Nischenmarkt, aber dennoch hat die Craft Beer-Bewegung sprichwörtlich genug Manpower, frischen Wind in eine etwas verstaubte Branche zu bringen.