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Ölziehen: Entgiftung beginnt im Mund

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Nicht schlucken, sondern den Mund damit ausspülen: erstaunlich, was ein Löffel Kokosöl bewirken kann.

Gesunder Mund, gesunder Mensch

Ein strahlendes Lächeln mit gesunden Zähnen wünschen wir uns alle. Für den sicheren Halt unser Zähne sorgt das Zahnfleisch. Nur wenige wissen, wie wichtig gesundes Zahnfleisch auch für die allgemeine Gesundheit ist. Bei einer Zahnfleischentzündung (Gingivitis) wandern die entzündungsauslösenden Bakterien nämlich aus der Mundhöhle in die Gefässe und können sich über die Blutbahn im gesamten Körper verteilen. Dort sorgen sie erneut für Entzündungsherde, die wichtige Organe wie das Herz und das gesamte Herz-Kreislaufsystem nachhaltig schädigen können.

Ursachen für eine Zahnfleischentzündung

Eine Zahnfleischentzündung ist oft die Folge mangelnder Mundhygiene. Werden die Zähne nicht regelmässig von Nahrungsresten befreit, ist das ein gefundenes Fressen für Bakterien. Sie können sich stark vermehren und produzieren beim Resteverzehr aggressive Säuren und Giftstoffe. Diese greifen das Zahnfleisch direkt an, worauf unser Immunsystem mit einer Entzündung reagiert. Zudem bilden die Bakterien eine unheilige Allianz aus Nahrungsresten, bakteriellen Stoffwechselprodukten und unserem Speichel. Dieser als „Plaque“ bekannte Biofilm ist nicht nur ein exzellenter Nährboden für die Bakterien, sondern schützt sie leider auch vor den Verteidigungskräften unseres Immunsystems. Das Resultat ist häufig ein „perfekter Sturm“ im Mundraum.

Anzeichen für eine Zahnfleischentzündung sind lokale Schwellungen, Rötungen, Blutungen und Mundgeruch. Zudem fühlt sich das entzündete Zahnfleisch weich und locker an. Gesundes Zahnfleisch ist dagegen blassrosa und liegt fest an den Zahnhälsen an. Eine akute Zahnfleischentzündung entsteht zuerst am Zahnfleischrand und tritt meist unvermittelt, aber weitgehend schmerzfrei auf.

Kokosöl am besten immer in Bio-Qualität verwenden.

Tägliche Mundhygiene

Das Entfernen von Speise- und Getränkeresten durch gründliches Zähneputzen und Zahnseide bzw. Interdentalbürsten ist nachweislich die wirkungsvollste Methode gegen das Entstehen von Karies (zu Deutsch: Zahnfäule), Zahnfleischentzündung und Parodontitis.

Zusätzlich ist der tägliche Einsatz von Mundspüllösungen oder Mundwasser hilfreich. Diese sind aber nicht mit atemerfrischenden Wässern zu verwechseln, die im Wesentlichen nur unangenehme Gerüche maskieren sollen.

Aryuveda für den Mund: Ölziehen

Ein alternativer Weg zur Förderung der Mundhygiene ist das Ölziehen. Mit dieser jahrhundertealten Methode aus der ayurvedischen Medizin wird der Mundraum täglich mit einem pflanzlichem Öl gespült. In der Naturheilkunde setzt man darauf, dass diese Form der Mundpflege nicht nur heilsam für den Mund sein, sondern den ganzen Organismus reinigen und schützen und auch vorbeugend wirken soll. Dabei kommen insbesondere Sesam-, Kokos-, Oliven- und Sonnenblumenöle zum Einsatz, es sollte darauf geachtet werden, dass Öle in Bio-Qualität verwendet werden.

So geht es: Jeden Morgen wird ein Esslöffel davon für etwa 15 Minuten im Mund bewegt und zwischen den Zähnen hindurchgezogen. Daher stammt auch der Begriff Ölziehen.

Der indischen Heilkunde zufolge soll das Öl gefährliche Bakterien und Schadstoffe anziehen und binden. Es findet also eine Art Saug- und Sammeleffekt statt, dessen wissenschaftlicher Nachweis allerdings noch aussteht. Neben der reinen Bakterienbekämpfung soll das Ölziehen auch den Speichelfluss anregen und dadurch Mundtrockenheit lindern.

Wem der Gedanke an Öl morgens im Mund unangenehm erscheint: Einfach mal ausprobieren, der Mundraum fühlt sich nach dem Ölziehen tatsächlich frischer an. Nach der morgendlichen Ölzieh-Kur wird das milchig-weiss gewordene Öl einfach ausgespukt. Vorzugweise in ein Taschentuch, damit der Abfluss nicht durch das dickflüssige Öl verstopft wird. Im Anschluss werden die Zähne ganz normal mit Zahnpasta geputzt.

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Antibakterielle Mundspülung

Eine Mundspüllösung hat den grundsätzlichen Anwendungsvorteil, dass sie Stellen im Mund und speziell zwischen den Zähnen erreicht, die beim Zähneputzen gerne übersehen werden. Es ist aber wichtig, dass die Mundspüllösung antibakterielle Inhaltstoffe wie Chlorhexidin oder ätherische Öle (z.B. Thymol, Eukalyptus, Menthol) enthält. Zudem sollten auch Fluoride zur Härtung des Zahnschmelzes dabei sein. Ein solider Zahnschmelz bietet zusätzlichen Schutz vor Karies. Achtung: Mundspülungen wie auch das Ölziehen sind kein Ersatz fürs tägliche Zähneputzen und Flossen.

Zahnfleischentzündung, eine echte Volkskrankheit

Zahnärzte schätzen, dass in Deutschland etwa 80% der Erwachsenen an einer Zahnfleischentzündung leiden. Die meisten der Betroffenen wissen gar nichts davon. Entweder wird nicht so genau hingeguckt, oder das Entdeckte wird als Kleinigkeit abgetan. Doch Vorsicht: Unternimmt man nichts dagegen, greift die Entzündung schnell auf den Zahnhaltapparat (Parodontium) über, und es entsteht eine Parodontitis. Eine Parodontitis greift den Kieferknochen an und kann unbehandelt zu Zahnverlust führen. Zu allem Überfluss ist sie auch noch ansteckend und kann über den Speichel (Stichwort Küssen) oder die gemeinsam benutzte Zahnbürste übertragen werden. Daher empfiehlt sich, vor allem wenn es schon Probleme gab, neben der täglichen Zahn- und Mundpflege, alle sechs Monate oder auf jeden Fall einmal jährlich eine professionelle Zahnreinigung mit anschliessender Kontrolle vornehmen zu lassen.

Gesunde Zähne benötigen gesundes Zahnfleisch. Wer beides erhalten will, sollte täglich so viel Zeit für die Zahn- und Mundhygiene aufwenden wie für die übrige Körperpflege.