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Woody Allen

Der kleine Mann mit der grossen Hornbrille und dem noch grösseren Witz, dessen Dauerthemen Sex, Tod und der Sinn des Lebens in präzise pointierten Dialogen abgeschossen werden, steht in der Tradition der jüdischen Chuzpe, des Humors am Abgrund, der Überleben garantiert. Aus der harten Schule der Stand-up-Comedians bahnte sich Allen innerhalb weniger Jahre den Weg in ein weitgehend von ihm selbst als Regisseur, Drehbuchautor und Darsteller kontrolliertes Filmemachen als Autor, dessen Kontinuität (ein Film pro Jahr) nahezu einmalig in der Filmgeschichte ist.

Der Darsteller Allen (als Allan Stewart Königsberg 1935 in Brooklyn geboren) spielte geborene Verlierer, die dennoch ihren Teil vom Kuchen bekommen, die sich durch intellektuelle Schärfe und den Biss des sarkastischen Kommentierens auszeichnen, sexsüchtig sind und in ihrer grandiosen Nervosität garantiert das Gewonnene "vergeigen". Allens bevorzugte Rollen sind New Yorker Medienschaffende des gehobenen Bürgertums, deren in dahingeworfenen Sätzen offenbarte Bildung im Kontrast steht zu der Gefühlskälte, die sie zu längerfristigen Bindungen unfähig macht.

In Allens frühen Filmen, die die Katastrophenkomik der 80er- und 90er-Jahre vorwegnehmen, wirbelt es von originellen Einfällen, die ihren Höhepunkt in der Kriegs-, Russland- und Napoleon- Satire "Die letzte Nacht des Boris Gruschenko" finden, in der Allen, dessen erklärte Vorbilder Fellini und Bergman sind, mit dem Tod tanzt. Allens Werk, von "Manhattan" über "Zelig" und "Hannah und ihre Schwestern" bis zu "Geliebte Aphrodite" und "Harry ausser sich", gehört zu den formal perfektesten und reichhaltigsten des amerikanischen Kinos.

Nach dem eher schwächeren "Celebrity" fand Allen 1999 mit der wunderbaren Pseudobiografie "Sweet & Lowdown" zu alter Stärke zurück. Es folgten die Gaunerkomödie "Schmalspurganoven" und die Mystery-Komödie "Im Bann des Jade Skorpions", die Allen - unterstützt von Helen Hunt - einmal mehr in die von ihm geschätzte Jazz-Ära zurückführte. Während Allens 2002er-Produktion "Hollywood Ending", eine Satire auf das Filmgeschäft, in der Allen einen zeitweilig blinden Regisseur spielt, bislang noch nicht den Weg in die deutschen Kinos gefunden hat, präsentierte er 2003 in Venedig seinen neuesten Streich "Anything Else", der ebenso wie der ein Jahr später folgende "Melinda und Melinda" wieder im deutschen Kinos zu sehen ist. "Match Point" mit Scarlett Johansson wurde 2005 in Cannes ausserhalb des Wettbewerbs präsentiert und 2006 für einen Oscar und den Golden Globe nominiert.

Mit "Scoop - Der Knüller" realisierte Allen 2006 eine charmante Mixtur aus Comedy und Thriller. Zusammen mit Scarlett Johansson bildete er ein herrlich verschrobenes Duo, das sich in London auf Verbrecherjagd begibt. Wesentlich dramatischer gestaltete sich ein Jahr später "Cassandras Traum": Zwei Brüder begehen einen Auftragsmord und geraten in einen Strudel von Depressionen und Panikattacken, was für beide tödlich endet. 2008 engagierte Woody Allen für seine Filmkomödie "Vicky Cristina Barcelona" erneut Scarlett Johansson, die sich in eine Affäre mit einem Maler (Javier Bardem) und dessen Ex-Frau (Penélope Cruz) hinein ziehen lässt.

Nach zwei Ehen und einer jahrelangen Beziehung zu Mia Farrow fanden sich Woody Allen und Farrow schliesslich vor Gericht wieder. In der Auseinandersetzung ging es um das Sorgerecht für die beiden Adoptivkinder Dylan und Moses Farrow und das gemeinsame leibliche Kind, Satchel Farrow. Auslöser für den Streit war auch, dass Mia Farrow ein Verhältnis zwischen Allen und ihrer Tochter Soon-Yi Previn (die sie zusammen André Previn adoptiert hatte) entdeckt hat. Woody Allen verlor das Sorgerecht, ihm wurde auch der Kontakt zu den Kindern untersagt. 1997 heiratete Woddy Allen die um 35 Jahre jüngere Soon-Yi und adoptierte mit ihr zwei Kinder.

Der passionierte Jazzkenner Allen spielt selbst regelmässig Klarinette in einer Band (dokumentiert in Barbara Kopples "Wild Man Blues").

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