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Wolfgang Staudte

Zeitlebens war er ein Unbequemer, der sowohl in der DDR als auch in der Bundesrepublik mit kritischen Filmen aneckte, Zensurmassnahmen hinnehmen musste und sich im Alter auf routinierte Fernseharbeiten konzentrierte. Wolfgang Staudte (1906 - 1984) arbeitete als Volontär bei Mercedes Benz und bei den Hansa-Lloyd-Werken, bevor er erst Theater-, dann vielbeschäftigter Filmschauspieler wurde. Nach der Machtübernahme durch die Nazis erhielt er zwei Jahre Auftrittsverbot, weil er dem Ensemble der Volksbühne Berlin angehörte. Die Zeit des Dritten Reiches erlebte er in einer Art "Wegducken" mit Rundfunkarbeit und etwa hundert von ihm geschriebenen und inszenierten Werbefilmen (keine Propagandafilme). Während des Krieges inszenierte er 1943 seine ersten Spielfilm mit "Akrobat schööön" (1943), der positiv aufgenommen wurde. Doch schon "Der Mann, dem man den Namen stahl" wurde von der Zensur verboten. Staudte entging einer Einberufung an die Ostfront durch die Intervention von Heinrich George. Mit dem Impetus, die Last der politischen Passivität während der Nazi-Zeit abzustreifen, inszenierte Staudte 1946 mit dem Geld der russischen Militäradministration für die DEFA den ersten deutschen Nachkriegsfilm: "Die Mörder sind unter uns" ist ein expressionistisches Schattenspiel um einen Kriegsheimkehrer, der von seiner Freundin (Hildegard Knef in ihrer ersten Rolle) abgehalten wird, Selbstjustiz an einem Kriegsverbrecher, der jetzt als aufstrebender Industrieller lebt, zu üben. "Rotation" und die Heinrich-Mann-Verfilmung "Der Untertan" (1951), eine Satire auf deutsche Mentalität, festigten seinen Ruf als politischer Filmemacher, doch wurde der Film jahrelang nicht in der BRD gezeigt und dann nur in einer gekürzten Fassung. In der DDR erhielt er den "Nationalpreis 2. Klasse", was zu Polemik gegen Staudte im Westen führte. Seine Überzeugung, sich nicht vereinnahmen zu lassen, führte zu heftigen Auseinandersetzungen mit Bertolt Brecht, der die Dreharbeiten zu "Mutter Courage" platzen liess. Staudte wurde von der DEFA fallengelassen. Die Schauspielerin Maria Schell verhalf ihm im Westen bei der Bavaria zur Regie von "Rose Bernd" (nach Gerhart Hauptmann). Nach einigen Misserfolgen an der Kasse konnte er mit der Satire "Rosen für den Staatsanwalt" (1959), die erzählt, wie die Nazi-Juristen ihre Karriere ungehindert fortsetzen konnten, sein Comeback als politischer Filmemacher feiern. Eine eigene Firma, mit Helmut Käutner gegründet, brachte nur zwei Filme ("Kirmes" und "Herrenpartie", dem ein steuerbegünstigendes Prädikat verweigert wurde) in die Kinos. 1966 folgte Staudte einem Ruf an die neugegründete Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin. Unzufrieden mit Auftragsarbeiten, finanzierte er mit eigenem Geld in Bulgarien den Film "Heimlichkeiten" (1968), dessen katastrophaler Misserfolg Staudte bis zu seinem Tod zum Abzahlen von Schulden zwang. In diesen Jahren arbeitete er für das Fernsehen und wurde einer der produktivsten TV-Regisseure (u.a.17 Fernsehspiele, 13 "Kommissar"-Folgen, sieben "Tatort"-Folgen, 13 Folgen der Vorabendserie "Die Kriminalerzählung", mehrere grosse Fernsehserien wie "MS Franziska", "Die Pawlaks" sowie mit "Der Seewolf" und "Lockruf des Goldes" zwei Vierteiler, die Fernsehgeschichte schrieben). Er starb bei den Dreharbeiten zu dem Vierteiler "Der eiserne Weg" auf dem Set in Slowenien.

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