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Rosa Praunheim

Deutscher Regisseur und Drehbuchautor. Rosa von Praunheim nimmt mit seinen seit 1967 über 50 unabhängig produzierten Spiel- und Dokumentarfilmen eine Sonderstellung im deutschen Film ein. Der Mitbegründer der schwullesbischen Bewegung in Deutschland und Schwulenaktivist thematisiert in seltener Einheit von Leben, Schaffen und Filmform fast ausschliesslich Homosexualität und ihre Geschichte in Deutschland ("Der Einstein des Sex", "Männer, Helden, schwule Nazis") wie in den USA ("Army of Lovers") und kämpft mit filmischen Mitteln für die homosexuelle Sache ("Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt"). Rosa von Praunheims öffentliches wie privates Leben gehen Hand in Hand, er filmt bewusst regellos amateurhaft dilettantisch, überschreitet gezielt Grenzen bürgerlichen Geschmacks und setzt auf das Pathos des Kitsches ("Die Bettwurst"). Was in den Anfängen Revolte gegen herrschende Zwänge und in den 90er-Jahren Verzweiflung angesichts der Ausbreitung von Aids war ("Ein Virus kennt keine Moral", "Positiv"), ist im Lauf der Liberalisierung der Gesellschaft postmoderner Reflexion gewichen ("Neurosia - 50 Jahre pervers"). Neben schwulen Themen widmet sich Rosa von Praunheim dem Leben älterer Frauen ("Unsere Leichen leben noch"), Porträts von Aussenseitern ("Tunten lügen nicht"; Transvestit Charlotte von Mahlsdorf in "Ich bin meine eigene Frau") und eine Doku über Rainer Werner Fassbinder ("Für mich gab's nur noch Fassbinder").

Rosa von Praunheim wurde 1942 in Riga als Holger Bernhard Bruno Mischwitzky geboren. Erst 2003 erfährt er von seiner Ziehmutter Gertrud, dass er Adoptivkind ist. Recherchen ergeben, dass er eigentlich Holger Radtke heisst. 1944 flieht die Familie nach Teltow nahe Berlin, 1954 lässt sie sich in Frankfurt nieder. Rosas Kunst- und Kampfname setzt sich aus dem Frankfurter Stadtteil Praunheim und dem Rosa Winkel zusammen, den schwule KZ-Häftlinge tragen mussten. 1961 nimmt Rosa von Praunheim ein Studium an der Werkkunstschule in Offenbach auf, wechselt an die Hochschule der Künste Berlin und beginnt ein Studium der Malerei. 1967 wird ein bestimmender Einschnitt in seinem Leben. Im Zug der Studentenbewegung bricht er sein Studium ab, arbeitet mit Werner Schroeter an Experimentalfilmen, lernt die amerikanischen Avantgardefilmer kennen, stellt Fotoserien her und erregt 1969 mit dem schwulen Manifest "Schwestern der Revolution" Aufsehen. Seitdem haben seine Filme Signalwirkung für die Emanzipation der Schwulen und erregen Skandal (bei "Nicht der Homosexuelle..." schaltet sich 1970 der Bayerische Rundfunk aus; "Das Todesmagazin" wird 1979 ganz aus dem TV-Programm genommen). Einige Arbeiten verfolgen die amerikanische Underground-Szene ("Überleben in New York"; "Tally Brown, New York", 1979 Filmband in Silber).

Rosa von Praunheim war 1966 bis 1969 mit Carla Aulaulau verheiratet, in den 80er-Jahren mit der Sängerin und Schauspielerin Evelyn Künneke. Zu seinen Arbeiten über vitale ältere Damen gehören "Affengeil" (mit Lotti Huber) und "Anita - Tänze des Lasters" (mit Huber), der als expressionistischer Stummfilm und moderne Reportage das Leben der in den 20er-Jahren berühmten exzentrischen Tänzerin und Schauspielerin Anita Berber schildert.

Von 1999 bis 2006 hatte Rosa von Praunheim eine Professur an der Hochschule für Film und Fernsehen in Potsdam-Babelsberg.

1978 veröffentliche Rosa von Praunheim die Autobiografie "Sex und Karriere", 1992 die Standortbestimmung "50 Jahre pervers". 2002 entstand das filmische Selbstporträt "Pfui Rosa!".

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