Jack Nicholson

Im kleinen Rudel der Löwen, die wie er am Mulholland Drive in Los Angeles Hof halten, ist er der Grösste. Sein verstorbenes Idol Marlon Brando, Freund und Nachbar am "Bad Boy Drive", hatte exotischere Frauen, darunter aus Bora Bora und Mexiko, opferte aber seine Karriere schliesslich dem Kühlschrank.

Warren Beatty war als Verführer noch erfolgreicher, doch als Schauspieler träumt er von Jacks Eroberungen. Drei Oscars für seine exzentrischen, rebellischen Einzelgänger in "Einer flog über das Kuckucksnest", "Zeit der Zärtlichkeit" und "Besser geht's nicht", hat der König der Löwen kassiert, wurde achtmal als Bester Darsteller nominiert. Das ist der zweite Platz hinter Laurence Olivier und Spencer Tracy (je neun), aber mit zwölf Nominierungen insgesamt der erste.

Nicholsons Karriere, die 1958 mit einer Hauptrolle im B-Movie "Cry Baby Killer" begann, dann mit weiteren Roger-Corman-Produktionen Fahrt aufnahm und nach der ersten Oscarnominierung für "Easy Rider" explodierte, durchzieht eine Kluft. Vor "Shining" porträtierte er experimentierfreudig interessante Aussenseiter wie in "Ein Mann sucht sich selbst", "Chinatown" oder "Das letzte Kommando".

Nach seiner Show als Axt schwingender Maniac machte er sein diabolisches Grinsen oft zur Hauptattraktion, auch wenn er unter guten Regisseuren sensible Auszeiten nahm, so als traumatisierter Vater in "Crossing Guard" oder vereinsamter Rentner in "About Schmidt".

Im Kino hat Nicholson geliebt, gesungen, gelitten, gemordet, doch auch privat hat er mehr Facetten als die Liebe zur Sonnenbrille und zum Basketballteam der L.A. Lakers. "Ich möchte als reizend, charmant, intelligent, attraktiv und vieles mehr erkannt werden. Mit mir kann man wirklich gut auskommen", ist seine Überzeugung.

Sechs Jahre teilte seine einzige Ehefrau Sandra Knight, Mutter von Tochter Jennifer, das Leben mit ihm, 11 Jahre blieb Rebecca Broussard, Mutter seiner Teenkids Lorraine und Raymond, ganze 16 Jahre Anjelica Huston.

Dass ihre Mutter und seine Grossmutter beide den Mädchennamen Soma tragen, ist nur eines von Nicholsons biografischen Mysterien. 1974 erfuhr er von einem Reporter, dass die Frau, die ihn aufgezogen hatte, nicht seine Mutter, sondern Grossmutter und seine ältere Schwester June tatsächlich seine Mutter war. Das Ende einer Lüge, die seine Familie erfand, als sie Don Furcillo Rose, den verheirateten Lover seiner Mutter, in die Wüste schickte.

Nur bei Sohn Caleb betrieb Jack ein vergleichbares Versteckspiel, wurde erst 1994 von Susan Anspach, Partnerin in "Ein Mann sucht sich selbst", in einem Leserbrief als Vater geoutet. "Meine Mutter hat nie die Ironie erkannt, wenn sie mich Hurensohn nannte", spottete er einmal über seine bewegte Biografie, in die Ruhe eingezogen ist.

Als Schauspieler ist von Nicholson noch Grosses zu erwarten, auch wenn ihn Komödien wie "Die Wutprobe", "Was das Herz begehrt" oder "Das Beste kommt zum Schluss", in der er sich todkrank mit einem Knall aus dem Leben verabschiedet, unterfordern.

Seine Tage als Skandalbruder, der mit einem Golfschläger ein fremdes Auto und triebgesteuert seine 33 Jahre jüngere Kollegin Lara Flynn Boyle bearbeitete, scheinen aber gezählt. Kein Problem, dass ihm das Hausmädchen täglich nur noch seine Pillen gibt: "Ich habe nicht alle Fantasien ausgelebt, die sich je in meinem leeren Kopf entwickelten, aber genug davon, dass ich das heute sehr relaxt sehe."

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