Franz Antel

Österreichischer Regisseur, Drehbuchautor und Produzent. Seine Hingabe an die leichte Muse hat er wunderbar verteidigt: "Ich wollte den Fellini nicht übertrumpfen, wollte keine grosse Kunst machen, nur die Leute unterhalten...Wenn man die Dinge in Humor verpackt, werden sie zumutbar." Franz Antel, der sein gesamtes Leben dem Film widmete, inszenierte zwischen 1947 und 2003 rund 100 Filme, vor allem Komödien in allen Spielarten, Heimatfilme, Musikfilme, Operetten, Revuen, Kriminalfilme und, "um mit meiner kleinen Firma zu überleben", erotische Filme. In einigen internationalen Produktionen ist sein Regiename Francois Legrand.

In Franz Antels Komödien ("Kaisermnöver", "Kaiserwalzer", "Der Kongress tanzt") wird das K.-u.-k. Österreich-Ungarn in gemütlicher Weise mit seinen Bällen, Parforce-Ritten, schneidigen Leutnants und feschen Maderln lebendig. Seine Heimatfilme ("Vier Mädels aus der Wachau", "Heimweh - dort wo die Blumen blühn", "Ruf der Wälder") feiern die Naturidylle, Gasthausseligkeit, Dörflerstreit und Sangeslust. Antel bedient sich geschickt der Muster des Verwechslungsspiels und nimmt zum Beispiel in "Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett" Urlaub und Verliebtsein liebevoll aufs Korn. Viele seiner Unterhaltungsfilme sind Klassiker des Fernsehprogramms geworden.

Zu Antels ernsteren Arbeiten gehören der Agentenfilm "Spionage" (1955), der die Affäre um den Abwehrchef Oberst Redl aufarbeitet, der Krimi "Der Schatz vom Toplitzsee" (1959) und sein grosses Alterwerk, die nach einem Bühnenstück entstandene Tragikomödie "Der Bockerer" (1981), die die gesellschaftlichen Verhältnisse in Österreich nach dem Anschluss an das Dritte Reich und im Weltkrieg aus der Sicht des Wiener Fleischermeisters Karl Bockerer (Karl Merkatz) schildert. Den für den Auslands-Oscar nominierten Film setzte Antel 1996 (Nachkriegszeit), 2000 (Ungarnaufstand) und 2003 (Prager Frühling) fort.

Franz Antels Verdienst bestand darin, nach dem Krieg Volksschauspieler wie Hans Moser ("Hallo, Dienstmann", 1951), Paul Hörbiger und Gunther Philipp dem Vergessen zu entreissen. Für Antel spielten Curd Jürgens, Ewald Balser, Rudolf Prack, Waltraut Haas, Edwige Fenech, Carroll Baker, Arthur Kenedy, Terence Hill, Britt Ekland, Andrea Ferréol und Tony Curtis. In den 60er-Jahren übernahm Antel die Neue Delta-Filmproduktion in Wien und stellte billig produzierte Erotik- und Sexfilme her. Zum Exportschlager wurde die um die "Wirtinnen"-Verse kreisende sechsteilige Reihe um "Die Wirtin von der Lahn" (1967) mit der schönen ungarischen Theaterschauspielerin Terry Torday .

Franz Josef Antel wurde 1913 in Wien geboren, besuchte ab 1931 die Wiener Filmakademie und inszenierte seinen ersten unvollendeten Film. Ab 1933 war er in Berlin als Regie- und Produktionsassistent und Produktionsleiter tätig. Während des Krieges arbeitete er in Propagandaeinheiten als Kameramann und wurde für Filmarbeiten und Truppenbetreuung freigestellt. 1945 kehrte er aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft zurück. 1986 verlor er mit dem Film "Johann Strauss - Der ungekrönte König" sein Privatvermögen von 40 Millionen Schilling, seine Villa in Döbling wurde Konkursmasse, er durfte nur noch dort wohnen. Nach einem Sturz ging Antel 2006 in ein Pflegeheim, wo er ein Jahr später starb.

Antel war 1938 bis 48 mit der Berlinerin Hilde Louise Wittke, 1953 bis 58 mit der Schauspielerin Hannelore Bollmann, 1970 bis 77 mit Elisabeth Freifrau von Ettinghausen, die bei einem Bergunfall starb, 1978 bis 1989 und wieder seit 1995 mit Sybille Thun, Sekretärin von Curd Jürgens, verheiratet.

Antel wurde 2000 mit der Platin-Romy für sein Lebenswerk ausgezeichnet, trug seit 1988 den Berufstitel "Professor" und erhielt 2004 die Ehrenmedaille der Bundeshauptstadt Wien. Er veröffentlichte 2001 ("Verdreht, verliebt, mein Leben") und 2006 ("Franz Antel. Ein Leben für den Film" und "Servus, Franz, grüss Dich") drei Erinnerungsbücher. Er war Anhänger und seit 1964 Präsident des First Vienna FC.

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