Stille Nacht

Das Buch zum Lied

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Von Oberndorf in die Welt

Es ist wie im Märchen: Ein Weihnachtslied wird vom spontanen Einfall zweier Freunde zum erdkreisumspannenden Sinnbild des Friedens. Gedichtet und komponiert in Zeiten der Bedrängnis, in die Ferne verbreitet durch...

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    Peter Krackowizer, 21.10.2018

    Mit Abstand das umfangreichste, detaillierteste und interessanteste Buch zu diesem Thema

    Es ist fast unglaublich, wie viele Facetten und Details, wissenschaftlich aufgearbeitet, in diesem Buch zusammengetragen wurden. Rund 30 kompetente Autoren lassen auf 280 Seiten so gut wie keinen Aspekt zum weltberühmten Weihnachtslied „Stille Nacht. Heilige Nacht.“ unbeleuchtet.

    Zunächst werden die Entstehungsgeschichte und die beiden Autoren des Liedes, Franz Xaver Gruber und Joseph Mohr ausführlich beschrieben. Dann schildert das Kapitel „Was vom Glanze übrigblieb – der Niedergang Salzburgs in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts“ die politischen und wirtschaftlichen Gegebenheiten zur Zeit der Entstehung des Liedes. Sozialgeschichtliche Aspekte, das Weihnachtsfest und die Weihnachtsmusik im frühen 19. Jahrhundert sind weitere Themen.

    Ein interessanter Beitrag ist jener über den „Urheberstreit“ der 1870er und 1890er-Jahre. Dabei erheben Bekannte oder Bekannte von Bekannten der beiden Autoren Zweifel an der Urheberschaft Mohrs am Text oder Grubers an der Melodie und umgekehrt. Hochradner, der Autor dieses Beitrags, zitiert Leserbriefe und Redaktionsantworten aus der „Salzburger Chronik“, einer Zeitung jener Zeit und erläutert, weshalb dies oder jenes zutreffend, falsch oder zweifelhaft sei.

    Andere Beiträge beschreiben die Verbreitung des Liedes durch Zillertaler Sänger. Diesen folgen Beiträge über die „technische“ Verbreitung des Liedes, von der mechanischen Spieldose bis zum elektronischen Download. Interessant auch, was Christian Strasser in seinem Beitrag der filmischen Interpretation des Liedes ausgegraben hat. Er beginnt mit dem ersten „Stille Nacht“-Film von 1910 eines jüdischen Filmproduzenten, führt über „das unsterbliche Lied“ einer Deutsch-Schweizer Koproduktion und verschiedener englischen Produktionen in den 1960er-Jahren zum „ewigen Lied“ aus dem Jahr 1998. Übrigens gab es auch eine deutsche-Mark-millionenteure Produktion, in der „Joseph Mohr als liebestoller Priester“ dargestellt wurde, wie die „Salzburger Volkszeitung“ schrieb. Der Film wurde dann aber nie gezeigt oder genauer gesagt – ja, das steht also auch in diesem Kapitel.

    Es folgen weitere Kapitel über die Dichtkunst Mohrs, die Lyrik des Biedermeiers in Salzburg, die Autografen und authentischen Überlieferungen Grubers, die Entstehung des Weihnachtsfestes und der Weihnachtskrippe, das Lied als Pop-Hit und andere. Kritisch betrachtet wird der Balanceakt zwischen Gedenkkultur und Marketing. Das Buch endet mit einem Beitrag über die Stille Nacht Gesellschaft und die Stille-Nacht-Gemeinden. Bei den Gemeinden blieben die Herausgeber Gott-sei-Dank bei den Fakten. Denn als es auf das Gedenkjahr „2018 – 200 Jahre Stille-Nacht-Lied“ zuging, meinten plötzlich einige Gemeinde, die bisher nie etwas mit diesem Lied „am Hut hatten“, dass auch sie ja irgendwie und doch auch mit der Entstehung oder Verbreitung etwas zu tun hätten. Und wären nur die Tiroler Sänger durch ihre Gemeinde gezogen.

    Ja und da gibt es noch ein paar Gründe, weshalb ich von diesem Buch schwer beeindruckt bin. Vorausschicken möchte ich, dass ich mich selbst schon seit Jahren etwas näher mit dieser Thematik befasse und daher sachlich schon einen guten Einblick habe. Daher möchte ich noch erwähnen, dass die Autoren mit Mythen und Legenden aufräumen, die sich im Laufe der Geschichte um Entstehung und Verbreitung des Liedes gebildet hatten. Und zwar mit Quellen belegt und genau erklärt, weshalb das oder jenes nicht stimmt. In jedem Kapitel gibt es zahlreiche Endnoten mit Verweisen und Quellenangaben, teilweise im Internet nachvollziehbar; das Buch endet mit einem umfangreichen Verzeichnis ausgewählter Literatur und einem Glossar (mit z. B. den Stichworten „Authentische Veranlassung“, „Legendenbildung“ oder den verschiedenen Fassungen des Liedes).

    Ergänzendes, gutes Bildmaterial, gut lesbare Schrift und eine angenehme Seitengestaltung runden meinen sehr positiven Eindruck von diesem wirklich gelungenen Nachschlagewerk zum Stille-Nacht-Lied ab. Von allen bisher mir bekannten Büchern ist es mit Abstand das umfangreichste, detaillierteste und interessanteste Buch zu diesem Thema.

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    janein

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