Rückkehr nach Birkenau

Wie ich überlebt habe
 
 
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"Niemand, der diesen Text gelesen hat, wird ihn vergessen können." Carolin Emcke

Im März 1944 wird Ginette Kolinka zusammen mit ihrem Vater, ihrem Bruder und ihrem Neffen von Avignon nach Auschwitz-Birkenau deportiert. Ginette ist die Einzige, die Monate...
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"Niemand, der diesen Text gelesen hat, wird ihn vergessen können." Carolin Emcke

Im März 1944 wird Ginette Kolinka zusammen mit ihrem Vater, ihrem Bruder und ihrem Neffen von Avignon nach Auschwitz-Birkenau deportiert. Ginette ist die Einzige, die Monate...

Kommentare zu "Rückkehr nach Birkenau"

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  • 5 Sterne

    1 von 1 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich

    Elke S., 19.01.2020

    Eine 94- jährige Frau bricht ihr Schweigen und lässt teilhaben am Schrecken der Naziverbrechen

    Übrigens sage ich bei jedem Besuch zu den Schülern: »Macht bloss die Augen zu, schaut nicht hin!« Und immer wieder »Unter jedem eurer Schritte liegt ein Toter.« Ginette Kolinka hat lange geschwiegen und ihre Geschichte zum ersten Mal erzählt, als Steven Spielberg Zeitzeugen für "Schindlers Liste" suchte. Heute führt sie regelmässig Schulklassen durch Auschwitz. Sie ist 94 Jahre alt und lebt in Paris und lässt nun in diesem Buch auch eine breitere Lesermasse an ihren Erfahrungen teilhaben.

    „16. April 1944: Endlich hält der Zug.“, und nach drei Tagen und Nächten eingepfercht in einen Viehwaggon kommt die 19-jährige Ginette Kolinka gemeinsam mit ihrem Vater, ihrem kleinen Bruder und ihrem Neffen in Birkenau an. „»Für die Schwächsten gibt es Lastwagen.« In meiner Naivität, die für mich womöglich Rettung, für sie Verhängnis ist, denke ich an meinen Vater, der von den zurückliegenden Wochen ausgezehrt und von der Reise erschöpft ist, ich denke an Gilbert, meinen kleinen Bruder, der erst zwölf ist, an seinen kleinen Struwwelkopf. Und ich höre, wie ich ihnen zurufe: »Papa, Gilbert, nehmt den Lastwagen!«“. Noch siebzig Jahre später hallt dieser Satz, der die beiden gleich bei der Ankunft in die Gaskammern geschickt hat, in ihr nach und dabei ist es nur eine der schrecklichen Erinnerungen, die sie prägen.

    Als Leser kommt man mit Ginette Kolinka in Birkenau an und bekommt dann von ihr von ihren grausamen Erfahrungen dort geschildert. Demütigungen, willkürliche Schläge, Kälte, Hass,… Sätze wie „Sie tätowiert mich: Registrierungsnummer 78599. Angeblich schreien manche vor Schmerz, vor Überraschung oder Entsetzen. Ich weiss nicht einmal, ob es weh tut, so stark, so bitter ist die Scham der Nacktheit. Ich spüre nichts anderes.“, „Wir werden zu sechst auf einem Stockwerk schlafen. Da wir, auf dem Rücken ausgestreckt, unmöglich zu sechst auf dem Strohsack Platz finden, müssen wir, ineinander verkeilt, Kopf an Fuss liegen.“, oder „…drückt ihre Schultern runter oder schlägt ihnen in die Magengrube. Schnell begreife ich, dass wir nicht selbst bestimmen, wann wir auf die Toilette gehen, man bringt uns.“, sind nur einige der schrecklichen Beispiele, von denen sie erzählt.
    Ausserdem erfährt man von ihrer Befreiung, dem Weitertransport ins Lager Bergen Belsen, ihrem anschliessenden Aufenthalt in einem Arbeitslager ins Raghun, ihrer Arbeit dort für ein Flugzeugwerk und schliesslich von ihrer Rückkehr nach Paris, wo ihre Mutter und ihre grossen Schwestern in Sicherheit leben.
    Auch von Depressionen, Alpträumen und weiteren Auswirkungen auf ihr weiteres Leben erfährt man in einzelnen Schlaglichtern „An der Waage zittert der Zeiger, bevor er zum Stillstand kommt. 26 Kilo. Ich bin 20 Jahre alt. Drei Jahre lang werde ich krank sein.“.
    Anschliessend erzählt sie noch mit knappen Worten von ihrem Weg nach Birkenau „Bis 1942 lebten wir praktisch unbehelligt. Wir schwörten heilige Eide, dass wir keine Jüdinnen seien, und lernten Handball, das neue Modespiel. […] Heute schäme ich mich, das zu sagen, aber ich war glücklich und sorglos, das war mein Leben als Teenager.“, aber im Jahr 1942 geriet alles ins Wanken. Man erfährt von Demütigungen, Einschränkungen und zunehmenden Verboten aufgrund der antijüdische Gesetze, schliesslich auch von ihrem Abtransport und ihrem Weg nach Birkenau über Gefängnisse in Avignon und in Marseille sowie einem Lager in Darcy.

    „Und hämisch antworten diese Frauen, während sie weiter ihre Arbeit verrichten: »Seht ihr den Rauch da draussen? Da sind sie! Da werden ihre Körper, eure Familien, verbrannt!« Das schleudern sie uns entgegen, aber niemand glaubt ihnen. Wie sollten wir auch? Ich jedenfalls glaube ihnen nicht.“ Ginette Kolinka konnte bei ihrer Ankunft noch nicht glauben konnte, was ihr bevorsteht. Klar, kann man sich einfach kaum vorstellen, dass Menschen tatsächlich zu solch abgrundtief verabscheuungswürdigen Taten fähig sind. Jedes Mal, wenn ich ein Buch zu dem Thema lese, frage ich mich wieder, wie hat das passieren können und auch wie können antisemitische, rassistische Bewegungen immer wieder entstehen? Umso wichtiger ist es, dass Zeitzeugen zu Wort kommen, die Taten in Erinnerungen gerufen werden, und möglichst viele dann auch Ginette Kolikas Wunsch und Rat beherzigen. „Wenn ihr hört, wie Eure Eltern, Verwandte oder Freunde rassistische, antisemitische Äusserungen von sich geben, fragt sie warum. Ihr habt das Recht zu diskutieren, sie von ihrer Meinung abzubringen, ihnen zu sagen, dass sie sich täuschen.“

    Der Augenzeugenbericht macht betroffen, ganz klar, wie könnten solche Beschreibungen auch nur kaltlassen. Ich war schockiert, bin es jedes Mal wieder aufs Neue, wenn ich davon lesen muss. Ihr Erzählstil ist aber eher schildernd, sie verzichtet auf allzu viel Gefühle. Ich denke auch gar nicht, dass sie will, dass der Leser mit ihr ihre Erfahrungen emotional nacherleben soll, wie in einem historischen Roman. Das macht mir auch ihr, „Ich mag Auschwitz nicht, diese leicht voyeuristische Anhäufung. Ich habe das Gefühl, dass dort alles zum Mitleid bewegen soll. Das hat mich nie beeindruckt.“, recht deutlich. Ihr geht es um Aufklärung, um Prävention.
    Man merkt deutlich, dass man einen Mix aus Erinnerungen und ihrer eigenen Recherche geboten bekommt. Immer wieder wirft sie ein, dass sie an dies oder jenes keine Erinnerung mehr hat oder das erst Jahre später erfahren hat. Auch ihrer Erfahrungen bei den Führungen von Schulklassen finden Eingang in die Schilderungen, „.die in den Schulen meine Geschichte hören wollen, stellen mir viele kluge Fragen, aber nie nach dem Hunger. Dabei ist das Lager purer Hunger. Ich glaube sogar, er ist das Einzige gewesen, woran ich gedacht habe. Nie fragen sie: »Was haben Sie gegessen?«“. Sie spricht den Leser auch immer wieder an „Stellen Sie sich das so vor.“ Ich habe mich ein wenig wie in einer Führung gefühlt. Sie hat mich mit nach Birkenau genommen, mir die Ecken, die ihre schlimmsten Erinnerungen wachrufen, gezeigt und auch etwas von ihrem Leben erzählt.

    Alles in allem ein wichtiges Zeitzeugendokument, das auf jeden Fall wert ist, gelesen zu werden, und deshalb von mir auch noch fünf Sterne bekommt.

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    janein

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