Die Lektion des Todes, Luca Veste

Die Lektion des Todes

Luca Veste

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»Das Mädchen, das Sie gefunden haben, ist nicht mein erstes Experiment. Und es wird nicht das letzte sein.«

In Liverpool wird die Leiche einer Studentin gefunden. Daneben ein Brief, der ein verbotenes psychologisches Experiment beschreibt. DI David Murphy hält den Brief für ein Ablenkungsmanöver – bis weitere Leichen auftauchen....

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    4 von 5 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich

    Pink Anemone, 07.03.2018

    »Das Mädchen, das Sie gefunden haben, ist nicht mein erstes Experiment. Und es wird nicht das letzte sein.« In Liverpool wird die Leiche einer Studentin gefunden. Daneben ein Brief, der ein verbotenes psychologisches Experiment beschreibt. DI David Murphy hält den Brief für ein Ablenkungsmanöver – bis weitere Leichen auftauchen.Auf der anderen Seite der Stadt versucht Rob Barker, seinen eigenen Verlust zu verarbeiten. Vor knapp einem Jahr verschwand seine Freundin spurlos. Rob wurde verdächtigt, doch es gab keinerlei Beweise. Und zwischen beiden Fällen scheint es eine erschreckende Verbindung zu geben …(Klappentext)

    ********************

    "Bereits in jungen Jahren wird uns die Angst vor dem Tod gelehrt - jener unbegreiflichen Macht, auf die wir alle zustreben, einzig und allein, weil wir existieren." (S. 9 - Anfang)

    Klappentext und Anfang des Psychothrillers lassen einem Grosses erwarten - Psychothrill durch und durch.
    Die Thematik, die der Autor gewählt hat, lässt einem auf jeden Fall die Gänsehaut rauf und runter laufen. Ein Serienkiller treibt in Liverpool sein Unwesen und der Grund ist seine ganz spezielle Mission - Forschung und Experimente an Menschen. Er hält sich dabei an Dr. Sigmund Freuds These "Das Ziel allen Lebens ist der Tod" und genau diesen will er erforschen und dafür benötigt er natürlich auch Publikum. Mit Briefen, welche an den Opfern angebracht sind, wendet er sich an die Ermittler und diese haben es in sich.

    "Was fühlen wir im Augenblick des Todes? Können wir das Gefühl jemals beschreiben? Ohne die wissenschaftliche Forschung, ohne Experimente werden wir keine dieser Fragen je beantworten können." (S. 51)

    Man erhält aber nicht nur anhand der Briefe Einsicht in die kranke Gedankenwelt des Täters, sondern auch durch ein paar wenige Erzählstränge des Killers selbst, welche erkennen lassen, dass bei ihm auf psychologischer Ebene so einiges im Argen liegt.

    "Die Erste hatte nicht annähernd so sehr geschrien. Dieser nutzlose Haufen Haut und Knochen hatte mit seinem Geheul schier die Wände eingerissen.[...] Die hatte vielleicht Nerven." (S. 134)

    Ebenso erhält man Einblick in die Sicht des Opfers "Experiment 2", welches schon seit längerem in seinem Keller sein Dasein fristet, der ganze Stolz des "Wissenschaftlers" ist und mit dem er noch viel vor hat.

    Erzählt wird in zwei Handlungssträngen.
    Der eine betrifft die Gegenwart und wird hauptsächlich aus der Sicht des leitenden Ermittlers Murphy erzählt, aber zu ihm kommen wir später.
    Der zweite Handlungsstrang ist ca. ein Jahr zuvor angesiedelt und enthält die Sichtweise von Rob Barker. Dessen Freundin verschwand nach einem Mädelsabend spurlos, doch keiner will ihm glauben, dass ihr etwas zugestossen sein könnte, da sie in der Vergangenheit schon mehrmals für Monate einfach abgehauen ist. Schliesslich gerät er selbst ins Visier der Ermittler.

    Bis hierher erscheint der vorliegende Psychothriller ein wahres Goldstück unter den Psychothrillern zu sein - interessante Thematik, der Schreib- und Erzählstil ist durchaus fesselnd und auch der Plot in diesen Bereichen geht einem unter die Haut. Hier erkennt man, dass der Autor, welcher ein Studium in Psychologie und Kriminologie absolvierte, durchaus Ahnung von der Materie hat. Doch leider fällt das Ganze durch den Hauptprotagonisten, den Ermittler Murphy, in sich zusammen.

    Dieser hat private Probleme ohne Ende und diese sind wirklich gewaltig. Private Probleme bei Ermittlern sind derzeit ja sehr modern. Kein Krimi/Thriller scheint mehr ohne persönliches Ermittler-Drama auszukommen, aber Luca Veste treibt dies hier wirklich an die Spitze. DI David Murphy hat gleich 3 private Baustellen:

    er hat den letzten Mordfall versemmelt. Hier wird jedoch keineswegs darauf eingegangen welchen Mist er gebaut hat. Es wird nur immerzu erwähnt.
    Massive Probleme mit seiner Noch-Ehefrau, einer Junkie-Braut, von der er getrennt lebt
    ..und das ist fast schon ein eigenständiger Fall...seine Eltern wurden auf bestialische Weise ermordet

    und als wäre das nicht schon genug, nimmt ihn dann auch noch der Serienkiller ins Visier. Sorry, aber das ist wirklich absolutely too much! Kein Wunder flennt DI Murphy, ist völlig von der Rolle und kann sich nicht wirklich auf den Fall konzentrieren und dieser dann in dem Ganzen Tohuwabohu und Rumgejammere untergeht..und natürlich immer dann wenn es gerade spannend wird.

    "Jeder lauerte nur darauf, dass er irgendeine Schwäche zeigte. Doch er hatte sich daran gewöhnt, die Fassade zu wahren - niemandem gegenüber irgendetwas preiszugeben oder zu teilen." (S. 62)

    Tja, hätte sich auch nur der Autor etwas daran gehalten, so wäre der Spannungsbogen auf hohem Niveau geblieben und nicht ständig in sich zusammengesackt, aber da wäre das Buch wohl auch nur halb so dick geworden.

    Die Auflösung enthält zwar eine grosse Überraschung, mit dem Ende bin ich trotzdem nicht zufrieden. Hier wird nämlich keineswegs darauf eingegangen, weshalb der Täter so wurde wie er ist, wieso ihn der Tod so fasziniert oder warum er sich für Experimente an Menschen entschieden hat. Man könnte meinen er macht das Ganze einfach nur, weil er gerade lustig ist und nichts besseres zu tun hat.
    Mir fehlt hier der Bezug zur Pathopsychologie und bei einem Autor der ein abgeschlossenes Studium in Psychologie und Kriminologie hat, hätte ich mir eigentlich genau das erwartet.

    Fazit:
    Dieser Psychothriller hätte durchaus ein richtiggehendes Schmankerl werden können. Thematik top, Plot durchaus spannend (wenn das Zwischendrin-Gejammere nicht gewesen wäre) und toller Schreib- und Erzählstil. Leider wird hier jedoch das persönliche Drama des Ermittlers immer wieder in den Vordergrund gerückt und die Menge und Intensität dieser Schicksalsschläge sind einfach zu viel und zu dramatisch. Mich wundert, dass mir von dem ewigen Augenüberdrehen die selbigen nicht steckengeblieben sind.
    Auch das Ende konnte mich nicht gänzlich zufriedenstellen.
    Für Leser, welche sich für kaputte Ermittler interessieren und erwärmen können, ist dies sicher ein durchaus empfehlenswerter Psychothriller. Ebenso für Leser bei denen das Weshalb und Warum nicht so sehr im Vordergrund stehen.
    Mein Highlight war dieser Psychothriller nicht wirklich. Aufgrund des tollen Schreibstils bleibt der Autor trotzdem auf meinem Radar. Vielleicht macht er es beim nächsten Mal ja besser.

    © Pink Anemone

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    janein

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