Das latène-kaiserzeitliche Scheiterhaufengräberfeld bei Sorsum, Stadt Hildesheim sowie zur Ethnogenese der Cherusker

Schriftenreihe des Landesmuseums für Natur und Mensch Oldenburg, Heft 81

In dem Band wird ein Brandgräberfeld vorgelegt, das durchgehend von der Mittellatène - bis zur Jüngeren Römischen Kaiserzeit belegt worden ist. Sein nahezu einzigartiger Erhaltungszustand, der sich aus der Überlagerung durch... mehr
2011, 289 Seiten, 158 Schwarz-Weiss-Abbildungen, Masse: 21,1 x 30 cm, Kartoniert (TB), Deutsch Isensee ISBN-10: 3899955560
ISBN-13: 9783899955569
 

Produkt-Beschreibung zu: Das latène-kaiserzeitliche Scheiterhaufengräberfeld bei Sorsum, Stadt Hildesheim sowie zur Ethnogenese der Cherusker

In dem Band wird ein Brandgräberfeld vorgelegt, das durchgehend von der Mittellatène - bis zur Jüngeren Römischen Kaiserzeit belegt worden ist. Sein nahezu einzigartiger Erhaltungszustand, der sich aus der Überlagerung durch ein Kolluvium ergibt, führt zu einer Reihe neuer Erkenntnisse, mit denen nun einige althergebrachte Meinungen in einem völlig anderem Licht erscheinen. So handelt es sich bei den Bestattungen in Sorsum durchweg um Scheiterhaufengräber, in deren grubenartigen Eintiefungen sich regelmässig die entsorgten Scheiterhaufenreste, ein grosser Teil der Beigaben sowie die Beisetzungen (Knochenlager, Urnen) zu einem geschlossenen Bestattungskomplex vereinen. Nun sind solche Gräberfelder wegen ihrer Oberflächennähe enorm zerstörungsgefährdet, was weitgehend dazu geführt hat, dass sich von ihnen nur noch kümmerliche, kaum identifizierbare Reste erhalten haben. Mit den Befunden von Sorsum wird deutlich, dass es sich bei den scheinbar vielfältigen Bestattungsweisen der Rhein-Weser Germanen (Brandgrubengräber, Brandschüttungsgräber, Knochenlager, Urnengräber) nicht um eigenständige Grabformen, sondern um die jeweiligen Zerstörungsstadien von Scheiterhaufengräbern handelt. Diese Grabform tritt im Gräberfeld Sorsum schon in der Mittellatènzeit voll ausgebildet auf und muss demnach auf älteren Wurzeln beruhen, die bereits in der Frühlatènezeit zu suchen sind. Gleichzeitig führt die Spur der frühen Cherusker wohl bis in diesen Zeitabschnitt, wobei sie sich, auf welche Weise auch immer, offensichtlich aus der einheimischen Bevölkerung formiert haben. Mit Sicherheit sind es auch Cherusker gewesen, die um 200 v. Chr. Geb. in einer Fluchtsituation auf der Barenburg und auf der Amelungsburg sowie auf einem Höhenrücken im Deister einem Überfall zum Opfer gefallen sind. Bemerkenswerterweise lässt sich dabei eine signifikante Spur bis in das keltische Manching zurückverfolgen. Der diesem Ereignis zeitlich entsprechende Teil der in Sorsum bestatteten Bevölkerung ist unmittelbarer Zeuge des Überfalls gewesen, jedoch ohne, da sich seine Belegung kontinuierlich fortsetzt, direkt davon betroffen gewesen zu sein. Insgesamt ergibt sich so ein eindrucksvolles Bild von den historischen Vorgängen in dieser Region, an dem das Gräberfeld Sorsum einen wichtigen Anteil hat.
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