Nirwana der Nichtse, Rainer B. Jogschies, Märchen & Sagen
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Nirwana der Nichtse

Ortskunde

Nirwana der Nichtse. OrtskundeNew York am 11. September 2001. Zwei Wolkenkratzer stürzen in Schutt und Asche zusammen. Sie beerdigen dreitausend Menschen. Der Rauch lichtet sich. Die Fläche, Ground Zero genannt, wird "frei" geräumt.... mehr

2005, 280 Seiten, Masse: 17,2 x 22,2 cm, Kartoniert (TB), Deutsch Nachttischbuch-Verlag ISBN-10: 393755002X
ISBN-13: 9783937550022
 

Produkt-Beschreibung zu: Nirwana der Nichtse

Nirwana der Nichtse. OrtskundeNew York am 11. September 2001. Zwei Wolkenkratzer stürzen in Schutt und Asche zusammen. Sie beerdigen dreitausend Menschen. Der Rauch lichtet sich. Die Fläche, Ground Zero genannt, wird "frei" geräumt. Aber was nach jenen Anschlägen mit Passagierflugzeugen gegen eine Stadt verlorenging ist, kann nicht sofort erkannt werden.Der Blick fiel kurzzeitig auch auf einen unbedeutenden Stadtteil am anderen Ende der Welt: Harburg. Ist das der Punkt Null, an dem alles seinen Ausgang zum Ground Zero nahm? Gewiss nicht. Oder vielleicht doch? Hier lebten mindestens drei der mutmasslichen Attentäter. Kaum einer kannte sie dort. Niemand will die kennen, die neben ihnen lebten. Niemand interessiert sich hier für Niemanden. Allenfalls einmal, wenn der in der Zeitung steht.Es ist also wie überall. Doch war Harburg immer wieder ein Ort, auf den die Welt verdutzt sah: Schlagzeilen hinterliessen über Jahrzehnte eine bizarre Chronik der Ereignisse. Sie ist unerzählt.Seit dem 11. September ist das Erzählen schwerer geworden. Die Geschichten wirken noch unglaublicher. Die Sprache scheint zu versagen. Aber der Redeschwall nimmt kein Ende. Und auch der Alltag nach den Anschlägen - von Politikern als notwendige "Normalität" gegen den Terrorismus ins Feld geführt - wird unglaublicher. Jeder will mitleiden. Aber keiner will Schmerzen. Dies ist ein Gang durch ein Archiv der kleinen Geschichten aus Harburg, die irgendwann grosse Themen wurden und werden. Der "Gang der Dinge" nicht als eine Chronologie, sondern als Splitter des Seins - eine Ortskunde im wörtlichen Sinn, aus jener Zeit, als das Medien-Etikett "Terrornest" gerade noch zum Schicksal fehlte. Es ist auch ein Kaleidoskop der Katastrophen im Kleinen, mit Reportagen und Features, die sich wunderlich zusammenfügen: Von einem Kriegsdienstverweigerer, der sich ans Kirchenkreuz kettete, von einem Umweltbeauftragten, der auf Kampfgasvorräte achten musste, von einem Tonbandtechniker, dessen Heimat unter Giftschlamm erstickt wurde, von einem Süchtigen, dessen Tod die Freunde seelenruhig abwarteten ...Diese Sammlung kurzer Geschichten vom ausgehenden Zwanzigsten Jahrhunderts spitzt die Frage zu, die sich nicht erst seit dem "11.9." stellt - und mit Bomben von Niemandem beantwortet werden kann: Was bedeutet das Leben noch, wenn uns die Menschen nichts mehr bedeuten?Nirwana des Nichts. Erdkunde ...Die Rede vom "Globalen Dorf" nimmt durch die weltweite Allgegenwart der Medien eine eigenartige, ja bedrohliche Gestalt an: Mord und Terror scheinen zugleich nebenan und sind doch (noch) fern. Die dafür grundlegende "Ökonomie der Aufmerksamkeit", die Wichtiges von Unwichtigen zu trennen vorgibt, scheint allmählich zu einem explosiven Widerspruch in sich zu werden: Je weniger der Alltag die Medien interessiert, desto unheimlicher werden die darin scheinbar verborgenen Sensationen, die er - wie die "Attentäter aus Harburg" - für kurze Zeit hervorbringt.Die Globalisierung der Berichterstattung stürzt solcherart unmerklich ins Gegenteil: In die Provinzialität. Sie sieht kurz hin und lange wieder weg. Das könnte die demokratische Öffentlichkeit ersticken: Wenn wir nicht beizeiten hinhören, was noch zu erzählen ist ausser Sensationen und Schrecken. Dies Buch ist ein Plädoyer für einen subjektiven Journalismus.
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Autoren-Porträt von Rainer B. Jogschies:

Rainer B. Jogschies ist Politologe und Publizist. Er hat immer wieder Harburger Leben liebevoll geschildert, sowohl in vielen seiner hier ausschnittweise nachgedruckten Zeitungs- und Zeitschriftenbeiträge als auch in seinen Büchern, beispielsweise in "Wo, bitte geht's zu meinem Bunker?" (Hamburg 1985, Berlin 1988), einer Reportage über Zivilschutz in der Bundesrepublik, oder in "Make love, not war" (Berlin 1992), einem Feature über die sexuelle Notstandsrepublik Deutschland in ...

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